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Tiangong 1 Raumstation stürzt auf die Erde

An Ostern gehen Überreste des chinesischen Raumlabors „Tiangong 1“ auf der Erde nieder.

Tiangong 1
Zwölf Meter lang, 8,5 Tonnen Gewicht - die Raumstation „Tiangogn 1“ stürzt auf die Erde. Einige Trümmerteile werden den Wiedereintritt überstehen. Foto: dpa

Alles Gute kommt von oben? In diesem Fall wohl eher nicht. Zwischen den Morgenstunden des Samstags und Sonntagnachmittag stürzen Voraussagen zufolge die Überreste des chinesischen Raumlabors „Tiangong 1“ auf unseren Planeten.

Wann und wo die Trümmerteile niedergehen, lässt sich laut der Pressestelle des ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt nicht klar sagen, da das Labor auch in den letzten Stunden vor dem Absturz noch ein bis zwei Runden um die Erde drehen wird. Das ESOC ist das Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die das gemeinsame europäische Weltraumprogramm konzipiert und umsetzt. Allerdings können die Experten vom Büro für Raumfahrtrückstände die Absturzregion teilweise eingrenzen.

Doch was kommt da eigentlich runter? Die „Tiangong 1“ ist zwölf Meter lang und wiegt satte 8,5 Tonnen. Der ESA-Experte für Weltraumschrott, Holger Krag, ordnet das Objekt ein: Die Organisation orte für gewöhnlich in einem Jahreszeitraum rund 100 Tonnen fliegenden Mülls. Etwa einmal pro Woche komme ein Objekt angeflogen, das den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überlebe. Jedoch: „Tiangong ist schon herausstechend. So etwas haben wir nur alle vier bis fünf Jahre“. Die Raumstation startete 2011 mit einer Trägerrakete ins All, ist seit 2013 unbemannt und seit 2016 besteht kein Kontakt mehr zum Objekt. Deshalb kommt es laut ESA zu einem „unkontrollierten Wiedereintritt“. Andernfalls könnten die Triebwerke des Labors gezündet und ein Absturz über unbewohntem Gebiet eingeleitet werden.

Wenn das Raumlabor in die Erdatmosphäre eintritt, wird es zerfallen und größtenteils verglühen. Einige Tonnen Schrott werden dennoch runterkommen, denn Elemente aus Titan und Edelstahl können der enormen Hitze standhalten und – womöglich auf mehr als 1000 Kilometer verteilt – auf die Erde fallen. Krag schätzt, dass 20 bis 40 Prozent der Masse übrig bleiben könnten, das entspräche 1,5 bis 3,5 Tonnen Material. „Vor allem Tanks und Düsen könnten überleben“.
Wer sich in Deutschland aufhält, kann sich allerdings den bangen Blick nach oben wohl eher sparen. Prognosen zufolge können die Reste der Station zwischen dem 43. Grad nördlicher Breite und dem 43. Grad südlicher Breite einschlagen.

Treffen kann der Schrott somit Afrika, Australien, den amerikanischen Kontinent (von Südamerika bis zum mittleren Norden der USA), Südeuropa (der 43. Breitengrad zieht sich hier von Bulgarien über Norditalien bis ins nördlichste Spanien), große Teile Asiens (die nördliche Grenze verläuft dort durch Kasachstan und die Mongolei) sowie alle Ozeane. Aufgrund der Umlaufbahn der Raumstation sei es laut ESA wahrscheinlicher, dass die „Tiangong 1“ in den Außenbereichen eintrete, als in der Nähe des Äquators. Konkrete Warnungen davor, wo „Tiangong 1“ niedergeht, werde es laut Krag nicht geben. „Die Unsicherheit und das Gebiet sind zu groß“, sagt er. Bestenfalls könne man kurzfristig einen Kontinent ausschließen.

Gefahr für Menschen gering

Da der Eintritt in etwa 80 Kilometern Höhe vor sich geht, könnten bei wolkenfreiem Himmel womöglich viele Menschen das Ereignis beobachten. „Das ist sicherlich eindrucksvoll. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort lässt es sich sehr gut sehen“, vermutet Krag - es sehe dann aus wie eine ganz langsame Sternschnuppe, tagsüber sei es vielleicht einer Rauchfahne ähnlicher.
Übersetzt bedeutet „Tiangong“ übrigens „Himmlischer Palast“. Von diesem Palast erschlagen zu werden sei trotz allem extrem unwahrscheinlich. Genauer: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Stück der Weltraumstation Tiangong 1 auf einen Menschen fällt, ist (…) 10 Millionen mal kleiner als die jährliche Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden“, verkündet die ESA auf ihrer Webseite. Ferner gebe es noch keinen bestätigten Fall, bei dem eine Person durch Weltraumschrott getroffen wurde. 

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