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Virgin Galactic Richard Branson will vor Weihnachten Menschen ins All fliegen

Noch vor Weihnachten will Virgin Galactic, das Unternehmen von Milliardär Richard Branson, Menschen ins All befördern. Doch zahlende Passagiere müssen sich noch etwas gedulden.

SpaceShipTwo
Das SpaceShipTwo namens "VSS Unity" bei einem Testflug im Mai 2018. Foto: imago

Bisher war es eine Sache staatlicher oder staatsnaher Organisationen, Astronauten ins All zu befördern. Doch das könnte sich noch vor Ende des Jahres ändern: Der Milliardär Richard Branson hat angekündigt, sein Unternehmen Virgin Galactic werde noch in diesem Jahr erstmals Menschen ins All transportieren.

„Weltraum ist schwierig“, sagte Branson in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN. Er sei jedoch „einigermaßen zuversichtlich“, dass Virgin Galactic noch vor Weihnachten Astronauten ins All schicken werde. Das sollen im ersten Schritt jedoch noch keine zahlenden Passagiere sein, sondern Testpiloten. „Ich werde der erste kommerzielle Passagier sein“, ist sich Branson, der als Abenteurer bekannt ist, sicher. Allerdings steigt er nach eigenen Angaben erst dann in sein Raumschiff, wenn mehrere Testflüge absolviert wurden.

Virgin Galactic ist nicht das einzige kommerzielle Unternehmen, das Astronauten ins All schicken möchte. Der Amazon-Gründer und Milliardär Jeff Bezos arbeitet mit seinem Unternehmen Blue Origin ebenfalls daran, Weltraumtouristen ins All zu bringen. Während die beiden Unternehmen erst einmal die Kármán-Linie – eine in 100 Kilometern Höhe gedachte Linie, die als Grenze zum Weltraum gilt – ins Visier nehmen, denkt der dritte Milliardär, der sich mit der Raumfahrt beschäftigt, in anderen Dimensionen: Nachdem Elon Musks Unternehmen SpaceX seit einigen Jahren die ISS mit unbemannten Raumfrachtern versorgt, soll im kommenden Jahr erstmals eine SpaceX-Rakete mit einer bemannten Raumkapsel zur ISS starten.

Wer gewinnt den Wettlauf ins All?

„Elon hat außergewöhnliche Dinge getan. Wir wollen auch außergewöhnliche Dinge tun. Ich bin sicher, Jeff wird ebenfalls außergewöhnliche Dinge tun“, erklärte Branson in dem CNN-Interview und betont: „Virgin Galactic wird der Erste sein“. Das erste kommerzielle Unternehmen, das Weltraumtouristen ins All schießt  diesen Titel möchte Branson seiner Firma gerne verschaffen. Wäre es nach dem Milliardär gegangen, wären bereits 2007 Menschen mit Virgin Galactic ins All gestartet – doch die Mission verschob sich immer weiter nach hinten. 2014 wurden die Testflüge mit einem Prototypen von einem Unfall überschattet, ein Pilot kam dabei ums Leben. Seitdem ist es um Virgin Galactic in der Öffentlichkeit ruhiger geworden. Einen offiziellen Termin für den ersten bemannten Flug ins Weltall gibt es bisher noch nicht, doch viel Zeit bleibt nicht mehr, wenn der Flug noch vor Weihnachten stattfinden soll.

Viel Zeit hat auch SpaceX nicht mehr vor dem ersten bemannten Start zur Internationalen Raumstation. Derzeit ist der erste unbemannte Demonstrationsflug für Anfang Januar geplant, die erste bemannte Mission der „Crew Dragon“-Kapsel von SpaceX soll im Juni abheben. Auch Elon Musks Raumfahrtunternehmen gilt nicht gerade als pünktlich: Der erste unbemannte Start der Crew-Kapsel war ursprünglich für Dezember 2016 geplant, auch Termine anderer Missionen wurden nicht eingehalten.

Unterschiedliche Wege zum Ziel

Drei Milliardäre, drei unterschiedliche Wege zum Ziel: Die Rakete von Jeff Bezos‘ Blue Origin steigt steil auf, klinkt über der 100-Kilometer-Grenze eine bemannte Kapsel aus und landet wieder stehend auf dem Boden, während die Kapsel man kennt das Konzept von der russischen Sojus-Raumkapsel  an Fallschirmen zu Boden fällt.

Das Konzept von Virgin Galactic sieht dagegen ganz anders aus: Das Raumschiff SpaceShipTwo wird von dem eigens entwickelten Flugzeug WhiteKnightTwo auf eine Höhe von 15,2 Kilometern gebracht. Dort klinkt es sich aus, zündet die Triebwerke und steigt bis hinauf über die Kármán-Linie, wo die Passagiere – genau wie bei „Blue Origin“ – einige Minuten der Schwerelosigkeit und tolle Blicke über die Erde erleben können, bevor es wieder zur Erde hinab geht. Dort soll das SpaceShipTwo wie ein Flugzeug auf einer Landebahn landen – und nach dem Betanken erneut einsatzfähig sein.

Auch Rakete und Kapsel von Blue Origin sollen wiederverwertbar sein denn nur das ermöglicht langfristig Preise, die sich zumindest einige Menschen leisten können. Von sechsstelligen Beträgen für einen Flug ist bei Blue Origin und Virgin Galactic die Rede - ein Bruchteil dessen, was der erste Weltraumtourist im Jahr 2001 für seine Reise zur ISS bezahlt hat. Dennis Tito zahlte für seinen Flug mit der Sojus und ungefähr einer Woche Aufenthalt auf der ISS etwa 20 Millionen US-Dollar.

Milliardenmarkt Raumfahrt

Der Weltraumtourismus dürfte jedoch nicht der Aspekt sein, mit dem man in der Raumfahrt in den nächsten Jahren das große Geld verdienen kann. Experten sehen eher Satelliten, die Internet aus dem Weltall zur Verfügung stellen als vielversprechendes Geschäft. Bei Morgan Stanley Research sieht man die Entwicklung wiederverwertbarer Raketen als Wendepunkt für die kommerzielle Raumfahrt. „Wir sehen wiederverwendbare Raketen als Aufzug in den niedrigen Erdorbit“ heißt es dort.

Die Möglichkeiten, die das Weltall biete, würden besser zugänglich durch die sinkenden Kosten für Raketenstarts. Einen Satelliten ins All zu schicken sei dadurch schon billiger geworden und koste statt 200 Millionen Dollar nur noch etwa 60 Millionen Dollar. Es sei möglich, dass die Kosten bis auf fünf Millionen Dollar sinken, so die Analysten. Auch die Massenproduktion von Satelliten helfe, die Kosten zu drücken - von etwa 500 Millionen Dollar für einen Satelliten auf bis zu 500.000 Dollar.

Insgesamt schätzt Morgan Stanley, dass sich der weltweite Umsatz der Raumfahrtbranche bis 2040 von derzeit 350 Milliarden US-Dollar auf 1,1 Billionen Dollar steigern könnte. Kein Wunder, dass neben SpaceX auch Blue Origin und Virgin ein weiteres Standbein aufbauen: Derzeit entwickelt Blue Origin eine Rakete, die in Zukunft Satelliten in den Erdorbit transportieren soll. In der Virgin-Gruppe wurde mit Virgin Orbit ein eigenes Unternehmen gegründet, das eine Trägerrakete entwickeln und Starts für Kleinsatelliten anbieten soll.

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