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Deutschen Kinderhilfswerk Kinder sehen in ihren Schulen große Defizite

Bei der umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks werden rund 1600 Kinder und Jugendliche und rund 1600 Eltern und Erziehungsberechtigte befragt.

Schüler
In vielen deutschen Klassenräumen gibt es bis heute keinen Internetzugang. Foto: dpa

Kein Internet in der Schule, Lücken in den Lehrplänen oder dreckige Schultoiletten – obwohl die UN-Kinderrechtskonvention ein angemessenes Lernumfeld als Grundrecht festschreibt, ist es in vielen deutschen Schulen damit nicht weit her. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Befragt wurden rund 1600 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren und rund 1600 Eltern und Erziehungsberechtigte aus allen Bundesländern.

Sie sollten unter anderem beurteilen, wie zufrieden sie mit den Unterrichtsinhalten oder kindergerechten Freizeitangeboten in ihrer Kommune sind. Dabei beobachten sowohl die Kinder als auch die Eltern in einigen Bereichen große Defizite. So gaben nur 39 Prozent der Kinder an, dass es in ihrer Schule einen Internetzugang für alle Schüler gibt. 

Noch weniger waren es in Berlin (30 Prozent) und Hamburg (31 Prozent), in Niedersachsen immerhin 46, in Thüringen 55 Prozent. Im Schulunterricht spielen digitale Themen wie Mobbing im Internet (58 Prozent), Urheberrechte (56 Prozent) oder Datenschutz (55 Prozent) nur in gut der Hälfte der Klassenzimmer eine Rolle.

Nur ein kleiner Teil der Minderjährigen nutzt häufig Spielplätze (sechs Prozent), Parks und öffentliche Grünanlagen (12 Prozent) oder Jugendzentren und Jugendclubs (fünf Prozent). Als häufigsten Grund dafür gaben die Befragten an, dass es kein passendes Angebot für ihr Alter gebe oder ihnen das vorhandene Angebot nicht gefalle. Nur zwei Prozent der Kinder gaben an, bei kommunalen Angelegenheiten wie etwa dem Bau von Haltestellen oder Spielplätzen häufig nach ihrer Meinung gefragt zu werden, 13 Prozent sagten, sie würden gelegentlich miteinbezogen. Als besonders gering empfinden die Kinder in Bremen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Mitspracherecht (jeweils sieben Prozent), in Rheinland-Pfalz gaben mit 19 Prozent die meisten Kinder an, nach ihrer Meinung gefragt zu werden.

Der Präsident des Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, bezeichnete das Gesamtbild als „durchwachsen“. Zwar seien bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt worden, in vielen Bereichen würden die Interessen von Kindern aber immer noch ausgeblendet. „Es gibt riesigen Nachholbedarf“, sagte Krüger.

Besonders wichtig sei es, Kinder besser über ihre Rechte aufzuklären. Die Umfrage hatte ergeben, dass viele Heranwachsende ihre in der UN- Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Rechte gar nicht kennen. Nur 19 Prozent der Kinder gaben an, sich „ganz gut“ damit auszukennen, 57 Prozent hatten zumindest schon einmal davon gehört, 16 Prozent konnten nichts damit anfangen. Krüger sprach sich dafür aus, die gesetzlichen Grundlagen stärker im Schulunterricht zu thematisieren. „Nur wer seine Rechte kennt, kann sie wahrnehmen“, sagte er. Außerdem forderte er, Kinder in allen Lebensbereichen häufiger mitentscheiden zu lassen. „Kinder wollen gefragt werden und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, sagte er. Ihre Interessen zu berücksichtigen sei in einer demokratischen Gesellschaft nicht optional, sondern notwendig.

Durchgeführt wurde die Online-Umfrage für die Pilotstudie „Kinderrechte-Index“, die das Kinderhilfswerk im Herbst vorstellen will. Sie soll den Stand der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, in verschiedenen Lebensbereichen von Kindern und den damit verbundenen Politikfeldern messen und evaluieren. Die Umfrage sei dafür ein wichtiger erster Baustein, sagte Anne Lütke, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes und Leiterin des wissenschaftlichen Beirates zum Kinderrechte-Index.

Lütke bekräftigte ihre Forderung, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Dass die neue Koalition angekündigt habe, diesen Schritt zu gehen, sei „ein wichtiges Bekenntnis“, so Lütke. Nun bleibe abzuwarten, an welcher Stelle sie aufgenommen würden. Die Rechte müssten dabei konkret benannt werden.

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