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Bienenschutz Ein Verbot allein reicht nicht

Forscher erwarten mehr vom Aktionsprogramm der Bundesumweltministerin.

Bienenvolk
Dank vieler privater Imker steigt die Zahl der Bienenvölker in Deutschland wieder langsam - und ist doch noch zu niedrig. Foto: iStock

Endlich wird den fleißigen Tieren und ihrer Bedrohung die nötige Aufmerksamkeit zuteil. Doch bis sich die Politik wirklich für die Gefahr des Insektensterbens interessierte, starben weltweit ganze Bienenvölker. Gründe gibt es dafür verschiedene, meist sind es regionale Phänomene.

Unter anderem macht die 1977 nach Deutschland eingeschleppte Varroa-Milbe den Bienen hierzulande zu schaffen, aber auch die vielen Chemikalien, die von Landwirten zur Bewirtschaftung ihrer Felder eingesetzt werden – wie die nun verbotenen Neonikotinoide – tun ihr Übriges. Hinzu kommt, dass sich einige Bienenarten und die von ihnen bestäubten Pflanzen in ihrer Evolutionsgeschichte aneinander angepasst haben: Daher kann nicht jede Biene jede Blüte bestäuben. Möhren oder auch Tomaten sind beispielsweise auf ganz bestimmte Bienenarten als Bestäuber angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass die Artenvielfalt der Bienen erhalten bleibt – und mit ihnen die natürliche Bestäubung vieler Pflanzen.

Die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich den Schutz der Insekten auf die Fahne geschrieben. Sie wolle noch in den ersten 100 Tagen Eckpunkte für ein Aktionsprogramm zum Insektenschutz vorlegen, hieß es aus ihrem Ministerium. „Dabei muss ganz klar sein, dass der Naturschutz alleine die Insekten nicht retten kann“, so ein Sprecher der Ministerin. Vielmehr sollten mit dem im Koalitionsvertrag angekündigten „Aktionsprogramm Insektenschutz“ die Lebensbedingungen für Insekten in Deutschland insgesamt verbessert werden. Unter anderem sollen Stickstoffüberschüsse in der Landwirtschaft verringert und der Einsatz hochwirksamer Pflanzenschutzmittel und Biozide reduziert werden.

Während das Bienensterben in vielen Medien omnipräsent ist, können einige Wissenschaftler die Panik nicht nachvollziehen. „Es ist viel weniger schlimm, als man denkt“, sagt der Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz. Er geht sogar so weit und behauptet, dass es das Bienensterben gar nicht gebe. „Dafür ernte ich bei Vorträgen sehr oft, sehr skeptische Blicke“, erzählt er. Treffender sei es, wenn man von „Insektensterben“ sprechen würde, so der emeritierte Professor, der auch Gründer und Leiter des Projekts HoneyBee Online Studies an der Universität Würzburg ist. „Dass die Insekten große Probleme haben, ist unbestritten, allerdings trifft das weniger die Bienen“, berichtet Tautz.

Mehr Imker, weniger Tiere

Vor allem die Honigbienen hätten eine sehr große Lobby. Der anerkannte Bienenexperte nennt dabei die vielen Imkereien im Land. „Wird den Bienen geholfen, hilft man indirekt aber auch den vielen anderen Insekten, wie zum Beispiel den Schmetterlingen.“ Bei den angekündigten Maßnahmen der Umweltministerin bleibt Tautz skeptisch. „Ich habe in den letzten beiden Jahrzehnten viele Aktionsprogramme miterlebt – die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“ Der Deutsche Imkerbund (DIB) mit Sitz in Wachtberg bei Bonn begrüßt die Ankündigung der Ministerin. „Nun muss die Botschaft mit Maßnahmen folgen – wir wurden aber zum Beispiel noch nicht gefragt“, kritisiert DIB-Präsident Peter Maske gegenüber der FR.

Die Anzahl der Bienenvölker steige in Deutschland derzeit wieder „langsam“ an, so Maske. Im Herbst 2017 waren dem Imkerbund mehr als 800.000 Bienenvölker von den 115.000 Mitgliedsimkereibetrieben gemeldet worden. „Die Steigerung der Bienenvölker liegt aber nur an der hohen Zunahme des Imkernachwuchses“, berichtet Maske.

Vor 50 Jahren habe man in der Bundesrepublik noch mehr als 2,5 Millionen Bienenvölker gezählt. „Die Anzahl der Betriebe ist in den letzten zehn Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen, die Anzahl der Bienenvölker aber nur um etwa 20 Prozent. In der Relation gesehen, wurden es also nicht mehr Bienenvölker, sondern sogar weniger.“

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