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E-Mobilität Schnell tanken, auch mit Strom

Noch hinkt die E-Mobilität in puncto Service und Kundenfreundlichkeit der traditionellen Automobil-Branche hinterher.

E-Tankstelle
Hinweisschild für eine E-Tankstelle in Österreich. Foto: dpa

Die „Raststätte der Zukunft“ ist seit Anfang September an der Autobahn A9 vor dem Toren Münchens zu besichtigen. Bei Fürholzen ließ der Betreiber Tank & Rast eine flughafengroße Fläche bebauen. Neben herkömmlichen Kraftstoffen gibt es für Alternativantriebe auch Autogas und Erdgas sowie Wasserstoff. Der Elektroauto-Nutzer findet zudem vier Schnell-Ladesäulen vor, drei mit 50 Kilowatt und eine mit 150 Kilowatt Leistung. Perspektivisch könnten vier weitere Säulen hinzukommen, teilt Tank & Rast mit. Über den Umsatz, der mit dem Autostrom am neuen Standort Fürholzen West erzielt werden soll, schweigt sich das Unternehmen aus. Verraten wird nur, dass das E-Tanken seit der Eröffnung „gut angenommen“ werde.

Trotz der langsam steigenden Verbreitung von E-Autos ist das mobile Stromgeschäft noch eine Randerscheinung, gerade an öffentlichen Ladesäulen. Wolfgang Klebsch, Experte für E-Mobilität im Elektrotechnik-Branchenverband VDE, schätzt, dass nur jedes zehnte der rund 50 000 E-Autos auf deutschen Straßen seinen Strombedarf an öffentlich zugänglichen Ladepunkten deckt. Diese Elektroautos legen täglich im Schnitt 50 Kilometer zurück und haben einen Tagesstrombedarf von rund acht Kilowattstunden. Aufs Jahr gerechnet ergibt das an die 15 Millionen Kilowattstunden – so viel Strom erzeugen zwei mittlere Windkraftanlagen.

Das Ende der Tankstelle? Verglichen mit dem Stromverbrauch für andere Bereiche ist das noch „sehr wenig“, bestätigt Klebsch. Wie viel Energie die inzwischen mehreren hundert Anbieter von E-Auto-Strom im Land wirklich verkaufen, lässt sich gegenwärtig kaum sagen. Ein Grund: Große Supermärkte,

Möbelhändler oder Hotels geben den Autostrom kostenlos ab – als Mittel zur Kundenbindung oder weil ihnen angesichts der geringen Umsätze der bürokratische Abrechnungsaufwand zu hoch ist. Klar ist indes schon, dass E-Autos künftig dezentral „betankt“ werden – zu Hause, an der Arbeitsstätte oder eben unterwegs an öffentlichen Säulen. Möglicherweise kehren sich die Verhältnisse völlig um: Muss das Fahrzeug bisher zur Tankstelle kommen, wird die Ladesäule künftig dort sein, wo das Fahrzeug ist.

Die traditionelle Branche scheint das bisher nicht zu stören. Erst zwei Prozent der inländischen Ladepunkte sollen an herkömmlichen Tankstellen zu finden sein. Diese haben einen großen Vorteil auf ihrer Seite, sagt VDE-Experte Klebsch: ein „seit Jahrzehnten kontinuierlich an den Bedarf des Kunden angepasstes Konzept“.

Damit verglichen hinken beim Aufladen von E-Autos Service, Preis und Kundenfreundlichkeit weit hinterher. Wie es beim E-Laden zum Beispiel um das gewohnt bequeme Ad-hoc-Bezahlen steht, hat Klebsch jetzt in einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht. Ad hoc meint, dass man Strom „tanken“ kann, ohne sich vorher die Ladekarte eines Anbieters besorgt zu haben oder sich anderweitig vertraglich binden zu müssen.

Was banal klingt, birgt nach Einschätzung von Klebsch Sprengstoff in der Umsetzung. „Während das Betanken eines Autos mit Verbrennungsmotor an einer Zapfsäule selten mehr als eine Minute dauert und der Bezahlbetrag meist über 20 Euro liegt, sind die Verhältnisse an einer Ladesäule für Elektroautos deutlich ungünstiger.“

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