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Datensicherung Diagnose Festplatten-Crash

Der Laptop gibt den Geist auf, alle Daten scheinen auf einen Schlag verloren. Sicherheitskopie: Fehlanzeige. Die Uni Bielefeld rettet Notebooks von Studenten. Von Michael Billig

05.12.2009 00:12
Michael Billig
Wenn der Rechner bockig wird ... Foto: ddp

Der Laptop gibt den Geist auf, alle Daten scheinen auf einen Schlag verloren. Sicherheitskopie: Fehlanzeige. Das ist der Albtraum vieler Studierender, wenn sie eine Haus- oder gar Examensarbeit verfassen müssen. Die Universität Bielefeld hat deshalb in ihrem Hochschulrechenzentrum eine Erste-Hilfe-Station für Notebooks installiert.

"Mobile Education Device Service", kurz Medis, heißt das in Deutschland wohl einmalige Angebot. Ihm sei jedenfalls bislang kein vergleichbares bekannt, sagt Projektleiter Peter Schoenknecht. "Wir wollten unseren Service im Rechenzentrum erweitern", so der Wirtschaftsinformatiker. Aus diesem Grund rief er vor anderthalb Jahren Medis ins Uni-Leben. Beinah täglich schrauben er und zwei Mitarbeiter in einem Arbeitsraum an bis zu sechs Notebooks gleichzeitig. Sie "operieren am offenen Herzen", wie Schoenknecht zu sagen pflegt. Seit dem Projektstart im März 2008 haben sie nach eigenen Angaben insgesamt rund 1000 Behandlungen vorgenommen.

Studierende, die zu ihm kämen, seien manchmal ganz verzweifelt oder verfielen gar in Panik. "Man muss die Leute erst einmal beruhigen, um zu erfahren, was das Problem ist", berichtet Schoenknecht. Nicht nur einmal sei es vorgekommen, dass ein Verzweifelter eine Stunde vor dem Abgabetermin der Abschlussarbeit beim Prüfungsamt Hilfe suchte. Beim Ausdrucken des Ergebnisses monatelanger Tag- und Nachtschichten streikte der Laptop plötzlich. Nichts ging mehr. Ein klarer Fall für Schoenknecht. Festplattencrash lautete die Diagnose. Die Erste Hilfe bestand darin, verloren geglaubte Daten zu retten.

Anders ausgedrückt: Dank Medis müssen Studierende ihre Arbeit nicht noch einmal komplett neu schreiben. Allerdings ist die Lage auch selten so brenzlig wie im geschilderten Beispiel. Dennoch will Schoenknecht ausgemacht haben, dass bei 95 Prozent der Fälle Daten in Gefahr sind. Hauptverursacher seien Computerviren. Ein immer wiederkehrendes Problem stellten auch USB-Sticks dar. "Die haben eine extrem geringe Datensicherheit", so der Experte. Für den Datentransport seien sie geeignet, aber nicht, um darauf zu arbeiten. Gutgemeinte Ratschläge sind im Medis-Gesamtpaket inbegriffen. Schoenknecht: "Anderswo müsste man diese Dienstleistung teuer einkaufen."

Service kostenlos

Die Studierenden der Universität Bielefeld müssen für diesen Service nicht einmal extra bezahlen. "Jeder weiß: Studenten sind häufig knapp bei Kasse", so der Computerfachmann. Doch so ganz kostenlos ist Medis für sie dann doch nicht. Denn die Personalkosten werden aus Studiengebühren bestritten. Für Peter Schoenknecht trägt Medis - wie für die Verwendung der Campus-Maut gefordert - damit aber auch zur Verbesserung der Lehre bei. Seine Argumentation ist so simpel wie naheliegend: Beinah jeder der knapp 18.000 Studierenden an der Uni Bielefeld sei im Besitz eines Notebooks. Ohne Computer und Internet käme heutzutage kein Student mehr aus.

Zweifellos: Den Rechenzentren an deutschen Hochschulen ist im Uni-Alltag eine wachsende Bedeutung zugekommen. Dafür haben sie mächtig aufgerüstet. Sie statten den akademischen Nachwuchs nicht mehr nur mit E-Mail-Adressen, sondern auch mit Zugängen zu W-LAN-Netzen und zu Online-Plattformen sowie mit Lizenzen für Virenschutzprogramme und für diverse andere Software aus.

Angebote wie Medis sind allerdings noch die Ausnahme. Das Bielefelder Hochschulrechenzentrum baut derweil seine Erste-Hilfe-Station für Notebooks sowohl personell als auch räumlich weiter aus.

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