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Raumfahrt Die Erde vor Weltraumwetter schützen

Die europäische Raumfahrtagentur Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt wollen stärker kooperieren. Ein Satellit soll künftig die Sonne beobachten.

Weltraum
Heftige Sonnenaktivitäten können heftige Auswirkungen auf das Leben und die Infrastruktur der Erde haben. Foto: Nasa

Das Ereignis setzte so viel Energie frei, als wären Milliarden Atombomben explodiert – und obwohl es sich in 150 Millionen Kilometern Entfernung abspielte, so waren seine Auswirkungen auf der Erde zu spüren: Im September 2017 kam es auf der Sonne zur heftigsten Eruption seit zwölf Jahren. Bereits Minuten später hatte die dabei entstandene Röntgenstrahlung die Ionosphäre der Erde erreicht, jenen Teil der Atmosphäre in einer Höhe von 50 bis 400 Kilometern, der bei der Ausbreitung von Funkwellen eine wichtige Rolle spielt. Kommt es dort zu Veränderungen, so kann das nicht nur den Mobilfunk, sondern auch Navigationssysteme beeinträchtigen.

Der mächtige Sturm, der auf der Sonne tobte, hatte auch Folgen für den Luftverkehr: Flugzeuge sollten die Polarregionen meiden, da diese durch das Magnetfeld der Erde ohnehin weniger gut geschützt als der Rest unseres Planeten sind. Passagiere und Besatzung wären in diesen Tagen dort einer zu hohen Strahlung ausgesetzt gewesen. Auch die Crew der Internationalen Raumstation ISS, die in rund 400 Kilometern Höhe im Orbit kreist, musste bestimmte Bereiche des Außenpostens meiden. Sogar auf Tiefenbohrungen in der Erde hätte die außergewöhnliche Sonnenaktivität eine „starke Rückwirkung“ gehabt, erklärt Rolf Densing, Direktor der europäischen Raumfahrtagentur Esa und Leiter des Satellitenkontrollzentrums Esoc in Darmstadt.

Weltraumwetter kann Leben auf der Erde stark beeinflussen

Das Weltraumwetter – das auf der Erde vor allem von der Sonnenaktivität bestimmt wird – kann das Leben auf unserem Heimatplaneten stark beeinflussen. Mögliche Gefahren drohen aber ebenso von sehr viel weiter her aus dem All, etwa von Asteroiden oder Meteoriten, die in Richtung Erde unterwegs sind und sie schlimmstenfalls treffen könnten. „Auf diese Weise sind die Dinosaurier ausgestorben, das sollten wir nicht vergessen“, sagt Densing.

Und auch den zunehmenden Trubel im Orbit beobachten Experten mit Skepsis. Seit dem Start von Sputnik im Jahr 1957 ist die Zahl der Satelliten auf 7500 angewachsen, von denen die meisten längst außer Betrieb sind; hinzu kommen hunderttausende andere Teile wie Raketenoberstufen, Batterien und Bruchstücke. Auf insgesamt 7500 Tonnen wird das Gewicht des Weltraumschrotts geschätzt. Er bedroht die Menschen zwar nicht direkt, birgt aber durch die steigende Gefahr von Kollisionen das Risiko, dass wichtige Satelliten außer Kraft gesetzt werden.

Bei der Esa werden diese drei potenziellen Risiken für die Erde und ihre Infrastruktur – Weltraumwetter, erdnahe Objekte und Weltraumschrott – zusammengefasst im Programm Weltraumlage-Erfassung SSA (Space Situational Awareness). Das aktuelle Budget beträgt 95 Millionen Euro bis zum Jahr 2020. Es ist laut Rolf Densing „das Programm mit der stärksten Dynamik und dem größten Wachstum“.

Die steigende Aufmerksamkeit für mögliche Gefahren aus dem Weltraum ist einer der Hauptgründe, warum die Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ihre Kooperation künftig noch verstärken wollen. Das gaben Rolf Densing und Pascale Ehrenfreund, die Vorstandsvorsitzende des DLR und Chefin der deutschen Delegation im Esa-Rat, am Donnerstag im Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt bekannt – ohne dabei Details zu nennen.

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