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„Böses“ und „gutes“ Cholesterin ist nicht gleich Cholesterin

Ein zu hoher Cholesterinspiegel kann gefährlich werden - muss er aber nicht. Es kommt darauf an, wie es ansonsten um die Gesundheit bestellt ist. Und selbst wenn die Blutfettwerte runter müssen, braucht es meist nicht gleich Medikamente.

02.01.2019 05:04
Sabine Meuter, dpa
Gemüse
Gesunde Ernährung mit viel Gemüse schützt die Gefäße. Foto: Christin Klose

Man sieht es nicht, man spürt es nicht - daher kommt die Diagnose oft überraschend: „Ihre Cholesterin-Werte sind viel zu hoch.“ Das bedeutet, dass die Blutfettwerte nicht in Ordnung sind.

Egal ist das nicht. Denn ist der Cholesterinspiegel dauerhaft erhöht, drohen eine Arterienverkalkung, schlimmstenfalls ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Andererseits: Grundsätzlich zu verteufeln sei Cholesterin auch nicht, sagt Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM).

Wofür Cholesterin gut ist

Der Körper braucht den fettähnlichen Stoff - für den Zellaufbau, für die Bildung von Vitamin D oder zur Produktion des Sexualhormons Östrogen. Einen Großteil dieses Fettes stellt er selbst her. Aber auch durch fettreiche Nahrung wird Cholesterin aufgenommen.

Dabei ist Cholesterin nicht gleich Cholesterin. Es gibt das „gute“ (HDL = High Density Lipoprotein) und das „böse“ (LDL = Low Density Lipoprotein) Cholesterin. Je mehr von dem guten HDL im Körper ist, desto besser. Es schützt die Gefäße, da es überschüssiges Cholesterin im Blut von den Arterienwänden zurück zur Leber bringt. Von dort wird es über die Galle ausgeschieden. Das schlechte LDL hingegen transportiert die Fettpartikel zu den Zellen, wo es sich festsetzt und zu den gefährlichen Gefäßverkalkungen führen kann.

Ebenfalls wichtige Fette im Blut sind die Triglyceride. Diese Neutralfette gelten als der Hauptbestandteil der Körper- und Nahrungsfette.

Ab wann man zu viel Cholesterin hat

Dafür, wie viel Cholesterin sich im Blut befinden sollte, gibt es Richtwerte: Das Gesamtcholesterin sollte 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) nicht übersteigen. Häufig tut es das aber: Ein Drittel der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren hat nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen über 200 mg/dl liegenden Wert.

Die Zielwerte für die einzelnen Cholesterinarten hängen davon ab, ob jemand weitere Krankheiten hat wie Bluthochdruck oder Diabetes oder ob er zum Beispiel raucht. „Das LDL-Cholesterin sollte nicht über 150 mg/dl liegen, wenn es einen einzigen zusätzlichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt“, so Wechsler. Liegen mehrere Risikofaktoren vor, dann sollte das LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl liegen.

Auch wenn ein Patient starken Bluthochdruck hat, darf der LDL-Cholesterinwert höchstens 100 mg/dl betragen. Hatte jemand bereits einen Herzinfarkt oder liegt ein Diabetes vor, dann sollte der Wert sogar unter 70 mg/dl liegen. Das HDL sollte bei Frauen möglichst über 45 mg/dl liegen, bei Männern über 40 mg/dl.

Schnell-Test in der Apotheke

Um schwerwiegenden Erkrankungen vorzubeugen, sollte jeder einmal im Jahr seine Cholesterin-Werte bestimmen lassen. „Das geht per Schnelltest in vielen, aber nicht allen Apotheken“, sagt Ursula Sellerberg, Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesapothekerkammer. Weichen die festgestellten Werte von den Richtwerten ab, sollten Patienten zum Arzt gehen.

Stellt sich heraus, dass der Cholesterinspiegel - und hier vor allem das „böse“ Cholesterin - eines Patienten dauerhaft erhöht ist, dann muss der Betroffene in einem ersten Schritt seine Ernährung umstellen und seinen Lebensstil ändern. „Das heißt, der Patient isst weniger fettreiche und tierische Produkte und dafür mehr pflanzliche und fettarme Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Getreideprodukte“, erklärt Wechsler. Ist jemand übergewichtig, setzt der Arzt ihn zugleich auf Diät.

Die richtigen Fette

„Im Vordergrund sollte die richtige Auswahl der Fette stehen: pflanzliche Öle, Margarine, Nüsse und fette Fische sind zu bevorzugen“, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Positiv wirkt es sich nach ihren Angaben aus, weniger gesättigte Fettsäuren, wie sie etwa in tierischen Lebensmitteln stecken, und dafür mehr ungesättigte Fettsäuren zu konsumieren. „Kokosfett, Butter, Sahne, Schmalz und Speck sollten nur sparsam verwendet werden“, so Gahl.

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