Lade Inhalte...

Digitalisierung Auf dem Weg zum virtuellen Hörsaal

Das Bildungsministerium erforscht Nutzen und Grenzen digitaler Medien im Studium. In Deutschland sind Online-Studiengänge noch nicht so verbreitet wie in anderen Ländern.

13.03.2017 16:34
Serena Bilanceri
Studium
Der Regelfall: Das Studium findet in Deutschland in der Regel in Hörsälen und Seminarräumen statt, reine Onlinekurse sind eher selten. Foto: imago

Laptops im Vorlesungssaal, digitale Seminarforen und Facebook-Seiten von Studiengängen, auf denen Studierende Erfolge, Fragen und Sorgen äußern: Für viele Studierende sind die neuen Technologien bereits Teil des Alltags. Aber haben sie das Studium in Deutschland verbessert? Und wie könnten Unis und Studierende noch mehr davon profitieren? Das Bildungsministerium will sich dieser Fragen nun höchstpersönlich annehmen – und die Digitalisierung der Hochschulen aktiv vorantreiben.

Dazu kündigte Bildungsstaatssekretärin Cordelia Quennet-Thielen am Montag die Förderung eines neuen Forschungsfelds an: Mit rund zwölf Millionen Euro werden 20 Projekte gefördert, die bundesweit recherchieren sollen, wie digitale Lerninstrumente den Unterricht und das Studium verbessern können. Im Vergleich zu anderen Ländern gebe es in Deutschland Nachholbedarf, darüber waren sich die Experten einig. Vor allem seien wissenschaftliche Erkenntnisse noch unzureichend, durch welche neuen Technologie die Unis profitieren und welche Nachteile sie bergen.

„Dass die Nutzung neuer Technologien nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt, wissen wir bereits“, sagte Michael Kerres, Leiter des Learning Labs der Universität Duisburg-Essen. Den Details wolle man nun nachgehen. Nicht nur um den Einsatz von digitalen Lernmethoden – wie digitalisierte Publikationen oder Simulationen im Anatomiebereich – geht es bei den geförderten Projekten. Auch digitale Studiengänge sollen erforscht werden.

Angebote auch für Ausländer

In Deutschland sei die Diskussion um Online-Studiengänge noch nicht so fortgeschritten wie in anderen Nationen, sagte Olaf Zawacki-Richter, Professor fürs Lernen mit neuen Technologien an der Universität Oldenburg. Projekte wie die Open University in England würden auch Berufstätigen einen Hochschulabschluss ermöglichen. Studierende aus dem Ausland, sogar aus Ländern wie Australien, würden gern das Angebot deutscher Online-Studiengänge nutzen. Die Forschung solle genaue Erkenntnisse bringen, was dabei gut funktioniere und was verbessert werden muss, so Kerres. So habe die fehlende physische Präsenz und Gemeinschaft in der Vergangenheit zu einer hohen Abbruchquote unter Fernstudenten beigetragen. Durch Einführung von Videokonferenzen, Online-Unterstützung und Präsenztagen, die den Mangel an Nähe bei „Distance Learning“ kompensieren sollten, hätten die Einrichtungen das Problem in den Griff bekommen.

„Ein Geschäftsmodell ist notwendig, damit solche Projekte funktionieren“, sagte die Präsidentin der Fachhochschule Lübeck, Muriel Helbig. Die Einrichtung der digitalen Infrastruktur sei am Anfang teuer, die Vervielfältigung allerdings viel günstiger. In Lübeck werden derzeit drei Online-Studiengänge angeboten. 80 Mitarbeiter würden sie betreuen. Solche Projekte seien „aufwendig und teuer“, betonte die Hochschulpräsidentin.

Die geförderten Projekte lassen sich in drei Gebiete unterteilen. Zum einen wird die automatisierte Anpassung von digitalen Lernangeboten und Prüfungen auf den jeweiligen Lernstand der einzelnen Studenten erforscht; zum anderen wird recherchiert, wie Interaktivität und Multimedialität digitaler Lernumgebungen den Lernprozess verbessern könnten. Außerdem soll untersucht werden, wie die Verbindung von Theorie und Praxis in digitalen Lernumgebungen optimiert werden kann.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum