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Bienen „Sie sind sehr friedliebende Tiere“

Christian Bourgeois über gute Gärten, regionalen Honig und Tipps für Bienenfreunde.

Biene
Der Mensch muss dafür sorgen, dass Bienen wieder mehr Nahrung finden. Foto: iStock

Herr Bourgeois, wie kann man den Bienen in der Stadt helfen?
Grundsätzlich ist es so, dass die Nahrungsversorgung der Bienen nicht mehr gewährleistet ist. Gerade die Wildbienen finden in freier Wildbahn kaum mehr Nahrung, weil die Monokulturen im ländlichen Raum viele für die Bienen wichtige Pflanzen verdrängt haben. Im eigenen Garten besteht die Möglichkeit, beispielsweise Küchenkräuter anzubauen. Diese kann man vor allem auch auf kleinen Balkonen anpflanzen – das bietet sich vor allem für Menschen an, die in der Stadt wohnen. Ein besonders beliebtes Kraut bei den Bienen ist die Thymianpflanze oder auch das Bohnenkraut. So kann man mit relativ wenig Einsatz sehr viel erreichen.

Was würden Sie Menschen mit einem größeren Garten empfehlen?
Gartenbesitzern kann ich ganz besonders empfehlen, dass sie eine „wilde Ecke“ einrichten. Also einen kleinen Teil des Gartens nicht bewusst gestalten, sondern ihn sich selbst überlassen. Gepflegte Gärten sehen zwar sehr schön aus, aber man nimmt den Bienen die Nistmöglichkeiten. Die Hälfte aller Wildbienen sind – was sehr viele Menschen nicht wissen – Erdnister, die ihre Nester also unterhalb der Erde in Hohlräumen haben.

Gibt es etwas, das man für diese besondere Stelle beachten muss?
Der ausgesuchte Platz sollte vor Regen geschützt und die Erde etwas aufgelockert und nicht richtig fest sein. Aufgeschichteter Sand und Totholz von Apfel- oder Birnenbäumen könnte man noch zusätzlich verwenden – dann finden die Bienen optimale Nistbedingungen vor.

Muss ich Vorsicht walten lassen, wenn ich mich um Bienen kümmern möchte?
Angst braucht man keine haben, denn Wildbienen können nicht stechen – mit Ausnahme der Hummeln. Die stechen aber auch nur ganz, ganz selten. Im Gegensatz zu den Wespen lassen die Bienen auch den Frühstückstisch auf der Terrasse links liegen und sind nicht lästig. Daher muss man sich keinerlei Gedanken machen, wenn man sich um Bienen kümmern möchte – sie sind sehr friedliebende Tiere.

Sie plädieren dafür, Honig aus der Region zu kaufen – warum?
Zum einen unterstützt man damit die lokalen Imker, zum anderen tut man etwas gegen die vielen Honigimporte. Denn in Deutschland wird mehr als 80 Prozent des Honigs importiert. Das hat zur Folge, dass der Honig in den Supermärkten sehr günstig ist – daher stehen die heimischen Imker unter Druck. Vor allem die, die die Imkerei nur im Nebenerwerb betreiben – in Deutschland sind das die meisten. Und wenn sich das Geschäft für sie irgendwann nicht mehr lohnt, könnten sie aufgeben. Das wiederum wäre für die betroffenen Bienenvölker überhaupt nicht gut.

Auf Ihrer Internetseite machen Sie Werbung dafür, dass geleerte Honiggläser ordentlich ausgespült werden sollten, bevor man sie in den Altglascontainer wirft. Warum ist das so wichtig?
Meistens befinden sich in den Gläsern die Erreger für Bienenkrankheiten. Gerade wenn bei den Bienen Hunger herrscht, wie aktuell, fliegen die Insekten in die Container und bedienen sich an den Honigresten – im schlimmsten Fall infizieren sie sich mit einer der gefährlichen Krankheiten.

Aber das heißt dann, dass sich theoretisch in jedem Honigglas Erreger für Bienenkrankheiten befinden können?
Ja, das kann man so sagen. Die Erreger kommen vor allem aus Nordamerika und Asien, wo die Krankheiten mit Antibiotika behandelt werden. Dadurch, dass sich in den Honiggläsern großer Hersteller meist Honig aus vielen verschiedenen Ländern befindet, besteht diese latente Gefahr. Bei uns in Europa ist die Antibiotikatherapie verboten und findet auch nicht statt – daher wäre es schlimm, wenn die Bienenkrankheiten auch hier ausbrächen. Ein ordentliches Ausspülen der Gläser verhindert deshalb Schlimmeres.

Interview: Maximilian Mühlens

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