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Forschung Ideen gegen den Wassermangel

Nachwuchswissenschaftler verschiedener Länder erarbeiten Konzepte für eine nachhaltige Zukunftsperspektive.

Fluss in León
So idyllisch kann es am Fluss in der lateinamerikanischen Stadt León aussehen. Foto: See Urban Water

Wassermangel, Klimawandel, Mikroplastik - um Lösungstrategien für solch komplexe ökologische Probleme zu entwickeln, ist es hilfreich, wenn möglichst Forscher verschiedener Fachrichtungen gemeinsam mit Praktikern, gesellschaftlichen Akteuren und Bürgern zusammenarbeiten. Über solche transdisziplinären Ansätze haben sich knapp 30 Nachwuchswissenschaftler aus mehr als zehn Ländern während der internationalen Summer School des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) ausgetauscht. Mehr als 80 Bewerber wollten zu der sechstägigen Veranstaltung „Brilliant Minds for Social-Ecological Transformations“, die von der Volkswagenstiftung finanziert wird.

Am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg treffen sich an diesem Vormittag verschiedene Arbeitsgruppen zur Problemdefinition. Bertha Hernández Aguilar kommt aus Mexiko City und schildert die katastrophale Wasserknappheit in den rund 870 informellen Siedlungen, die im Gegensatz zu anderen Wohnviertel keinen Wasseranschluss haben. „Es gibt Probleme, da der städtische Wassertruck nicht jede Woche kommt“, berichtet die Wissenschaftlerin. Die 300 Familien, die Bertha Hernández Aguilar in ihrem Projekt im Süden der Megacity betreut, müssen dann oft für viel Geld Wasser kaufen. „Ich suche nach einer kollektiven Alternative, die den Staat und die armen Familien möglichst wenig kostet.“

Auch Shailendra Mandal aus Indien kennt die Problematik: Er stammt aus Patna, einer Zwei-Millionen-Metropole im Nordosten Indiens, die wie viele Städte des Landes mit Wassermangel zu kämpfen hat. „Für die Versorgung der Städte in Indien wird zu mehr als 90 Prozent auf das Grundwasser zurückgegriffen.“ Mandal konnte zeigen, dass das Absinken des Grundwasserspiegels in Patna zusätzlich noch durch den Klimawandel verstärkt wird. „Zwischen 1979 und 2015 ist die Durchschnittstemperatur in Patna um zwei Grad angestiegen. Es dauert Jahrhunderte, bis der Grundwasserspiegel wieder sein früheres Niveau erreicht“, warnt der Forscher.

Seine Aufgabe bestehe nun darin, mit verschiedenen Experten und Interessenvertretern einen Lösungsansatz zu entwickeln. „Von wissenschaftlicher Seite sind ein Klimaforscher und ein Hydrologe beteiligt, außerdem gibt es einen Stadtplaner, der Zukunftsszenarien entwirft, eine städtische Fachkraft, die die Wasserverteilung regelt und die Stadtverwaltung.“

Mit verschiedenen sozialen Gruppen ist auch José Chapa aus Ecuador in seinem Projekt konfrontiert. Seine Forschungsgruppe an der TU Darmstadt untersucht derzeit die Wasserverschmutzung in León, eine Provinzhauptstadt im Westen Nicaraguas. „Von den Anrainern flussaufwärts wird das Wasser stark verunreinigt, so dass es flussabwärts bei den informellen Siedlungen zu Problemen kommt, die das Wasser für den Ackerbau und im Haushalt benötigen.“ Da vermengten sich ökologische und soziale Fragen „Nur wenn wir es schaffen, beide miteinander zu verbinden, können wir eine alternative Lösung finden“, sagt Chapa.

Ob Plastik im Wasserkreislauf ein ökologisches Problem ist und welche Akteure involviert sind, untersucht Lisa Zimmermann von der Frankfurter Goethe-Universität. „In der sozialen Wahrnehmung wird Plastik zunehmend als problematisch wahrgenommen, aber aus wissenschaftlicher Sicht müssen wir noch genauer die Auswirkungen auf die Umwelt erforschen. Es ist beispielsweise möglich, aber noch nicht erwiesen, dass Mikroplastik in die Blutbahn von Meereslebewesen gelangt.“ Auch bei der Vermeidung von Plastikmüll müsse genau hingeschaut werden, ob alternative Materialien tatsächlich umweltschonender seien.

„Oft ist es eine Herausforderung, die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse in einer Sprache zu präsentieren, die auch die Akteure aus der Praxis verstehen“, berichtet der Geograf Robert Lütkemeier, einer der Organisatoren der Summer School. Selbst an seinem Institut sei es nicht immer leicht, sich etwa mit einem Physiker oder einem Ingenieur über Fachfragen auszutauschen.

„Doch genau dieser transdisziplinäre Ansatz ist ein Kernelement unserer Arbeit am Institut.“ Unabhängige Nachhaltigkeitsforschung betreibt das Institut für sozial-ökologische Forschung seit nunmehr 25 Jahren. Da kommt einiges an Know-how zusammen, wie man praxisnahe Lösungen für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft entwickelt. 
Zudem verfolgen die einzelnen Akteure in den Projekten häufig unterschiedliche Interessen. Auch das gelte es zu berücksichtigen, sagt Lütkemeier. „Während Wissenschaftler das Ziel haben, ein Paper in einem Journal zu veröffentlichen, wünschen sich die Praktiker beispielsweise eine konkrete Handlungsanweisung.“

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