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E-Fahrzeuge In einer Viertelstunde aufgeladen

In Europa soll ein Netz aus Ultra-Schnellladesäulen entstehen. Noch gibt es aber eine Reihe technischer Hürden zu überwinden.

Europe Electric Highways
Die erste Ionity-Ladestation ist im April an der Raststätte Brohltal in Betrieb gegangen. Foto: Ferdinand Ostrop (AP)

Was für eine Vorstellung: Mit jeder Minute an der Ladesäule verschafft man seinem Elektroauto exakt 23,33 Kilometer Reichweite. Das heißt: Nach nur einer Minute kommt man schon fast durch Manhattan. Das Problem: Bis jetzt ist das eine bloße Vision des Konsortiums Ionity, einem Zusammenschluss der Autokonzerne BMW, Daimler, Ford und VW.

Ionity will 400 Ultra-Schnellladesäulen bis zum Jahr 2020 an Europas Autobahnen und Fernstraßen aufbauen. Mit diesen 350-Kilowatt-Ladesäulen ist der Akku in einer Viertelstunde für 400 Kilometer Reichweite aufgeladen, sagt Ionity. Zum Vergleich: Tesla wirbt seinerseits damit, es dauere „nur“ 30 Minuten, bis das Fahrzeug soweit aufgeladen ist, dass man bis zur nächsten Ladestation kommt. Der Supercharger kann maximal 145 Kilowatt Leistung ins Auto drücken. Die Aufnahmefähigkeit der Tesla-Modelle S und X ist allerdings auf 125 Kilowatt begrenzt. In Deutschland übliche Ladestationen kommen nicht mal über die 50-Kilowatt-Grenze hinaus.

Der Haken an der Sache: Beides – die 350-Kilowatt-Säulen und die Autos, die solche Ströme vertragen können – gibt es auch auf absehbare Zeit nicht. Das stimmt, räumt Ionity-Sprecher Paul Entwistle ein, die Autos, die diese Ladeleistung vertragen, seien noch nicht auf dem Markt. Aber manche Hersteller, darunter auch einige aus dem Konsortium, hätten diese Fahrzeuge „schon längst angekündigt“, beruhigt er interessierte Käufer.

Die erste Ionity-Ladestation ging Mitte April an der zwischen Bonn und Koblenz gelegenen Raststätte Brohltal Ost in Betrieb. Die dortigen sechs Ladepunkte bieten allerdings – siehe fehlende Automodelle – nur 150 Kilowatt Leistung, sollen sich aber laut Ionity schnell auf 350 Kilowatt aufrüsten lassen.

Nicht nur für die Fahrzeuge, auch für die Strom-Infrastruktur stellen die 350 Kilowatt eine enorme Herausforderung dar, sagt Wolfgang Klebsch, E-Mobilitätsexperte beim Verband der Elektroindustrie (VDE). Ein normaler bundesdeutscher Haushalt nehme, vergleicht Klebsch, selten mehr als zwei Kilowatt elektrische Leistung gleichzeitig in Anspruch.

Das heißt: An einer 350-Kilowatt-Säule fordert ein einziges Elektroauto 175 mal so viel Leistung ab wie ein Haushalt. Ein ganze Ladepark mit mehreren 350-Kilowatt-Säulen erfordert dann schon ein eigenes Windkraftwerk mit rund zwei Megawatt Leistung in der Nähe.

Will man mit dem E-Laden so schnell wie beim Kraftstofftanken sein und in fünf Minuten 400 Kilometer „tanken“ wäre die Schnellladesäule auf mindestens ein Megawatt auszulegen, rechnet Klebsch.

Was das alles pro Ladesäule und für 400 Stück insgesamt kostet, darüber schweigt sich das Konsortium aus. Klar ist nur: Solche Super-E-Ladeorte benötigen eigene Umspannstationen, um den Gleichstrom für die Ladesäulen bereitzustellen, gibt Ionity-Sprecher Entwistle zu. Zu den Investitionskosten des 400-Säulen-Netzwerkes könne man aber keine Angaben machen. Allein eine in Deutschland übliche Schnellladesäule mit 43 oder 50 Kilowatt Leistung kostet, so Klebsch, um die 40 000 Euro, eine mit siebenfacher Leistung mindestens eine deutlich fünfstellige Summe.

Bis zu elf Milliarden Euro müssen bis 2030 investiert werden, damit das Stromnetz auf die E-Mobilität vorbereitet wird, ergibt eine aktuelle Studie, die vom Technikkonzern ABB in Auftrag gegeben wurde.

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