Lade Inhalte...

Bluthochdruck Katheter statt Blutdruckpillen

Eine Studie zeigt die Wirksamkeit eines neuen Verfahrens bei Hypertonie.

Blutdruckmessung
Blutdruckmessung beim Arzt. Foto: imago

Möglicherweise bietet sich Patienten mit Bluthochdruck künftig eine Alternative oder zumindest wirkungsvolle Ergänzung zum täglichen Schlucken von Tabletten: In einer aktuellen Studie gelang es Medizinern, mit einer Katheterbehandlung den Blutdruck auch ohne die Einnahme von Medikamenten dauerhaft zu senken. Die Therapie setzt darauf, die Nervenbahnen in den Nierenarterien zu veröden und damit eine „chronische Stresswirkung“ zu durchbrechen, wie Bernhard Krämer, Direktor der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim erklärt. 

In einer Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga (DHL) heißt es, das Verfahren mit dem medizinischen Fachbegriff „Renale Denervierung“ könne „vorbehaltlich einer Bestätigung durch weitere Studien zu einer Option für Patienten werden“ – vor allem für jene, die trotz einer Einnahme von mehreren Medikamenten immer noch „gefährlich hohe“ Blutdruckwerte aufwiesen. Die Zwischenergebnisse der Studie mit dem Namen „SPYRAL TN-OFF MED“ wurden kürzlich auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Barcelona vorgestellt und in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. 

Und so funktioniert die „Renale Denervierung“: Der Patient bekommt von der Leiste aus einen Katheter über die Bauchschlagader in die Nierenarterien vorgeschoben. An der Spitze des Katheters befinden sich Elektroden, die sich über einen Hochfrequenzstrom erhitzen lassen. „Dadurch werden Nervenfasern in der Wand der Arterie verödet, die vereinfacht dargestellt über eine chronische Stresswirkung in den Nieren den Blutdruck erhöhen“, erklärt Bernhard Krämer. Der Eingriff, bei dem beide Nierenarterien behandelt werden, dauert etwa 45 Minuten.

Die Idee, Nervenbahnen in den Nieren zu veröden und damit den Blutdruck zu senken, ist nicht neu. Bereits vor drei Jahren wurde der Effekt der „Renalen Denervierung“ in der „Simplicity HTN-3-Studie“ untersucht. Doch die Ergebnisse waren enttäuschend. „Die Blutdrucksenkung war damals nicht besser als bei einer Scheinbehandlung“, sagt Joachim Weil, Chefarzt der Medizinischen Klinik II – Kardiologie und Angiologie – der Sana Kliniken Lübeck, der selbst an der aktuellen Studie beteiligt war. Inzwischen sei das Katheterverfahren jedoch verbessert worden. Nun sei auch eine vollständige Verödung aller Nervenfasern „einschließlich der Abzweigungen der Nierenarterien möglich“, erklärt der Mediziner.

Für die aktuelle Studie wurden 80 Patienten ausgesucht, die vorher entweder noch nie Medikamente gegen ihre Hypertonie (Bluthochdruck) eingenommen aber ihre Medikamente vorher abgesetzt hatten. Ihr oberer – systolischer – Blutdruckwert lag zwischen 140 und 170 mmHg, der untere – diastolische bei mindesten 90 mmHG. Patienten, bei denen nur der obere Wert erhöht war – man nennt das isolierte systolische Hypertonie – wurden ausgeschlossen, weil die Katheterbehandlung bei ihnen in früheren Studien keine Wirkung erzielen konnte, sagt Joachim Weil.

Drei Monate nach der Therapie war der systolische Blutdruck der Teilnehmer bei den Messungen in der Arztpraxis im Durchschnitt um 7,7 mmHg gefallen, der diastolische um fünf mmHg zurückgegangen. Eine 24-Stunden-Langzeit-Blutdruckmessung ergab einen Rückgang der Durchschnittswerte um 5,5 mmHg systolisch und 4,8 mmHg diastolisch. Die Scheinbehandlung in der Kontrollgruppe dagegen blieb wirkungslos.

Wie in den früheren Studien auch, habe sich die Behandlung als „sicher und weitgehend frei von Nebenwirkungen“ erwiesen, heißt es in der Stellungnahme der Hochdruckliga. Denn noch ist es nach Einschätzung der „Task Force Wissenschaftliche Stellungnahmen und Leitlinien der DHL“ noch zu früh, das neue Verfahren in der alltäglichen Praxis bei Patienten einzusetzen - da die Studie relativ klein gewesen sei und man nicht wissen könne, ob sich mit der Therapie der Blutdruck auch dann senken lassen, wenn die Patienten weiter Tabletten gegen ihre Hypertonie einnehmen müssen. Deshalb müssten erst die Ergebnisse weiterer klinischer Studien mit einer größeren Patientenzahl und einer längeren Nachbeobachtungszeit abgewartet werden. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum