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Diagnose Ungesund

Die ganze Gesundheitspolitik sei eine einzige Stümperei, ohne wirkliches Konzept: Sollten Sie auch so denken, dann sind Sie auf eine große Show hereingefallen.

14.02.2009 00:02
Dr. med. Bernd Hontschik
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Dr. Med. Bernd Hontschik über männliche und weibliche Versuchstiere und deren Auswirkung auf Versuchsergebnisse. Foto: FR

Es sei die Gesundheitspolitik in unserem Land ganz ziellos und im Blindflug. Es werde seit Jahren nur noch von Problem zu Problem gestolpert. Kaum sei das eine Gesundheitsreformgesetz verabschiedet, werde schon das nächste nötig. Was dann dabei herauskäme, hinge nur von den zufällig wechselnden Einflussmöglichkeiten der Lobbyisten ab. Erfolge gäbe es keine. Die Eingriffe des Staates würden immer hektischer. Weder habe sich der Gesundheitszustand im Land verbessert noch sei es zu Verbesserungen der Strukturen im Gesundheitswesen gekommen. Kurz: Die ganze Gesundheitspolitik sei eine einzige Stümperei, ohne wirkliches Konzept.

Sollten Sie auch so denken, dann sind Sie auf eine große Show hereingefallen. Hinter all dem vermeintlichen Chaos steckt nämlich doch ein Ziel und ein System, und Stümperei findet sich höchstens im Detail, nicht aber im großen Konzept, dem Konzept der Industrialisierung.

In den Krankenhäusern sind in den letzten zehn Jahren 150 000 Stellen abgebaut worden, und in keinem Land der Welt sind so viele Krankenhausbetten im Besitz privater Klinikkonzerne wie in Deutschland. Kleinere Krankenhäuser haben auf diesem Markt keine Chance mehr. Qualitätsmanagement, das Regime von Mindestzahlen und die Bezahlung nach Diagnosen sind die Synonyme für den Schrumpfungs- und Konzentrationsprozess. Das Krankenhauspersonal ist verbittert über die zunehmende Arbeitshetze und Entmenschlichung der Arbeitssituation. Die Patienten spüren, dass sie nur noch als Krankheit, nicht mehr als Kranke behandelt werden. Schwarze Zahlen müssen sein.

Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren erhalten für die gleiche Leistung zunehmend mehr Geld als Einzelpraxen. Der einzeln arbeitende Hausarzt soll möglichst bald der Vergangenheit angehören. Arztpraxen können in vielen Regionen nicht mehr besetzt werden. Budget-Deckelungen und Regelleistungsvolumen sind die Synonyme für den Zerstörungsprozess, bei dem am Ende nur noch wenige, dafür aber umso größere Behandlungszentren übrig sein werden, zertifiziert nach DIN-ISO, mit angestellten Ärzten, in Leitlinien festgelegten Behandlungskonzepten, wohnortfern und im Besitz großer Konzerne.

Neuerdings darf man ja wieder von Kapitalismus reden. Und deswegen muss man auch nicht mehr drum herumreden: Der Kapitalismus greift mit Macht, mit System und mit Erfolg nach einem bislang eher verschont gebliebenen gesellschaftlichen Bereich: nach dem Sozialen, und besonders nach dem Gesundheitswesen. Aber nur solange das Profit verspricht.

Kontakt: www.medizinHuman.de

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