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Alte Menschen Die Lebenszufriedenheit im sehr hohen Alter

Eine Expertin mahnt, psychologische Aspekte stärker zu berücksichtigen. Gerontologen tagen Anfang September in Köln.

Alter
In Altenheimen wird oft nicht genau überprüft, ob jemand ein neues Hörgerät oder ähnliches benötigt. Foto: rtr

Keine Altersgruppe wächst in Deutschland so stark wie die der Hochbetagten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten Ende 2016 hierzulande 2,26 Millionen Menschen, die 85 Jahre und älter waren. Ein Jahrzehnt vorher gab es nur 1,64 Millionen Deutsche in diesem Alter. Was für diese hochbetagten Menschen ein erfülltes Leben ausmacht und welchen Beitrag Ärzte und Pflegekräfte dazu leisten können, damit werden sich die Teilnehmer des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie beschäftigen. Die Tagung steht unter dem Motto „Vielfalt des Alterns: biomedizinische und psychosoziale Herausforderungen“ und findet vom 6. bis 8. September in Köln statt.

Eine Studie aus Heidelberg zur Situation hundertjähriger Menschen hatte ergeben, dass diese trotz meist mehrerer chronischer Erkrankungen mehrheitlich zufrieden mit ihrem Leben sind. Der Grund: Sie stellen ihre Krankheiten nicht so sehr in den Mittelpunkt, wichtiger seien die sozialen Kontakte und das Gefühl, noch selbstständig handeln zu können, erklärt Daniela Jopp, Professorin für Psychologie an der Universität Lausanne, die an der Studie beteiligt war und beim Kölner Kongress einen Vortrag zu diesem Thema halten wird.

Während ältere Menschen unter 85 häufig damit haderten, wenn ihre Kräfte nachließen und sie gewohnte Tätigkeiten aufgeben müssten, entwickelten Hochbetagte „mit der Zeit positive Strategien“, um mit diesen Verlusten umzugehen, sagt Daniela Jopp: „Sie lernen zu akzeptieren, dass sie manches nicht mehr schaffen, was ihnen früher leicht gelang. Das ist eine Stärke sehr alter Menschen, die zu ihrer Zufriedenheit beiträgt.“

Doch das Herunterschrauben der eigenen Erwartungen an die Lebensqualität hat auch einen Haken: Es kann nach Ansicht der Wissenschaftlerin dazu führen, dass sehr alte Menschen nicht optimal versorgt werden. „In unserer Studie berichteten fast 30 Prozent der Hundertjährigen, dass sie oft oder ständig Schmerzen haben. Das ist nicht akzeptabel.“

Es müsse geklärt werden, ob dieser hohe Wert daran liege, dass Hochbetagte der Ansicht seien, ihre Schmerzen aushalten zu müssen oder ob sie bei ihren Ärzten nicht ausreichend Gehör fänden. Auf jeden Fall müssten Mediziner dafür „sensibilisiert“ werden, dass sehr alte Menschen häufig unter Schmerzen litten. Eine aktuelle Untersuchung von Daniela Jopp ergab außerdem, dass es sehr alte Menschen stark belaste, wenn bei ihnen gleichzeitig das Hören und das Sehen beeinträchtigt sei. Das erhöhe das Risiko für Depressionen „deutlich“.

Leider werde in Altenheimen nur selten überprüft, ob die Sehstärke noch in Ordnung sei oder ob jemand ein neues Hörgerät benötige. Dabei wäre das ein Ansatz, um die Lebensqualität sehr alter Menschen „wirksam zu verbessern“, erklärt die Wissenschaftlerin. Sie fordert deshalb „neue Kriterien“, um das „erfolgreiche Altern von Hochbetagten zu erfassen“. Dabei müssten psychologische Faktoren „viel stärker“ berücksichtigt werden. 

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