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Weltraumwetter Heftiger Sonnensturm verfehlt Erde knapp

Ein heftiger Sonnensturm verfehlt die Erde im Jahr 2012 nur knapp, zeigen neue Daten. "Wir können sehr glücklich sein, dass die Eruption uns nicht getroffen hat", meint ein Forscher. Der Sonnensturm "hätte alles lahmgelegt, was an eine Steckdose angeschlossen wird", heißt es bei der Nasa.

Ein koronaler Massenauswurf, aufgenommen vom Solar Dynamics Observatory SDO im Juni 2011. Foto: NASA/SDO

Vor zwei Jahren ist die Erde nur knapp einer Katastrophe entgangen: Ein heftiger Sonnensturm hat den blauen Planeten nur knapp verfehlt. "Wäre die Sonneneruption nur eine Woche früher passiert, wäre die Erde genau in der Schusslinie gewesen", sagt Daniel Baker von der University of Colorado. Gemeinsam mit Kollegen der US-Raumfahrtbehörde Nasa und anderen Universitäten hat Baker eine Studie über den Sonnensturm in der Zeitschrift "Space Weather" veröffentlicht. Ihre Abhandlung beschreibt, wie der gewaltige Magnetsturm genau dort eintrifft, wo eine Woche vorher noch die Erde war.

Doch die Sache ging glimpflich aus: Statt der Erde wurde das Sonnenobservatorium STEREO-A (Solar TErrestrial RElations Observatory) getroffen. STEREO-A ist eine von zwei Sonden, die die Sonne und ihre Auswirkung auf die Magnetosphäre der Erde aus unterschiedlichen Perspektiven im Stereoeffekt beobachten. Es war ein Glückstreffer, denn die Sonde ist nicht nur ideal ausgestattet, um einen derartigen Sonnensturm zu überstehen, sondern auch, um ihn zu messen und den Forschern auf der Erde Daten zu liefern.

Mehr als ein koronaler Massenauswurf

So erfuhren die Forscher beispielsweise durch die Daten von STEREO-A, dass es nicht nur ein koronaler Massenauswurf war, der die Raumsonde traf, sondern gleich mehrere, von denen einige den Weg für den "Supersturm", wie ihn die Wissenschaftler nennen, freigeräumt haben müssen. In "Nature Communications" beschreiben es die Weltraumphysikerin Janet G. Luhmann und Ying D. Liu genauer: Es gab zwei koronale Massenauswürfe am 23. Juli 2012, die etwa zehn bis 15 Minuten auseinanderlagen. Die Materie dieses Doppel-Auswurfs bewegte sich auf einem Weg, der vier Tage vorher von einem anderen Sonnensturm "freigeräumt" wurde. Dadurch verlangsamte er sich nicht so sehr wie es normalerweise der Fall ist.

"Hätte uns der Sonnensturm getroffen, würden wir immer noch Auswirkungen spüren", sagt Baker. "Ich bin überzeugt, dass die Erde und ihre Bewohner sehr glücklich sein können, dass die Eruption von 2012 sie nicht getroffen hat."

Ein magnetischer Sturm, der einen Tag oder länger von der Sonne zur Erde braucht, kann je nach Intensität äußerst gefährlich sein: Forscher glauben, dass der Sturm von 2012 für Stromausfälle in großem Rahmen hätte sorgen könnte, er hätte "alles lahmgelegt, was an eine Steckdose angeschlossen wird", schreibt die Nasa.

Wenn es um Sonnenstürme geht, ziehen Forscher gerne Vergleiche zum Carrington-Event, dem bisher größten magnetischen Sturm, der auf der Erde beobachtet wurde. 1859 trafen gleich mehrere starke koronale Massenauswürfe die Erde, es gab Nordlichter bis nach Kuba, Telegrafenleitungen schlugen Funken und setzten einige Telegrafenämter in Brand.

Ein vergleichbarer Sonnensturm dürfte heute verheerende Auswirkungen haben, eine Studie der National Academy of Sciences schätzt den ökonomischen Schaden auf mehr als zwei Billionen Dollar. "In meinen Augen war der Sturm vom Juli 2012 mindestens so stark wie der von 1859", sagt Baker. Der einzige Unterschied sei, dass er die Erde verfehlt habe.

Dass die Erde in den nächsten zehn Jahren von einem Sonnensturm der Carrington-Stärke getroffen wird, ist indes gar nicht so unwahrscheinlich, betont der Physiker Pete Riley. Seine Analysen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Treffers in den nächsten zehn Jahren bei zwölf Prozent liegt. "Ohne die STEREO-Mission, wüssten wir als Gesellschaft nichts über diesen bemerkenswerten Sonnensturm", sagt Baker. "Wie viele Stürme dieser Stärke haben die Erde knapp verpasst? Es ist eine dringende Frage, die man beantworten muss", so Baker. "Wir müssen vorbereitet sein."

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