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Sonnenfinsternis Gute Sicht auf die Sonnenfinsternis

Wenn sich ab etwa 9:30 Uhr der Mond vor die Sonne schiebt, kann man aus Deutschland eine seltene Sonnenfinsternis mit einer Bedeckung von bis zu 80 Prozent sehen. In großen Teilen Deutschlands sollte der Himmel blau und die Sicht auf die Sonnenfinsternis gut sein.

Bestens vorbereitet: Die 15-jährige Bentje testet eine selbst gebastelte Schutzbrille. Besonders wichtig ist, dass die Brille eine spezielle Schutzfolie verwendet. Foto: dpa

Um das Phänomen Sonnenfinsternis ranken sich seit jeher Mythen und Aberglaube. Doch wenn am heutigen Vormittag die Sonne teilweise verfinstert wird, dann ist das ein rein astronomisches Phänomen und hat nichts mit einem Drachen zu tun, der die Sonne verschluckt – ein Mythos, der im alten China verbreitet war. Um den Drachen von seiner Missetat abzubringen, machte man jede Menge Krach – mit Erfolg, denn das vermeintliche Ungetüm gab die Sonne jedes Mal wieder frei.

Was man damals nicht wusste: Bei einer Sonnenfinsternis stehen Erde, Mond und Sonne in einer Linie. „Von der Erde aus gesehen verdeckt der Mond die Sonne und blockiert das Licht“, erklärt der Astronom und Wissenschaftsautor Florian Freistetter. „Ein Teil der Erdoberfläche befindet sich im Schatten, den der Mond wirft. Dort kann man eine Sonnenfinsternis beobachten“, ergänzt er.

Pünktlich zum astronomischen Frühlingsbeginn bedeckt der Mond ab etwa 9.30 Uhr die Sonne. Langsam wandert der Mond über die Sonnenscheibe, etwa eine Stunde später hat die Sonnenfinsternis das Maximum erreicht. Gegen 11.50 Uhr ist das Phänomen wieder vorbei. „Die genauen Zeiten hängen vom jeweiligen Beobachtungsort ab“, betont Astronom Freistetter. Vom Beobachtungsort hängt es auch ab, wie stark die Bedeckung der Sonne sein wird. Während es in Flensburg gut 82 Prozent sind, wird die Sonne in Frankfurt nur noch zu knapp 75 Prozent verdeckt, in München sind es nur noch 68 Prozent. „Ohne Hilfsmittel wird man nicht allzu viel davon merken, da immer noch genug Sonnenlicht die Erde erreicht“, beschreibt Freistetter. Es werde etwa so dunkel wie bei dichter Bewölkung. Der Autor erklärt: „Will man sehen, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt, muss man Hilfsmittel benutzen.“

Dabei sollte man vor allem auf einen geeigneten Schutz für die Augen achten. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt: Wer ohne geeignete Filter in die Sonne schaut, riskiert bleibende Schäden am Auge oder sogar die Erblindung. Eine Sonnenbrille oder ein geschwärztes Glas seien „nicht nur ungeeignet, sondern gefährlich“, so das BfS, das außerdem darauf hinweist, dass die Folie einer Sonnenfinsternisbrille keinesfalls beschädigt sein darf. Außerdem solle man darauf achten, dass die Schutzbrillen das CE-Symbol tragen.

Bereits in den Tagen vor der Sonnenfinsternis waren geeignete Schutzbrillen nur noch schwer zu bekommen, eine Alternative zur Schutzbrille stellen deshalb Sternwarten und Astronomie-Vereine dar, die mit Schutzfiltern für ihre Teleskope ausgerüstet sind und von denen viele Veranstaltungen rund um die Sonnenfinsternis anbieten.

Auf eine totale Sonnenfinsternis wartet man in Deutschland die nächsten Jahre allerdings vergebens. „Im Durchschnitt gibt es an einem bestimmten Ort der Erde alle 375 Jahre eine totale Sonnenfinsternis“, weiß Freistetter. Deutschland trifft es derzeit etwas besser: Die letzte totale Sonnenfinsternis, die hierzulande zu sehen war, fand im August 1999 statt, bis zur nächsten muss man in Deutschland noch 66 Jahre warten: Im September 2081 ist es wieder soweit.

Wer nicht ganz so viel Geduld aufbringt, kann einer Sonnenfinsternis auch hinterher reisen: Der Kernschatten der heutigen Sonnenfinsternis zieht sich durch den Nordatlantik, auf den dort gelegenen Färöer-Inseln und auf Spitzbergen wird sich die Sonne für etwas mehr als zwei Minuten komplett verfinstern. Viele „Sonnenfinsternis-Jäger“ nutzen die Chance und stürmen auf die Inseln, die mit dem großen Ansturm nicht gerechnet hatten.

Denn eigentlich ist eine totale Sonnenfinsternis kein seltenes Ereignis: Die nächste findet bereits im März 2016 statt. Zu sehen ist sie allerdings nur auf einigen abgelegenen Inseln im Pazifik. Von Deutschland aus gut erreichbar ist erst wieder die Finsternis im August 2026, die unter anderem in Spanien als totale Sonnenfinsternis zu sehen sein wird.

Aber auch ohne die totale Bedeckung der Sonne ist die heutige Sonnenfinsternis ein Ereignis, das nicht allzu oft zu sehen ist: Im Jahr 2003 war die Sonne über Deutschland zuletzt zu mehr als 80 Prozent bedeckt, die nächsten Finsternisse mit einem Bedeckungsgrad jenseits der 80 Prozent kann man von Deutschland aus erst in den Jahren 2026 und 2039 sehen.

Schon alleine deshalb lohnt es sich, am Vormittag den Blick zum Himmel zu richten – wenn das Wetter mitspielt. Die Wetterprognose für Süddeutschland und auch Hessen sieht gut aus, hier rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit einem meist wolkenlosen Himmel. Nur der Norden könnte möglicherweise mit Wolken zu kämpfen haben. Doch auch in diesen Regionen gibt es Abhilfe: Zahlreiche Livestreams im Internet bieten die Möglichkeit, die Sonnenfinsternis als Livestream zu verfolgen. Einige Kameras, die die Sonnenfinsternis ins Internet übertragen, sind auf den Färöer-Inseln positioniert - sie werden bei gutem Wetter die totale Sonnenfinsternis zeigen können.

Sonnenfinsternis am 20.3.2015 - Uhrzeiten und Bedeckungsgrade

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