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Gemeinschaftsschulen Starke und Schwache lernen zusammen

Eine Studie bestätigt den Erfolg von Gemeinschaftsschulen. Der gemeinsame Unterricht nutzt sowohl den Schwachen als auch den Starken.

17.09.2012 13:39
Jeannette Goddar
Gemeinsam klüger werden: Gemeinschaftsschule in Tübingen. Foto: dpa

Zusammen lernt es sich besser. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Studie, die Schüler an Gemeinschaftsschulen mit ihren Altersgenossen im gegliederten Schulsystem vergleicht. Mehr noch: Der gemeinsame Unterricht nutzt sowohl den Schwachen als auch den Starken, also jenen, von denen man gemeinhin glaubt, dass sie am schwersten gemeinsam zu unterrichten sind.

Herausbekommen haben das die Hamburger Erziehungswissenschaftler Johannes Bastian und Ulrich Vieluf. Über vier Jahre begleiteten sie wissenschaftlich das Berliner Pilotprojekt Gemeinschaftsschule. Die 2008 von der rot-roten Koalition in Berlin gestarteten Gemeinschaftsschulen nehmen das gemeinsame Lernen ernster als die meisten Gesamtschulen: Auf äußere Differenzierung in Gruppen wird verzichtet. In der neunten Klasse bekommen die Schüler eine Prognose, welcher Abschluss ihnen mutmaßlich offensteht. Danach können sie den Haupt- oder Realschulabschluss oder das Abitur erwerben.

Schüler bestimmen mit

Die Wissenschaftler begleiteten 14 Gemeinschaftsschulen. In der siebten und neunten Klasse maßen sie Schüler mit Hilfe des Hamburger Testverfahrens Kess. Verglichen haben sie die Ergebnisse mit denen von Hamburger Schülern an herkömmlichen Schulen mit ähnlicher sozialer Zusammensetzung.

Vor allem in Deutsch – im Leseverständnis wie in der Rechtschreibung – waren die Berliner Gemeinschaftsschüler den Hamburgern deutlich voraus. Ähnlich in Englisch und Mathe.

Das Ziel, die notorisch enge Bindung von Lernerfolg und sozialer Herkunft zu entkoppeln, ist für die Forscher damit erreicht. Die gängige Annahme, dies gehe zu Lasten der guten Schüler, weist Ulrich Vieluf vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung von sich: „Auch die Leistungsstarken kommen nicht zu kurz – im Gegenteil! Individuelle Förderung nutzt allen.“ Nachholbedarf sieht Vieluf eher in der angemessen Förderung von Durchschnittsschülern sowie bei neuen Lernformen in den Naturwissenschaften.

Magere Ausstattung

Unterstützt von Fachleuten lernen Schulleiter und Lehrer der Gemeinschaftsschulen Methoden individueller Förderung, Wege der Schulentwicklung und Teamarbeit. Es gibt einen Etat für Fortbildung sowie eine dreiviertel zusätzliche Stelle für Lehrer und pädagogisches Personal.

Angesichts dessen, was sich alles geändert hat, ist diese Ausstattung allerdings mager: An den Gemeinschaftsschulen arbeiten die Lehrer in Jahrgangsteams mit einer bisher unbekannten Methodenvielfalt. An zwei von drei Schulen fanden die Forscher „komplexe didaktische Arrangements“ – also weit mehr als das Verteilen verschiedener Aufgaben an verschieden schlaue Schüler.
Schüler lernen nicht nur in Tischgruppen zusammen. Sie schätzen sich auch selbst ein und führen Logbücher, die sie mit Lehrern, Eltern oder Mentoren erörtern. Dass die Schüler ihr Lernen selbst in die Hand nehmen, sei das A und O individueller Förderung, sagt Schulforscher Bastian.

In nahezu allen Gemeinschaftsschulen bestimmen Schüler wie Eltern mit. Das, so sagt Vieluf, sei vielleicht der Schlüssel zum Erfolg eines Modells, an dem sich bisher kein Gymnasium beteiligt. Auf die Ergebnisse blicken dürften vor allem die Baden-Württemberger: Dort hat die grün-rote Koalition soeben die ersten 40 Gemeinschaftsschulen auf den Weg gebracht.

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