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DAAD Syriens künftige Führungskräfte

Deutscher Akademischer Austauschdienst hat an 221 syrische Studenten Stipendien für deutsche Hochschulen vergeben.

Leadership for Syria
Bundesaußenminister Heiko Maas, SPD, bei der Veranstaltung „Leadership for Syria“ in Berlin. Foto: Imago

Der Krieg in Syrien wütet; die Hiobsbotschaften von dort reißen nicht ab. Doch die Mitarbeiter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) denken bereits an die Zukunft. Sonst hätten sie das Programm „Leadership for Syria“ kaum auf den Weg gebracht. Zusammen mit dem Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen haben sie 221 syrische Studenten mit Stipendien an deutschen Hochschulen unterstützt. Damit sollten die jungen Frauen und Männer die Chance bekommen, ihre akademische Laufbahn fortzuführen, um bei ihrer Rückkehr in ihr Land – wenn der Krieg einmal Geschichte ist – gut ausgebildet zu sein und beim Aufbau zu helfen.

Man dürfe nicht zulassen, dass eine Generation an Syrern heranwächst, die keine Perspektive habe, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Donnerstag in Berlin. „Die Ausbildung junger Syrerinnen und Syrer hier in Deutschland ist eine Investition in die Zukunft Syriens.“ Nun endet das Programm.

Das Interesse an der Ausschreibung war enorm, berichtete der Leiter des DAAD-Bereichs Stipendien, Christian Hülshörster. Als die Ausschreibung 2014 veröffentlicht wurde, seien rund 5000 Bewerbungen eingegangen. Diese wurden von 30 Professoren unterschiedlicher Hochschulen gesichtet. Über vier Wochen hinweg hätten die Hochschullehrer schließlich 500 Bewerber getroffen, und zwar in Istanbul, Beirut, Amman, Kairo und Bonn. 221 Bewerber überzeugten. 15 von ihnen wurden daraufhin in ihrem Bachelor-, 156 in einem Master- und 39 in einem Promotionsstudium finanziell unterstützt. 

Ein Teil der Studenten lebte bereits in Deutschland, hatte aber Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Studiums. Andere Teilnehmer des Programms waren syrische Flüchtlinge in Deutschland, andere wiederum Syrer, die in anderen Ländern lebten. Der DAAD und das Düsseldorfer Wissenschaftsministerium förderten das Programm mit rund 18 Millionen Euro. 

Zu den Teilnehmern gehören Jumana Alassad (29) aus Aleppo und Mustafa Karahamad (28) aus Damaskus. Jumana Alassad studierte Archäologie in Aleppo und schloss im Frühjahr 2017 ihr Masterstudium in Heidelberg ab, wo sie seither als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität tätig ist. Mustafa Karahamad studierte Geschichte und Politik an der Universität Siegen. 

Keine einfache Rückkehr

Mit ihren Studienfächern sind die beiden allerdings eher Ausnahmen: Zwei Drittel der Stipendiaten sind Ingenieure und Naturwissenschaftler und nur ein Drittel Geisteswissenschaftler. Nach Angaben von DAAD-Experte Hülshörster hat dies nichts mit der Auswahl zu tun, sondern mit der besonderen Stellung der Geisteswissenschaften im arabischen Raum.

Sie habe damals nicht damit gerechnet, dass der Krieg in Syrien im Jahr 2018 schon zu Ende sein würde, sagte Jumana Alassad. Wer sich einmal den Bürgerkrieg im benachbarten Libanon ins Gedächtnis rufe, der wisse, wie lange so ein Konflikt andauern kann. Doch sie wolle zurückkehren – genau wie Mustafa Karahamad. „Wir können Syrien nicht aufgeben“, sagte er. „Es wird nicht einfach werden zurückzukehren, aber was sollen wir anderes machen? Es ist unsere Aufgabe“, betonte Jumana Alassad. 

In ihren Augen hat sich die syrische Gesellschaft in den Jahren des Krieges sehr verändert, im Land fehle es an Toleranz. Doch etwas Positives habe es, dass so viele Syrer derzeit im Ausland leben: So könnten sie erfahren, wie andere Kulturen miteinander leben. Das sieht die junge Frau als Chance. Wenn sie in ihre Heimat zurückkehrt, dann wolle sie ihren Abschluss nutzen, um zu helfen, die Museen des Landes wieder zu eröffnen und das Land zu einem Reiseziel für kulturinteressierte Touristen zu machen. Der Tourismus könne dem Land sehr helfen.

Regelmäßig sprechen die zwei jungen Akademiker mit ihren Familien in Syrien. Es gebe nicht immer Strom oder eine stabile Internetverbindung. Lebensmittel seien sehr teuer geworden. Manchmal, sagte Jumana Alassad, sei sie traurig, dass sie die Möglichkeit habe, in Deutschland zu leben und ihre Freunde nicht.

Das Förderprogramm soll mit den Abschlüssen der Studenten nicht enden. Beim Berufseinstieg werden sie weiter betreut. Derzeit setzen sich die Mitarbeiter des DAAD dafür ein, dass es weitere Förderprogramme für syrische Studenten geben wird. Dafür braucht es Unterstützung aus dem Bundestag.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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