Lade Inhalte...

Satelliten Mit Elektro-Antrieb durchs All

Satelliten mit elektrischem Antrieb verbrauchen weniger Treibstoff und sind somit leichter. Das kann Geld beim Start einsparen. Der erste in Europa gebaute Satellit mit komplett elektrischem Antrieb ist nun im All.

02.06.2017 13:22
Start der Ariane 5
Start der Ariane-5-Rakete in Französisch-Guyana. Foto: afp

Eine Ariane-5-Rakete hat den ersten in Europa gebauten Telekommunikationssatelliten mit komplett elektrischem Antrieb ins All gebracht. Die Rakete hob in der Nacht auf Freitag deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ab.

Dabei übertraf die europäische Trägerrakete ihren bisherigen Nutzlastrekord: Der Elektro-Satellit Eutelsat 172B, der Satellit ViaSat-2 sowie die dazugehörende Ausrüstung zum Aussetzen beider Geräte wogen beim Start zusammen 10,865 Tonnen. Das seien 130 Kilogramm mehr als beim letzten Ariane-5-Rekord aus dem August 2016, teilte der Raketenbauer Airbus Safran Launchers mit.

Weniger Treibstoff und geringerer Schub

Der 3,5 Tonnen schwere Satellit Eutelsat 172B wurde von Airbus in Toulouse gebaut. Er nutzt den elektrischen Antrieb, um nach dem Aussetzen im All zu seiner endgültigen Umlaufbahn zu kommen sowie für spätere Lagekorrekturen. Elektro-Antriebe brauchen deutlich weniger Treibstoff als klassische chemische Antriebe. Die Satelliten haben deshalb entweder mehr Platz für Nutzlast oder sind leichter, womit günstigere Trägerraketen für den Weg ins All eingesetzt werden können.

Allerdings haben Elektro-Antriebe einen deutlich geringeren Schub. Daher brauchen die Satelliten länger für ihren Weg zum Ziel-Orbit - bei Eutelsat 172B rund vier Monate statt zwei Wochen mit einem chemischen Antrieb.

Während bei konventionellen Raumfahrt-Antrieben zwei Chemikalien miteinander reagieren und so Schub erzeugen, wird bei elektrischen Antrieben ein Edelgas elektrisch angeregt (ionisiert) - normalerweise Xenon. Mit einem elektrischen Feld wird es dann aus der Antriebsdüse herausgeschleudert und erzeugt so Schub. Man spricht deshalb auch von einem Ionen-Triebwerk. Der nötige Strom kommt von Solarpanels.

Experten rechnen mit mehr Elektro-Antrieben

Die Nutzung des Elektro-Antriebs zur Lagekorrektur ist schon länger üblich, für den Weg in die Umlaufbahn ist dies aber relativ neu. Die ersten voll-elektrisch angetriebenen Satelliten des Airbus-Rivalen Boeing waren 2015 ins All geschossen worden.

Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt rechnen damit, dass in den kommenden Jahren immer mehr Satelliten rein elektrisch angetrieben werden. In Deutschland entwickelt der Bremer Satellitenhersteller OHB mit Unterstützung der europäischen Raumfahrtagentur Esa seine Electra-Plattform für vollelektrische Telekommunikationssatelliten unter drei Tonnen.

Mit Eutelsat 172B will Betreiber Eutelsat Kommunikationsdienste in der Pazifikregion anbieten. ViaSat-2 soll für das US-Unternehmen ViaSat Breitband-Internetverbindungen in Nord- und Lateinamerika sowie in der Karibik ermöglichen. (dpa)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum