Lade Inhalte...

Raumkapsel "Orion" "Orion"-Start wird verschoben

Der Start von "Orion", dem neuen Crewmodul der Nasa", wird verschoben. Das nächste Startfenster für den Testflug öffnet sich am Freitagmittag. Langfristig soll "Orion" Astronauten zum Mars bringen.

Warten auf den Start: Die Rakete mit "Orion" steht in Cape Canaveral. Foto: REUTERS

Eigentlich sollte am heutigen Donnerstag eine Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral starten und das Nasa-Crewmodul "Orion" zu einem ersten Testflug ins All bringt. Die Gedanken vieler Nasa-Mitarbeiter und Raumfahrt-Fans wären dann ganz weit weg gewesen: beim Mars. Dorthin soll "Orion" irgendwann Astronauten transportieren. Das ist das langfristige Ziel, das die US-Weltraumorganisation sich selbst gesteckt hat, der "next giant leap", der "nächste große Schritt" wie es die Nasa selbst in Anlehnung an die ersten Worte Neil Armstrongs auf dem Mond nennt. Doch bevor es so weit ist und es tatsächlich zum Mars geht, müssen noch zahlreiche Tests und die eine oder andere Mission absolviert werden.

Doch erst einmal muss die Rakete überhaupt zum Testflug starten: Nach mehreren Unterbrechungen des Countdowns wurde der Start am Donnerstag wegen eines Problems mit Ventilen endgültig abgesagt. Das nächste mögliche Zeitfenster für einen Start öffnet sich in 24 Stunden, wann genau der nächste Start unternommen wird, ist allerdings noch unklar.

Keine Astronauten an Bord

Den ersten Testflug absolviert "Orion" ohne Astronauten, dafür mit jeder Menge Sensoren an Bord, die alles für die am Boden zurückgebliebenen Nasa-Mitarbeiter aufzeichnen. Zwei Mal soll die Raumkapsel bei ihrem ersten Flug die Erde umrunden und dabei bis zu 5800 Kilometer aufsteigen - das ist etwa fünfzehn Mal höher als die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS. Dabei stößt "Orion" auch in den Van-Allen-Strahlungsgürtel vor und kann messen, wie sich die Strahlung auf eine künftige menschliche Besatzung auswirken würde.

Knapp viereinhalb Stunden soll der erste Testflug dauern, dabei wird unter anderem auch das Hitzeschild einem Härtetest unterzogen: "Orion" wird nach Nasa-Angaben mit einer Geschwindigkeit von gut 32.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre eindringen. Dabei muss das Hitzeschild eine Temperatur von gut 2000 Grad Celsius aushalten. Anschließend - "Orion" ist nun nur noch mit einer Geschwindigkeit von etwa 480 km/h unterwegs - wird die Raumsonde mit Fallschirmen abgebremst, um schließlich im Pazifik zu wassern. Dort wird das Crewmodul von Teams der Nasa und der US-Navy eingesammelt.

Unabhängigkeit von Russland

Für die Nasa und die USA ist "Orion" nicht nur ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Mars, sondern auch ein wichtiger Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit von Russland. Seit der Einstellung des Shuttle-Programms im Jahr 2011 sind die USA beim Transport von Astronauten zur ISS auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen. Das kratzt nicht nur am Nationalstolz, sondern auch am Budget: Derzeit muss die Nasa für einen Platz in einer Sojus-Kapsel rund 70 Millionen Dollar an die Russen zahlen.

Nasa-Livestream zum ersten Testflug von "Orion":Broadcast live streaming video on Ustream

Bei reinen Material-Transporten zur ISS hat man zwar mehr Auswahl - neben der russischen Sojus fliegen Raumtransporter zweier privater Unternehmen die ISS an - doch nach dem fehlgeschlagenen Start einer "Antares"-Rakete, bei der die mit Fracht gefüllte Raumkapsel "Cygnus" zerstört wurde, dürfte das Vertrauen in private Anbieter gelitten haben.

Deshalb ist es für die USA umso wichtiger, möglichst bald wieder selbst Astronauten ins All befördern zu können. Es geht dabei nicht nur darum, sich wieder von Russland, dem alten Rivalen im "Space Race" während des Kalten Kriegs, unabhängig zu machen. Sondern auch um Nationalstolz ("Wir werden wieder Astronauten von amerikanischem Boden ins All schicken", betont man bei der Nasa immer wieder) und Arbeitsplätze - mit dem Ende der Space Shuttles sind zahlreiche Arbeitsplätze in den USA weggefallen.

Der "Orion"-Testflug ist nur einer von vielen kleinen Schritten auf dem Weg zum Mars: Es fehlt noch das Europäische Service Modul (ESM), das von Airbus gebaut wird und für das 2017/2018 ein erster Testflug geplant ist. Erst im Jahr 2021 sollen Astronauten mit "Orion" und einer neuen Rakete - dem "Space Launch System" SLS, das beim Testflug noch nicht zum Einsatz kommt - ins All starten. Bevor es dann wirklich irgendwann - angepeilt sind die 2030er Jahre - für die ersten Astronauten Richtung Mars geht, steht "Orion" für "Mitte der 2020er Jahre" noch eine Asteroiden-Mission bevor.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum