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Raumfahrt ISS Zwei Raumfahrer zu "Jahresmission" gestartet

Wie wirkt sich ein längerer Aufenthalt in der Schwerelosigkeit auf den Menschen aus? Spätestens wenn die ersten Astronauten zum Mars aufbrechen, wird diese Frage relevant. Mit Hilfe von Zwillingen will die Nasa untersuchen, was ein Jahr im All mit dem menschlichen Körper macht.

Eineiige Astronauten-Zwillinge: Scott Kelly (r.) wird ein Jahr auf der ISS leben, sein Zwillingsbruder Mark Kelly (l.) war früher ebenfalls Astronaut und bleibt auf dem Boden - zu Forschungszwecken. Foto: Robert Markowitz/NASA/dpa

Wie wirkt sich ein Aufenthalt im Weltall auf den Menschen aus? Diese Frage steht hinter jeder Reise eines Astronauten zur ISS, jeder Astronaut muss sich vor, während und nach seinem Aufenthalt im All medizinischen Checks unterziehen. Mittlerweile weiß man zwar, dass sich der Aufenthalt in der Schwerelosigkeit unter anderem auf die Augen, die Muskeln und die Knochen auswirken kann - doch was passiert mit dem Körper, wenn ein Mensch länger als ein paar Monate im All ist?

Vier bis sechs Monate dauern die meisten Aufenthalte an Bord der Internationalen Raumstation, doch spätestens, wenn sich erstmals Menschen zum Mars aufmachen, werden sie länger - 500 Tage oder mehr - im All bleiben müssen. Was dann mit dem Körper passiert und wie der Mensch die Enge und Isolation in der Raumstation oder einer Raumkapsel über so lange Zeit aushält, ist unklar. Doch die Fragen stellen sich, denn die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat den Mars vor einiger Zeit als Ziel ausgerufen. Mittelfristig sollen Menschen den roten Planeten besuchen und erforschen.

Gleich zwei Astronauten sind aus diesen Gründen an diesem Freitag zu einer längeren Mission als üblich ins All aufgebrochen: Der US-Amerikaner Scott Kelly und der Russe Michail Kornijenko starteten in der Nacht zum Samstag mit einer Sojus-Kapsel vom Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe zur ISS, und werden ein Jahr lang dort bleiben. Sie werden im Laufe ihrer Mission ausführlich beobachtet, unter anderem werden Schlafmuster untersucht, das Sehvermögen und das Immunsystem kontrolliert. Auch das physische Leistungsvermögen ist von Interesse, genau wie die Zusammenarbeit im Team.

Nicht nur die Dauer der Mission ist ein Novum, neu ist auch, dass gleichzeitig eine Vergleichsstudie auf der Erde stattfinden wird: Mark Kelly, ehemaliger Nasa-Astronaut und der eineiige Zwilling des Astronauten Scott Kelly, wird auf der Erde an der Mission teilnehmen. "Zum ersten Mal kann so auch untersucht werden, ob sich durch den langen Aufenthalt im All die Gene eines Menschen ändern", erklärt Professor Rupert Gerzer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Bei einigen der Zwillings-Experimente wird Blut abgenommen, man will untersuchen, ob sich die Bedingungen im All auf das Genom auswirken. Bei anderen Experimenten handelt es sich um psychologische und physische Tests. Scott Kelly erklärt: "Was wir hier lernen, ist etwas anekdotisch, aber es wird uns ein Gefühl dafür vermitteln, welche Bereiche wir genauer erforschen müssen."

Scott Kelly, der Zwilling, der ins All fliegt, reist nicht zum ersten Mal zur ISS: Er war bereits im Oktober 2010 Kommandant der Internationalen Raumstation, flog mit dem Space Shuttle und installierte neue Instrumente am Weltraumteleskop "Hubble". Auch sein Bruder Mark Kelly ist ein erfahrener Astronaut: Er war bereits vier Mal im All.

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