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Europa Generation Erasmus

Bei der Gestaltung des zukünftigen Europas sind wir auf die die Solidarität, das Engagement und die Visionen der Generation Erasmus angewiesen. Der Gastbeitrag.

Erasmus
Viele Austauschstudenten verbindet eine lebenslange Freundschaft. Foto: Jan von Allwörden/DAAD

Europa feiert in diesem Jahr nicht nur 60 Jahre Römische Verträge, sondern ein weiteres wichtiges Jubiläum: Das älteste europäische Bildungsprogramm Erasmus wird 30 Jahre alt und blickt auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurück.

Erasmus ist heute weltweit ein Synonym für die grenzüberschreitende Mobilität und für die jungen Frauen und Männer, die während ihres Studiums eine Zeit an einer ausländischen Hochschule verbringen. Insgesamt rund 4,4 Millionen Studierende haben bisher durch Erasmus den Wert des europäischen Austauschs erfahren, unter ihnen mehr als 650 000 deutsche Studierende. Zurzeit nehmen Menschen aus 33 Ländern Europas an dem Programm teil und nutzen die Möglichkeit, Erfahrung im Ausland zu sammeln.

Die Förderangebote sind vielfältig: ein Auslandssemester in Barcelona, Riga oder vielleicht sogar in Reykjavik oder Skopje, denn am Erasmus-Programm beteiligt sind auch Länder außerhalb der Europäischen Union. Aber auch Praktika im Ausland, der Austausch von Hochschulpersonal, Hochschulpartnerschaften oder gemeinsame Projekte mit Schulen werden durch Brüssel gefördert.

Der Gewinn für jeden Einzelnen liegt auf der Hand: interkulturelle Erfahrung, verbesserte Fremdsprachenkenntnisse, der Blick über den berühmten Tellerrand, die wichtige Erfahrung sich fremd zu fühlen, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und nicht zuletzt eine veränderte Sichtweise auf sich selbst und sein eigenes Land. Nicht zu unterschätzen sind auch die vielen Kontakte und lebenslangen Freundschaften mit anderen Studierenden aus der ganzen Welt. Wir wissen, dass ein Drittel der Erasmus-Studierenden einen Lebenspartner oder eine Lebenspartnerin einer anderen Nationalität haben.

Doch es geht um weit mehr als um individuelle Erfahrungen. Umberto Eco sagte einmal: „Erasmus has created the first generation of young Europeans.“

Wir sehen bei den ehemaligen Erasmus-Stipendiaten, dass sie eine besondere europäische Identität entwickelt haben, sich als Europäer fühlen. Viele engagieren sich nach ihrer Rückkehr in lokalen studentischen Erasmus-Initiativen und unterstützen ausländische Erasmus-Studierende im Studienalltag, Erasmus-Studierende gehen hier in Deutschland an deutsche Schulen und erzählen von ihren Ländern.

Erasmus-Studierende sind geeignete Botschafter für Europa. Darauf ist der DAAD als Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sehr stolz. Seit 30 Jahren trägt das Erasmus-Programm dazu bei, jungen Menschen europäische Werte wie Frieden, Völkerverständigung, Toleranz, kulturelle Kompetenz und Rechtsstaatlichkeit in Europa zu vermitteln.

Erasmus ist damit das sichtbare Symbol der Europäischen Einigung, die allerdings gerade rund um das Jubiläumsjahr einer harten politischen Prüfung unterzogen wird. Das britische Votum für den Brexit war für überzeugte Europäer ein Schock und hat uns gezeigt, dass der Zusammenhalt in Europa keine Selbstverständlichkeit ist. Aus dieser Erfahrung müssen wir lernen.

Offen ist aktuell die Frage, ob die Studierenden aus Großbritannien auch nach dem Brexit am Erasmus-Programm teilnehmen können. Gleichzeitig ist für Studierende aus anderen teilnehmenden Länder noch nicht entschieden, ob sie nach dem Austritt der Briten mit einer Erasmus-Förderung in das beliebte Gastland mit seinen renommierten Universitäten gehen können. Wir wünschen uns sehr, dass der Austausch fortbestehen kann. Vor dem Hintergrund dieser und anderer aktueller europäischer Herausforderungen sind Programme wie Erasmus wichtiger denn je. Wir brauchen mehr Menschen, die für Europa und über seine Grenzen hinaus Verantwortung übernehmen und gemeinsame Perspektiven jenseits nationaler Interessen entwickeln.

Europa braucht die „Generation Erasmus“, die um die bereichernde Wirkung des internationalen Austausches aus persönlicher Erfahrung weiß. Auf ihre Ideen, ihre Solidarität ihr Engagement und ihre Visionen sind wir bei der Gestaltung unserer Zukunft angewiesen.

Margret Wintermantel ist Präsidentin des Deutschen Aka-demischen Austauschdienstes (DAAD).

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