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„Ultima Thule“ „New Horizons“ besucht das Ende der Welt

Die Raumsonde „New Horizons“ schreibt erneut Geschichte: Sie fliegt am 6,4 Milliarden Kilometer entfernten Himmelskörper „Ultima Thule“ vorbei und sammelt Daten. Forscher hoffen, so dem Ursprung des Sonnensystems auf die Spur zu kommen.

"New Horizons" fliegt an "Ultima Thule" vorbei
Die Raumsonde "New Horizons" fliegt am Himmelskörper "Ultima Thule" vorbei. (Künstlerische Darstellung) Foto: NASA/JHUAPL/SwRI

In der Johns Hopkins University im US-Bundesstaat Maryland dürften die Sektkorken in der Silvesternacht eine Viertelstunde später geknallt haben als anderswo an der US-Ostküste. Um 0:15 Uhr am Neujahrstag (US-Ortszeit) flog die Raumsonde „New Horizons“, die vom Applied Physics Laboratory der Universität betreut wird, am Himmelskörper mit dem sperrigen Namen (486958) 2014 MU69 - Spitzname „Ultima Thule“ - vorbei. Dass der Vorbeiflug tatsächlich gelang, wusste man zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, denn es dauert sechs Stunden, bis ein Signal von der Raumsonde die Erde erreicht.

„Ultima Thule“ wurde 2014 vom „Hubble“-Weltraumteleskop entdeckt und nach dem Vorbeiflug von „New Horizons“ am Zwergplaneten Pluto zum nächsten Ziel der Raumsonde auserkoren. „Ultima Thule“ befindet sich im Kuipergürtel - 6,4 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt.

Der Name „Ultima Thule“ ist das Ergebnis einer Online-Abstimmung und steht sprichwörtlich für das Ende der bekannten Welt - dorthin hat sich die Raumsonde „New Horizons“ vorgewagt.

In einer Entfernung von etwa 3500 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von etwa 48.000 Kilometern pro Stunde flog die Raumsonde an „Ultima Thule“ vorbei und sammelte dabei zahlreiche Daten. Mehrere Stunden später traf das erste Signal der Raumsonde auf der Erde ein. „Wir haben eine gesunde Raumsonde und sind bereit für die wissenschaftlichen Daten“, hieß es im Kontrollzentrum der Mission. In den kommenden Tagen sollen erste Aufnahmen von „Ultima Thule“ auf der Erde ankommen. „Dann wird der Himmelskörper zu einer echten Welt“, freut sich Projektwissenschaftler Hal Weaver auf einer Pressekonferenz. 

 

Erste wissenschaftliche Erkenntnisse über den Himmelskörper, über den man bisher nur wenig weiß, sollen ebenfalls in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Bisher weiß man etwa, dass Ultima Thule“ eine unregelmäßige Form hat und etwa 35 Kilometer lang und 15 Kilometer breit ist. Möglicherweise handelt es sich auch um zwei Himmelskörper, die umeinander kreisen. Details werden die Aufnahmen der nächsten Tage zeigen. 

Hoffnung auf Erkenntnisse über Planetenentstehung

Es war das erste Mal, dass sich ein von Menschen gebautes Gerät einem Objekt näherte, das so weit von der Erde entfernt ist. Forscher erhoffen sich von der Mission Erkenntnisse über die Entstehung von Planeten - allen voran der Erde. „Asteroiden, Kometen und andere kleine Himmelskörper bestehen aus Material aus der Zeit, in der das Sonnensystem entstanden ist. Wenn wir wissen wollen, woher wir kommen, müssen wir diese Objekte untersuchen“, zitiert die US-Raumfahrtorganisation Nasa Lori Glaze, die die Abteilung Planetenwissenschaften der Raumfahrtorganisation leitet.

Die Forscher wissen aufgrund des Orbits von „Ultima Thule“, dass der Himmelskörper im Kuipergürtel - weit draußen im Sonnensystem - entstanden sein muss. Weil es dort sehr kalt ist und der Himmelskörper klein sei, gehe man davon aus, dass „Ultima Thule“ ein „wertvolles Fenster in die frühen Stufen der Planetenentwicklung“ ist, erklärte der Leiter der „New Horizons“-Mission, Alan Stern, in einem Blogeintrag.

Was man durch das Erforschen von „Ultima Thule“ erfahre, wisse niemand, so Stern. In der ersten Januarwoche erwartet der Wissenschaftler Bilder, die erahnen lassen sollten, ob der Himmelskörper Satelliten, Ringe oder eine Atmosphäre hat. Im Februar sollen hochauflösende Bilder des Himmelskörpers die Erde erreichen. Bis Ende 2020 wird es dauern, alle Daten, die „New Horizons“ gesammelt hat, zur Erde zu übertragen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Raumsonde „New Horizons“ Geschichte schreibt. Nachdem sie im Jahr 2006 zum Planeten Pluto gestartet ist, erreichte sie als erste Raumsonde den Himmelskörper - der zwischenzeitlich zum Zwergplaneten degradiert wurde - im Juli 2015. Von dort schickte „New Horizons“ zahlreiche Daten und beeindruckende Bilder des Zwergplaneten zur Erde. Im Anschluss wurde eine Missionsverlängerung genehmigt - bis 2021 ist „New Horizons“ finanziert. Ob und wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Es kann jedoch gut sein, dass sich die Raumsonde auf den Weg macht zum nächsten Ziel: „Ultima Thule“ war zwar in der Antike das Ende der Welt, das Sonnensystem ist mit dem Himmelskörper jedoch noch längst nicht zu Ende.

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