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Stephen Hawking Tod eines Universalgenies

Stephen Hawking, Ausnahmeforscher und Popstar der Wissenschaften, war mit seiner schweren Krankheit im Reinen. Sie war ein zentraler Impuls für seinen Erfolg.

Stephen Hawking
Endlich schwerelos: Der gelähmte Forscher im Jahr 2007 bei einem Parabelflug in einer umgebauten Boeing. Foto: DB gozerog (Zero Gravity Corporation)

Über den Tod machte sich Stephen Hawking keine Illusionen. „Ich sehe das Gehirn als einen Computer an, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Einzelteile nicht mehr funktionieren“, sagte er einmal im Interview. „Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.“

Der weltbekannte britische Astrophysiker und Autor Stephen Hawking ist am frühen Mittwochmorgen in seinem Haus in Cambridge gestorben, wie seine PR-Agentur unter Berufung auf seine Familie mitteilt.

Dass er überhaupt 76 Jahre alt werden konnte, kann man als ein medizinisches Wunder ansehen. Denn die muskellähmende Krankheit ALS, unter der Hawking litt, führt in den meisten Fällen in wenigen Jahren zum Tode. Doch es ist nicht nur ein Wunder, dass er sie jahrzehntelang überlebte, sondern auch, dass er mit ihr und durch sie die Kraft fand, zu einem der bekanntesten Wissenschaftler der Erde zu werden. Womöglich wäre er ohne die Erkrankung niemals so erfolgreich geworden, sagte Hawking selbst.

Nicht wenige sahen in Hawking das letzte Genie unserer Zeit, vergleichbar mit Albert Einstein oder Isaac Newton, dessen Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge er von 1979 bis 2009 innehatte – gut drei Jahrhunderte nach Newton. Hawking spielte bewusst mit diesem Image. Ja, er traf sich sogar virtuell mit Einstein und Newton, als einer von drei „der bedeutendsten Köpfe der Geschichte“. In Folge 152 der Fernsehserie „Star Trek – Next Generation“ von 1993 verkörperte er sich selbst, wie er auf dem Holodeck des Raumschiffs Enterprise Poker gegen die beiden Wissenschaftler spielt. Und natürlich gewinnt er, obwohl Einstein seine Niederlage vorausgesagt hat. Am Ende ätzt Hawkings Computerstimme: „Irrtum, Albert!“

„Ich weiß, dass es ein Medien-Hype ist“, kommentierte Hawking die ungeheure Popularität, die er erreicht hat. „Sie brauchen eine Einstein-ähnliche Figur, die sie anrufen können.“ Wozu auch ein gewisses exzentrisches Verhalten gehört, das Hawking bewusst pflegte. So meldete er sich immer wieder einmal mit Aussagen zu Wort, die zuweilen ans Skurrile grenzten. Wie etwa, als er zur Fußballweltmeisterschaft 2014 mit einer Sieger-Formel auftrat: England werde immer dann erfolgreich sein, prophezeite er, wenn die Anstoßzeit in der Nähe von 15 Uhr und der Spielort nicht in extremer Höhe liegt, wenn vier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler und drei Stürmer spielen. Elfmeter müssten von hellhaarigen Spielern geschossen werden, die mehr als drei Schritte Anlauf nehmen und den Ball hoch schießen. Aber Theorie hin oder her: „England könnte den Hintern einer Kuh nicht mit einem Banjo treffen“, sagte Hawking. Humor, so erzählen enge Mitarbeiter von Hawking, habe zu seinen besten Eigenschaften gehört.

Aber wer war Hawking wirklich? Was war er als Wissenschaftler? Ein Genie, gar ein zweiter Einstein? Seine Kritiker entgegnen, dass er keine schlüssige Theorie hervorgebracht habe, die nobelpreiswürdig sei, wie etwa Einsteins Relativitätstheorie. Er könne viele seiner teilweise spektakulären Thesen nicht beweisen. Aber endgültige Beweise sind zum Teil auch (noch?) nicht möglich. Zum Beispiel, was Hawkings lebenslange Versuche betrifft, zwei bisher unvereinbare große Theorien der modernen Physik zu einem neuen System zusammenzuführen: die allgemeine Relativitätstheorie und die Quantentheorie.

Geboren wurde Stephen Hawking am 8. Januar 1942, genau dreihundert Jahre nach dem Tod Galileis, wie er selbst gern betonte. Die Mutter war Wirtschaftswissenschaftlerin, der Vater Tropenmediziner. Im Krieg zog die Familie von London nach Oxford, Hawkings Geburtsort, dann nach St. Albans, wo Stephen Hawking die Schule besuchte. Bereits damals muss er etwas Besonderes ausgestrahlt haben, denn sein Spitzname lautete Einstein. Er habe mit neun Jahren beschlossen, Wissenschaftler zu werden, heißt es in seiner Biografie.

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