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Weltraum Internet aus dem All

Konzerne wollen Tausende neue Satelliten in die Umlaufbahn schießen. Sie sollen schnelles Internet auf die Erde bringen, könnten aber im Weltraum für Probleme sorgen.

SpaceX Falcon 9
SpaceX will 4425 Satelliten ins All schießen. Foto: imago

Mehr als 1300 aktive Satelliten umkreisen derzeit die Erde. Eine große Zahl, doch nichts im Vergleich zu dem, was die private Raumfahrtfirma SpaceX in Kooperation mit Google plant. Das US-Unternehmen SpaceX hat im vergangenen Herbst bei der Federal Communications Commission (FCC) beantragt, gleich 4425 Satelliten ins All schießen zu dürfen. Die Satelliten, die jeweils knapp 400 Kilogramm wiegen und etwa die Größe eines Kleinwagens haben, sollen die Erde in einer Höhe von 1150 bis 1275 Kilometern umkreisen und den Planeten mit Internet versorgen.

„Das System ist so ausgelegt, dass es eine große Zahl von Breitband- und Kommunikations-Dienstleistungen weltweit anbieten kann“, heißt es in dem Antrag an die FCC. Demnach sollen die Satelliten in der Lage sein, schnelles Internet mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde zu ermöglichen. Derzeit liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit laut dem Akamai-Bericht „State of the Internet“ beim Internetzugang weltweit bei 6,3 Mbit pro Sekunde – das SpaceX-Internet aus dem All wäre also etwa 160 Mal schneller. Doch bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen: Um die 4425 Satelliten ins All zu transportieren, dürften mehr als hundert Raketenstarts notwendig sein. Gerade erst hat SpaceX gezeigt, dass das Unternehmen Teile der „Falcon 9“-Rakete recyceln und somit die Kosten für Raketenstarts senken kann. Doch bis zur Serienreife dürfte es noch dauern.

Auch andere Unternehmen arbeiten an Ideen, wie man die Erde über Satelliten ins Internet bringen kann. Das Projekt OneWeb will 648 von Airbus gebaute Kleinsatelliten ins All schießen, die ebenfalls weltweit schnelles Internet anbieten sollen. Das große Ziel des OneWeb-Gründers Greg Wyler: Bis 2027 soll die digitale Kluft überbrückt werden, Internet soll für jeden verfügbar und bezahlbar sein.

Schulen weltweit ans Netz anschließen

Schon bis 2022 will OneWeb alle Schulen weltweit ans Internet bringen. Mittlerweile denkt das Unternehmen darüber nach, 2000 weitere Satelliten ins All zu schießen. Eine Fabrik, die derzeit in Florida entsteht, soll zu diesem Zweck bis zu drei Satelliten pro Tag produzieren. Auch an die Entsorgung der Satelliten hat OneWeb gedacht: Wenn sich ein Satellit dem Ende seiner angedachten Lebenszeit nähert, soll er seine Umlaufbahn automatisch verlassen und in der Erdatmosphäre verglühen. „OneWeb versteht, dass das Weltall eine geteilte, natürliche Ressource ist, die wie jede andere geschützt werden muss“, heißt es beim Unternehmen.

Im Zeitraum von 2016 bis 2025 werden nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Euroconsult 9000 Satelliten in den Erdorbit geschossen – im Vergleich zu 1480 Satelliten in den zehn Jahren davor. In die Schätzung mit eingeschlossen sind auch Satelliten mit einem Gewicht von weniger als 50 Kilogramm und auch die Internet-Satelliten von SpaceX und OneWeb. Rechnet man Satelliten mit einem Gewicht von unter 50 Kilogramm heraus, dürften bis 2025 etwa 1450 Satelliten ins All geschossen werden. Der immer weiter steigende Bedarf an Satelliten – für Kommunikation, Meteorologie, Navigation, Sicherheit und Wissenschaft – könnte für die Erde langfristig eine Bedrohung werden.

Die von Unternehmen vorgesehenen sogenannten Mega-Konstellationen bei der etliche Satelliten auf einmal ins All geschossen werden, sind auch aus Sicht der Europäischen Weltraumagentur eine besondere Herausforderungen, sagte Experte Holger Krag bei einer viertägigen Tagung im Esa-Satelliten-Kontrollzentrum in Darmstadt. Die Zahl von Kollisionen mit Weltraumschrott könnte sich dadurch deutlich erhöhen. Bei dem internationalen Treffen, suchen Experten dieser Tage nach Lösungen. Konzepte, wie die von OneWeb, bei der sich Satelliten am Ende ihrer Lebenszeit selbst entsorgen, könnten ein Beitrag zur Verminderung des Problems sein. (mit dpa)

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