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19-Jähriger verstorben Experten warnen vor synthetischem Marihuana

Sie lösen Angstzustände, Herzrasen und massive Übelkeit aus. Künstlich hergestellte Cannabinoide wirken um ein Vielfaches stärker als pflanzliches Cannabis. Experten erklären, warum die Droge so gefährlich ist.

24.08.2015 13:36
Gefährliche Kräutermischungen
Gefährliche Kräutermischungen: Folge des Konsums können Ohnmacht, Kreislaufversagen, Wahnvorstellungen, Vergiftungen und im schlimmsten Fall sogar der Tod sein. Foto: dpa

Er wollte es ein einziges Mal ausprobieren. Doch dieser eine „Spice“-Versuch kostete den 19-jährigen US-Amerikaner Connor Eckehardt (19) im vergangenem Jahr das Leben. In Deutschland ist der Handel mit synthetischem Marihuana seit 2009 verboten, doch in den USA zählt die Droge zu den sogenannten „Legal Highs“ und ist legal erhältlich.

Für Connors Eltern bis heute ein Skandal. Sie engagieren sich über Facebook für mehr Aufklärung und ein Verkaufsverbot in ihrem Heimatland. Doch was genau ist an dem synthetischen Marihuana so gefährlich?

PLEASE READ AND SHARE!!!!LAST NIGHT I COULD NOT SLEEP. 1 IN 9 HIGH SCHOOL KIDS HAVE ADMITTED TO TRYING "SPICE". For the...

Posted by Connor Reid Eckhardt on Freitag, 14. August 2015

Drugcom.de, das Internetportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), berichtet, dass künstlich hergestellte Cannabinoide teils deutlich stärker sind als pflanzliches Cannabis. Der Konsum des Rauschmittels kann deshalb gravierende Folgen haben.

Mehrere Todesfälle nach dem Konsum

Welchen Schaden die künstlichen Cannabinoide anrichten können, berichtet der Toxikologe Jeffery H. Moran: Ein 23-Jähriger rastet völlig aus, verwüstet sein Zimmer, zerschmettert eine Fensterscheibe und fügt sich selbst eine stark blutende Schnittverletzung am Hals zu. Als der Notarzt eintrifft, kann er nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen. Außer dem synthetischen Cannabinoid AM-2201 hatte er keine weiteren psychoaktiven Substanzen im Blut und galt als psychiatrisch gesund.

Moran und sein Team haben diesen Fall veröffentlicht, um vor synthetischen Cannabinoiden zu warnen.

Zwar reicht ein Fall nicht aus, um die Droge zweifelsfrei als Ursache für psychotische Ausbrüche zu identifizieren, zwölf weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Konsum synthetischer Cannabinoide sowie Berichte aus Notfallambulanzen deuten aber darauf hin, dass der Konsum der Substanzen, alles andere als ungefährlich ist.

600 Mal stärker als gewöhnliches Marihuana

Im Vergleich zu natürlichem THC kann die Wirkung der synthetischen Cannabinoide mehr als 600 Mal stärker sein. Es gibt Wirkstoffe, die eine kürzere Wirkung als THC haben, bei anderen kann sich die Wirkung aber auch um mehrere Stunden hinziehen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Herzrasen, starke Unruhe und Halluzinationen.

Einige Konsumenten berichten sogar von starken Brechanfällen. Nicht selten suchen Betroffene nach dem Konsum freiwillig die Notaufnahme auf. Ein deutsches Forschungsteam hat allein zwischen 2008 und 2011 48 solcher Fälle gezählt.

Die Mediziner dokumentierten zudem Nebenwirkungen, die beim Konsum von pflanzlichem THC in der Regel nicht auftreten. Darunter aggressives Verhalten, Krampfanfälle, Bluthochdruck, starke Übelkeit und Kaliummangel. Bei Kaliummangel können Müdigkeit und Muskelschwäche bis hin zu Herzrhythmusstörungen auftreten.

Insbesondere JWH-122 und JWH-210 seien „extrem potente“ synthetische Cannabinoide. Seit Juli 2012 sind diese Substanzen dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt worden.

Psychose häufige „Nebenwirkung“

Im Gegensatz zu Cannabis enthalten Kräutermischungen wie „Spice“ kein Cannabidiol (CBD). Diesem CBD wird nachgesagt, den Rausch, der durch THC erzeugt wird, abzumildern. Zudem wird ihm eine Schutzfunktion gegen psychotische Effekte zugesprochen. Konsumenten fühlen sich deshalb eher entspannt oder schläfrig. Fehlt CBD, wie bei bestimmten hochpotenten Cannabissorten, wird der Rausch deutlich intensiver und halluzinogener.

So könne es bei anfälligen Konsumenten zu Psychosen kommen, glauben Wissenschaftler der Universität Amsterdamund des Trimbos Instituts in den Niederlanden.

Etwa elf Prozent der befragten Konsumenten berichteten später von akuten Angstzustände mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Vor allem unerfahrene Konsumenten seien aus Sicht der Forscher gefährdet.

(jto)

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