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Weltraumteleskop Hubble Das scharfe Auge im All

Es ist seit knapp 25 Jahren im All unterwegs und hat den Blick der Menschheit auf das Universum verändert: Das Hubble-Weltraumteleskop wird 25 und kommt langsam in die Jahre. Doch Ersatz ist bereits in Planung.

An STS-125 crewmember onboard the Space Shuttle Atlantis snapped this still photo on May 13, 2009 of the Hubble Space Telescope
Astronauten der letzten Reparaturmission haben dieses Bild von Hubble im Mai 2009 aufgenommen. Seitdem war kein Mensch mehr bei dem Weltraumteleskop. Foto: NASA/REUTERS

Es ist seit knapp 25 Jahren im All unterwegs und hat den Blick der Menschheit auf das Universum verändert: Das Weltraumteleskop Hubble. Am 24. April 1990 startete das Space Shuttle "Discovery" (STS-31) mit Hubble ins All, am 25. April 1990 wurde es in einer Erdumlaufbahn ausgesetzt und blickt seitdem in die Tiefen des Weltalls. In einer Höhe von etwa 550 Kilometern umkreist Hubble den blauen Planeten mit einer Geschwindigkeit von gut 28.100 Kilometern pro Stunde und blickt tief hinein ins Universum, ohne störende Wolken oder die Erdatmosphäre, die die Sicht beeinträchtigen würde. Sterne, Planeten, Galaxien - kaum etwas ist vor dem scharfen Auge Hubbles sicher.

Dabei lief zu Beginn nicht alles glatt: Ursprünglich sollte das Teleskop im Oktober 1986 von einem Space Shuttle ins All transportiert werden. Doch das "Challenger"-Unglück, bei dem im Januar 1986 sieben Astronauten ums Leben kamen, veränderte die Planung. Erst vier Jahre später, im April 1990 startete die Hubble-Mission. Das Space Shuttle "Discovery" brachte Hubble in seine Umlaufbahn. Kaum dort angekommen, sorgte jedoch ein Fehler im Hauptspiegel des Teleskops für Ärger: Die Bilder, die das Teleskop lieferte, waren nicht zu gebrauchen, eine teure Reparaturmission wurde notwendig.

Eine Servicemission im Dezember 1993 korrigierte den Fehler im Spiegel - und seitdem zeigt das Teleskop, was es kann: Aufnahmen von Himmelskörpern, Galaxien und Nebeln, beeindruckende Bilder, die einen Einblick tief in unser Universum geben und die Fantasie anregen. Astronomen helfen die Bilder dabei, das Weltall besser zu verstehen. Monatlich entstehen mehr als 80 Gigabyte an Daten, die das Hubble-Teleskop zur Auswertung zur Erde schickt.

Nur in eine Richtung darf Hubble nicht schauen: Zur Erde. Der Planet ist zu hell, die empfindliche Optik des Teleskops könnte Schaden nehmen. Außerdem ist es für die Forscher viel interessanter, das Teleskop zu nutzen, um in die Tiefe des Weltalls zu schauen. Unzählige wissenschaftliche Arbeiten basieren auf den Daten von Hubble, durch Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop konnten Forscher das Alter des Universums auf etwa 12 bis 13 Milliarden Jahre schätzen. Mit Hilfe von Hubble fanden Astronomen auch heraus, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass sich im Mittelpunkt großer Galaxien supermassereiche schwarze Löcher befinden.

Auch die Entdeckung, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt, hat die Astronomie dem Hubble-Weltraumteleskop zu verdanken. Im Jahr 2011 bekamen die Wissenschaftler Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam Riess für diese Entdeckung sogar den Physik-Nobelpreis verliehen.

Seit 1990 bekam das Hubble-Teleskop mehrmals Besuch von Astronauten. Zuletzt waren im Jahr 2009 Raumfahrer vor Ort, um Hubble zu reparieren und die technische Ausstattung zu verbessern. Es dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass Menschen Hand anlegten an das Teleskop, das der Menschheit immer wieder faszinierende Einblicke ins Weltall gibt: Seit die Space Shuttles im Jahr 2011 von der US-Raumfahrtorganisation Nasa eingemottet wurden, gibt es keine Möglichkeit mehr, das Teleskop zu erreichen.

Doch Ersatz für das in die Jahre gekommene Weltraumteleskop ist in Arbeit: Eine Ariane-5-Rakete soll im Herbst 2018 das "James Webb Space Telescope" (JWST) ins All bringen. 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt soll JWST die Arbeit aufnehmen und noch weiter in die Vergangenheit des Universums blicken als Hubble es bisher getan hat. Eine wissenschaftliche Aufgabe wird sein, nach dem Licht der ersten Sterne und Galaxien nach dem Urknall zu suchen.

Während das "James Webb"-Teleskop in den kommenden Jahren seine Arbeit aufnehmen wird, geht die Mission von Hubble unweigerlich dem Ende entgegen. Bis 2020 soll das Teleskop noch wissenschaftliche Arbeiten ausführen, wie genau Hubbles Mission enden wird, ist noch unklar. Wird die Umlaufbahn um die Erde nicht gelegentlich korrigiert - bisher wurde das von den Space Shuttles erledigt - wird Hubble langsam aber sicher immer weiter gen Erde sinken und irgendwann abstürzen. Es wäre ein feuriges Ende in der Erdatmosphäre für ein Teleskop, das der Menschheit eine neue Perspektive auf das Universum eröffnet hat.

Doch es gibt Alternativen: Beim letzten Einsatz am Hubble-Teleskop haben Astronauten das so genannte "Soft Capture and Rendezvous System" installiert. Das System soll ermöglichen, dass Hubble künftig von einer bemannten oder unbemannten Mission eingefangen und sicher entsorgt werden kann. Denn der unkontrollierte Absturz Hubbles birgt ein Risiko: Das Teleskop wird nicht komplett in der Erdatmosphäre verglühen, zur Erde stürzende Teile könnten Menschen gefährden. Und das wäre ein sehr unrühmliches Ende für ein Teleskop, das der Menschheit so viele neue Einblicke verschafft hat.

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