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Folgen für die Gesundheit Nur die Geigerzähler ticken

Radioaktive Strahlen kann der Körper nicht wahrnehmen Jod ist acht Tage lang sehr gefährlich. Schwieriger stellt sich die Situation beim Cäsium 137 dar. Mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren kann es in die Nahrungskette gelangen.

Mit Mundschutz: Japanerin in der U-Bahn. Foto: dpa

Radioaktive Strahlen kann der Körper nicht wahrnehmen Jod ist acht Tage lang sehr gefährlich. Schwieriger stellt sich die Situation beim Cäsium 137 dar. Mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren kann es in die Nahrungskette gelangen.

Mit den Hiobsbotschaften aus dem Atomkomplex Fukushima wächst die Angst der Menschen in Japan. Immer mehr Radioaktivität belastet dort die Atmosphäre. Am Dienstag musste das Personal die Kontrollräume der Reaktoren verlassen, weil die Werte dramatisch anstiegen.

Doch die negativen Folgen für die Gesundheit zeigen sich meist erst nach vielen Jahren. Das liegt daran, dass Menschen und Tiere von Natur aus einer natürlichen Strahlenbelastung von rund zwei Millisievert (mSv) pro Jahr ausgesetzt sind. Von radioaktiver Strahlung getroffene Zellen sind meist in der Lage, den entstandenen Schaden in ihrer Erbsubstanz entweder zu reparieren – oder sie sterben ab.

In der Umgebung von Fukushima wurden am Dienstag jedoch Werte zwischen 100 und 400 mSv gemessen, was bereits weit im gefährlichen Bereich liegt. Bei einer solch massiven Strahleneinwirkung sind früh Veränderungen am Blutbild zu sehen – die Zahl der weißen Blutkörperchen sinkt – die Betroffenen haben aber noch keine wahrnehmbaren Krankheitssymptome. Es entstehen aber zunehmend geschädigte Zellen, die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Krebserkrankung steigt damit stark an.

Bei einem Unfall wie jetzt in Japan treten zunächst vor allem leichte Zerfallsprodukte des zur Kernspaltung verwendeten Urans aus den zerstörten Brennstäben aus, darunter Cäsium 137 und die Isotope Jod 131 und Jod 133. Vor allem Jod wird extrem rasch vom Körper aufgenommen und lagert sich in der Schilddrüse an. Deshalb werden Jodtabletten an die Bevölkerung ausgegeben, sobald eine radioaktive Wolke droht. Nur wenn die Schilddrüse rechtzeitig mit stabilem Jod gesättigt wurde, kann sie keine problematischen Mengen an radioaktivem Jod mehr aufnehmen. Allerdings dürfen Jodtabletten nur im Notfall eingenommen werden, weil eine massive Jodzufuhr zu einer problematischen Überfunktion der Schilddrüse führen kann.

Die Gefahr durch radioaktives Jod tritt nur kurzfristig auf. Nach acht Tagen ist es bereits zur Hälfte zerfallen. Schwieriger stellt sich die Situation beim Cäsium 137 dar, das mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren sehr lange im Erdboden bleibt und so in die Nahrungskette gelangen kann. Noch heute sind beispielsweise Pilze aus Bayern mit Cäsium belastet, das aus der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren stammt. Unklar war am Dienstag, ob auch hochgiftiges Plutonium aus den Unglücksreaktoren in die Atmosphäre gelangt. Da Plutonium und Uran sehr schwere Elemente sind, ist das nur bei einer Explosion der Brennstäbe selbst wahrscheinlich.

Aus den Langzeitbeobachtungen nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 und der Atomkatastrophe von Tschernobyl wissen Mediziner recht genau, welche Schäden Radioaktivität auslöst. Die tödliche Dosis beträgt sieben Sievert und mehr. Davon waren in Tschernobyl 56 Personen betroffen. Die sogenannte Strahlenkrankheit führt rasch zu Übelkeit und Erbrechen, innerhalb weniger Tage folgen Durchfall, schwere Entzündungen in Mund, Rachen und Magen-Darm-Trakt.

Weitere 1000 Aufräumarbeiter bekamen ebenfalls sehr hohe Dosen an Radioaktivität ab. Insgesamt wurden rund 20.0000 sogenannte Liquidatoren eingesetzt, um die strahlenden Hinterlassenschaften zu beseitigen und in einem Sarkophag einzuschließen. Die Schätzungen, wie viele dieser Liquidatoren erkrankt oder verstorben sind, schwanken erheblich. Eine genaue Erfassung der Beteiligten liegt nicht vor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von insgesamt 4000 Todesfällen aus, andere Untersuchungen befürchten 25.000 bis 60.000 Krebstodesfällen.

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz treten strahlenbedingte Krebs- und Leukämieerkrankungen erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Strahleneinwirkung auf. Am frühesten treten demnach Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen und Leukämien auf – bei Kindern schon nach zwei bis drei Jahren. Besonders empfindlich reagieren auch Brust und Eierstöcke der Frau sowie generell Lunge, Speiseröhre, Magen und Darm. Plutonium wird vorrangig in den Knochen und der Leber gespeichert.

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