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Ernährung Wir Zuckerjunkies

Zwei Drittel der deutschen Männer und mehr als die Hälfte der Frauen schleppen zu viel Gewicht mit sich rum. Eine andere Besteuerung für zuckerfreie Lebensmittel könnte helfen - ein Kommentar.

Vom Teufel Alkohol wissen wir schon länger, dass er Böses tut, sein Bruder Zucker läuft noch mit nettem Image herum. Foto: Michael Schick

Kein Mensch braucht Zucker zum Leben, aber ohne Zucker geht es auch nicht mehr. Der Durchschnittsbürger verschlingt riesige Mengen davon, macht sich nicht klar, wie sehr er sich damit schadet und füttert noch seine Kinder damit. 67 Prozent der deutschen Männer und 53 Prozent der Frauen schleppen zu viel Gewicht mit sich rum. Ruinieren sich Knie und Hüfte, schlemmen sich eine Diabetes an. 

Vom Teufel Alkohol wissen wir schon länger, dass er Böses tut, sein Bruder Zucker läuft noch mit nettem Image herum. Es gibt Leute, die halten Fruchtsaft für gesund, obwohl der nicht viel besser ist als braune Brause. Smoothies sind Zuckerbomben. Zucker schleicht über Joghurt oder Wurst in unsere Körper. Die Industrie hat uns wie Hunde auf Zucker abgerichtet. Der Zahn tropft beim Gedanken an Sahneeis. Die Sucht wohnt überall. 

Wie wäre es mit Schockbildern? 

Auf Umerziehungsversuche reagiert der Bürger erfahrungsgemäß bockig. Zwei Verfahren aber haben sich bisher als wirksam erwiesen: Schockbilder (auf Zigarettenschachteln) und das Teuermachen. Wie wäre es mit Fotos von karieszerfressenen Zähnen auf Bonbontüten und Eisteeflaschen? Nahaufnahmen von Fettwülsten Sechsjähriger auf Ketchupflaschen.

Über Steuern den Zuckerkonsum zu steuern – die Idee gibt es schon länger. Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko und andere tun es schon. Deutsche Forscher schlagen nun eine ausgeklügelte Variante vor: Zuckerfreie Lebensmittel wie Gemüse vollständig von der Mehrwertsteuer zu befreien und Übersüßtes, das den Namen Lebensmittel nicht verdient, mit dem vollen Satz von 19 Prozent zu belasten. Normale Nahrungsmittel behielten den ermäßigten Satz von sieben Prozent. 

Klingt kompliziert, könnte aber funktionieren. Selbst wenn die Preiserhöhung für Süßes im Centbereich bleiben sollte: Gemüse wird günstiger. Zuckerjunkies könnten ihren Bedarf gut und günstig mit Möhren (etwa fünf Prozent Zuckergehalt) substituieren.

Der Aufschrei der Zuckerlobby wird nicht lange auf sich warten lassen. Der Widerstand ist erfahrungsgemäß massiv. 

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