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Rosetta und Philae Philae landet auf dem Kometen

Gut zehn Jahre hat es gedauert, bis die Raumsonde "Rosetta" den Kometen "67P/Tschurjumow-Gerasimenko" erreicht hat. Mittlerweile ist das Landegerät "Philae" angekommen - erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist damit die Landung auf einem Kometen geglückt.

ESA-Animation: Der Kometen-Lander "Philae" ist auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerasimenko" gelandet. Foto: dpa/ESA/J. Huart

Auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerasimenko" ist es kalt, dunkel und es stinkt. Trotzdem steht der Komet im Mittelpunkt des Interesses der Raumfahrt. Denn die Raumsonde "Rosetta" der europäischen Raumfahrtbehörde ESA hat das Landegerät "Philae" auf eben diesem unwirtlichen Kometen abgesetzt, um ihn genauer zu erforschen. Das von Beginn an ambitionierte Vorhaben ist die erste Landung auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt.

Das Ziel der Mission: Forscher wollen mehr über die Frühzeit des Sonnensystems und vor allem die Entstehung der Erde erfahren. Besonders interessiert sie die Frage, welche Rolle Kometen dabei gespielt haben. Sie könnten Wasser oder andere Materialien auf die Erde gebracht und so die Entstehung des Lebens beeinflusst haben. Zehn Instrumente an Bord des Landers "Philae" sollen die Gegend untersuchen, in der die Raumsonde landen wird, und den Forschern Daten liefern.

Vom Start der Raumsonde "Rosetta" bis zum Absetzen des Landegeräts "Philae" auf dem Kometen war es eine lange Reise (Animation: Die Reise von "Rosetta"). Zehn Jahre lang flog "Rosetta" durch das Sonnensystem, holte Schwung an Erde und Mars, flog an den Asteroiden ?teins und Lutetia vorbei und wurde für mehr als zwei Jahre in eine Art "Winterschlaf" versetzt und wieder aufgeweckt, ehe sie im August 2014 den Kometen erreichte.

Seither umkreist "Rosetta" den Kometen "67P/Tschurjumow-Gerasimenko" und schickt immer wieder Detailaufnahmen zur Erde. Mittlerweile weiß man, dass die längste Seite des Kometen etwa vier Kilometer lang ist, der Himmelskörper bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 120.000 Kilometern pro Stunde. Der Landeplatz "Agilkia" steht bereits seit einiger Zeit fest, man hat versucht einen Fleck zu finden, auf dem möglichst keine größeren Felsen oder Hänge mit mehr als dreißig Grad Neigung für Gefahr sorgen. Die Oberfläche in der Landeregion sei "staubig, irgendwie zwischen Hartschnee und Zigarettenasche", erklärt ESA-Wissenschaftler Matt Taylor. "Es ist etwas wärmer als wir zuerst dachten."

Tag der Entscheidung

Jahre der Planung liefen auf diesen einen Tag hinaus, an dem der kleine Lander "Philae" - das Gerät ist etwa einen Meter lang, breit und hoch und wurde bis zum Kometen von der der Raumsonde "Rosetta" transportiert - abgestoßen wurde und in Schrittgeschwindigkeit 22,5 Kilometer in Richtung des Kometen gefallen ist. Angeschaltet wurde die Sonde bereits am Tag zuvor. In der Nacht zuvor wurden bereits einige "Go"-Entscheidungen getroffen, die letzte fiel am Morgen, kurz vor der Abtrennung von "Philae". Diese Entscheidung war die kritischste: Wurde der Lander einmal von "Rosetta" abgetrennt, gab es kein Zurück mehr: "Philae" konnte nicht umkehren.

Um 9:35 Uhr wurde "Philae" von "Rosetta" abgetrennt - obwohl im Vorfeld ein Problem bekannt wurde: Eine Düse am Landegerät ließ sich nicht einschalten. Sie war für die Landung konzipiert worden und sollte dafür sorgen, dass sich "Philae" während des Landens nicht wieder vom Kometen wegbewegt. Durch den Ausfall der Düse mussten sich die Forscher ganz auf die Harpunen verlassen, mit denen "Philae" im Kometenboden verankert wird.

Um 10:03 Uhr brandete kurz Jubel im Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt auf: Exakt 28 Minuten und 20 Sekunden nach der Abtrennung von "Philae" erreichte das erste Signal das ESOC, das Abdockmanöver ist gelungen, "Philae" ist auf dem Weg zum Kometen. 28 Minuten und 20 Sekunden dauert es aufgrund der Entfernung zur Erde, bis Signale von "Rosetta" und "Philae" ankommen.

Sieben Stunden dauert die Phase des Abstiegs, in der "Philae" langsam Richtung Komet fällt. In der ersten Phase des Abstiegs ist der Kontakt zu den Raumsonden unterbrochen, doch zum erwarteten Zeitpunkt melden sich die Sonden "Rosetta" und "Philae" wieder. Am Nachmittag wird das erste Bild veröffentlicht:

Um 17:06 Uhr atmen die Forscher auf: "Philae" ist erfolgreich gelandet. Vierzig Minuten später ist klar: Die Landung war sanft, doch offenbar ist "Philae" noch nicht fest mit dem Kometen verbunden: Die die Landeanker wurden nicht abgefeuert. Die ESA überprüft die technischen Möglichkeiten, die Ankerraketen erneut zu feuern.

Derweil sendete "Philae" ein Bild von der Landung. Der Lander ist zum Zeitpunkt des Bildes noch drei Kilometer über "Tschuri", wie der Komet "67P/Tschurjumow-Gerasimenko" kurz genannt wird:

Mit der Landung von "Philae" beginnt auch direkt die Erforschung des Kometen. Ein schneller Start ist wichtig, denn die Batterien an Bord des Landegeräts halten gerade einmal 64 Stunden. Zwar können die Batterien über Solarzellen geladen werden, doch ob das funktioniert, hängt unter anderem von der Landestelle ab.

"Philae" wird nach der Landung nicht nur Panoramaaufnahmen vom Kometen zur Erde senden, sondern auch untersuchen, woraus der Komet besteht. 23 Zentimeter tief soll das Landegerät in die Oberfläche bohren und die Materialproben analysieren. Die Daten, die "Philae" sammelt, werden zur Sonde "Rosetta" geschickt, die weiter um den Kometen kreist und während der ersten fünf Tage regelmäßig Kontakt zum Landegerät hat. Wenn alles gut geht, kann "Philae" bis März 2015 im Einsatz bleiben. Dann erwarten die Wissenschaftler, dass die Temperaturen im Landegerät zu warm für die Experimente und Messungen werden.

Doch das Ende des Einsatzes von "Philae" ist nicht das Ende der "Rosetta"-Mission: Die Sonde kreist weiter um den Kometen und begleitet ihn, während er sich bis August 2015 der Sonne immer weiter annähert und sich anschließend wieder von ihr entfernt, hinaus, in Richtung äußeres Sonnensystem.

Updates auf Twitter:
Tweets von @Philae2014

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