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Bildung Schwierige Schulwahl

Sind Privatschulen die bessere Alternative? Das kommt ganz auf ihr Kind an. Der Gastbeitrag.

Erasmus-Schule
Die private Offenbacher Erasmusschule bietet mehrsprachigen Grundschulunterricht. Foto: Renate Hoyer

Wenn Eltern in Nordrhein-Westfalen mitbekommen, dass mit der neuen Regierung um Armin Laschet (CDU) neben Gymnasien, Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen auch wieder Haupt- und Realschulen gestärkt werden sollen und wenn sie hören, dass es an Gymnasien künftig sowohl Bildungsgänge zum Abitur nach Klasse 12 als auch solche zum Abitur nach Klasse 13 geben soll, wenn sie lesen, dass in ihrem Bundesland viele Schulleiterstellen nicht mehr besetzt werden können, dann schwindet ihr Vertrauen in das staatliche Schulwesen rapide, weil in ihnen die Vermutung wächst, dass die Regierung selbst nicht weiß, in welche Richtung ihre Bildungsbemühungen gehen sollen.

Wenn das „Flensburger Tageblatt“ von einer Schule berichtet, in der Schüler Treppen hinuntergestürzt werden, in der Lehrkräfte bedroht und bestohlen werden, wenn Eltern mitkriegen, dass der Lehrermangel in Deutschland dramatisch schlimmer wird und die Bildungsministerien darauf mit pädagogisch nicht ausgebildeten „Quer- oder Seiteneinsteigern“ (in Sachsen sind das inzwischen 45 Prozent sämtlicher Lehrkräfte), die man schlechter bezahlen kann, sowie mit Lehraufträgen für noch nicht endgültig ausgebildete Studierende und Referendare und mit der Verschiebung der Pensionsgrenze für Lehrkräfte von 65 auf 67 Jahre (Hamburg) reagieren, dann beginnen ihre Zweifel an der Seriosität des deutschen Schulwesens.

Wenn sie darüber hinaus lesen von Schulen mit bis zu 95 Prozent Kindern aus sozial schwachen Familien, der Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten, die Kinder von zu Hause in die Schule mitbringen, vom „Burn-out-Syndrom“ in „vergreisten“ Lehrerkollegien, vom Scheitern der Inklusion zumal an „Brennpunktschulen“, vom Bremer Projekt „Rent a Teacherman“, mit dem Schulen, in denen nur Frauen unterrichten, einen männlichen, noch an der Uni studierenen Menschen mieten können, dann sind sie schließlich geneigt, nach Alternativen für die Schullaufbahn ihres Kindes zu suchen. 

Besserer Umgang fürs Kind

Seitdem in vielen Bundesländern die Wohnortbindung bei der Anmeldung zu einer Schule gefallen ist, suchen Eltern zunächst nach staatlichen Schulen in der Nähe, die weniger Probleme verheißen, also nach Schulen mit vielen Kindern aus „besseren Kreisen“, also etwa nach Gymnasien, die einen selektierenden Schwerpunkt bilden wie alte Sprachen, Leistungssport, musische Prägung oder bilinguale Konzepte, am besten in Villengegenden. Wenn so etwas aber nahebei nicht vorhanden ist oder wenn die Anmeldezahlen der begehrten Einrichtung das Platzangebot bei weitem überschreiten, kommt rasch die Frage nach einer Alternative im Privatschulwesen auf. Denn jede in der Nähe vorhandene Schule hat ja auch immer einen „Ruf“. Wenn man sich einmal anguckt, wie Schüler und mit welchen Gesichtern nachmittags aus einer Schule herauskommen, dann korrespondiert das in der Regel auch mit dem Ruf der Schule. 

Die Zahl der Privatschulen wächst – zumal in den neuen Bundesländern – kontinuierlich, und zwar von 7,5 Prozent im Jahr 2005 auf elf Prozent im Jahr 2017, die Zahl der Privatschüler im selben Zeitraum von 6,7 Prozent auf neun Prozent. Auf die 33.547 staatlichen Schulen in Deutschland kommen mittlerweile schon 3628 Privatschulen; bei berufsbildenden Schulen ist inzwischen nahezu jede vierte eine Privatschule (2186 von 8789).

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