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Philae Komet Rosetta Warten auf ein Signal von "Philae"

Seit gut zweieinhalb Monaten ist die Forschungssonde "Philae" auf der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko verschollen. Die Wissenschaftler hoffen, im Frühjahr ein Lebenszeichen zu bekommen. Dann könnte sich der schattige Landeplatz als Glücksfall erweisen.

So stellt sich ein Künstler "Philae" auf der Kometenoberfläche vor. Wie sieht es wohl in der Realität aus? Foto: AFP/ESA

Gut zweieinhalb Monate ist es her, dass die Forschungssonde "Philae" auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko gelandet ist und knapp 60 Stunden später wegen niedriger Batterieleistung die Arbeit eingestellt hat. Für das Team im Lander-Kontrollraum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln bedeutet das eine Atempause, doch man hofft weiter darauf, dass "Philae" sich bei geeigneter Sonneneinstrahlung und genügend frischer Energie wieder zurückmeldet.

Die größte Wahrscheinlichkeit, wieder Kontakt mit "Philae" zu bekommen, bestehe im Mai, erklärt Philae-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec. "Wir werden aber bereits ab Ende März versuchen, ob Philae schon ausreichend mit Energie versorgt wird." Wann genau die Sonde genügend Sonnenlicht bekommt, um ausreichend Energie zu tanken, ist unklar, denn bis heute weiß man nicht genau, wo auf der Oberfläche des Kometen sich "Philae" überhaupt befindet.

Die Sonde landete im November nicht nur ein Mal auf dem Kometen, sondern prallte wieder von der Oberfläche ab und landete so gleich mehrfach. Wo sie letztendlich stehenblieb, ist den beteiligten Wissenschaftlern ein Rätsel. Auf keiner der Aufnahmen, die die Mutter-Sonde "Rosetta" von der Kometenoberfläche gemacht hat, wurde "Philae" bisher gesichtet. Die geplanten Flugmanöver von "Rosetta" um den Kometen lassen die weitere Suche nach dem verschollenen Lander erst einmal kaum noch zu.

Wo ist Philae?

Am 14. Februar soll sich "Rosetta" dem Kometen zwar auf bis zu sechs Kilometer nähern und die aktivsten Regionen von 67P/Tschurjumov-Gerasimenko untersuchen, doch die Route führt den Orbiter nicht über das Gebiet, in dem "Philae" vermutet wird. Und auch künftig soll die Flugbahn "Rosettas" nicht geändert werden, um "Philae" aufzuspüren. Nur die Ausrichtung der Kamera solle angepasst werden, wenn das Landegebiet in Sicht sei und die wissenschaftliche Arbeit dies gestatte, erklärt Rosetta-Projektwissenschaftler Matt Taylor.

Die Suche nach "Philae" gleicht ohnehin der Suche einer Nadel im Heuhaufen: Auf Bildern, die aus einer Höhe von zwanzig bis dreißig Kilometern aufgenommen werden, wäre "Philae" gerade einmal drei Pixel groß. Bleibt die Hoffnung, dass "Philae" sich auf der Erde zurückmeldet. Wenn die Sonde genügend Energie hat, um aufzuwachen, sei sie darauf programmiert, nach "Rosetta" zu lauschen und ein Lebenszeichen an die Mutter-Sonde zu schicken. Dafür braucht "Philae" nach Angaben des DLR 17 Watt, außerdem darf die Elektronik der Sonde nicht weniger als -40 Grad kalt sein.

Animation: Die Flugbahn von Rosetta:

Sollte sich "Philae" tatsächlich zurückmelden, könnte es sich als Glücksfall erweisen, dass die Sonde an einem anderen Ort gelandet ist, als ursprünglich geplant: Am eigentlichen Landeplatz "Agilkia" hätte "Philae" zwar mehr als sechs Stunden Sonnenlicht pro Tag nutzen können, um die Batterien schneller aufzuladen. Doch die Sonde wäre wegen der großen Sonneneinstrahlung voraussichtlich bereits im März überhitzt.

Warten bis zum Sommer

Meldet sich "Philae" nun von ihrem schattigen Platz auf der Kometenoberfläche zurück, dauert es nach DLR-Schätzungen zwar bis in den Sommer, bis die Sonde genügend Energie gespeichert hat, um über mehrere Stunden hinweg arbeiten zu können. Dafür wäre die Sonde aber womöglich zu einer Zeit einsatzbereit, in der sich der Komet 67P/Tschurjumov-Gerasimenko seiner kleinsten Entfernung zur Sonne, dem Perihel, nähert.

Das Perihel ist für die Forscher besonders interessant, denn je näher der Komet der Sonne kommt, desto wärmer wird es. Was genau geschieht, wenn der Komet sich aufwärmt, das Eis auf und unter der Oberfläche schmilzt und die charakteristische Koma, den Kometenschweif, bildet, das wollen die Forscher mit Hilfe von "Rosetta" beobachten. Gegen eine arbeitstaugliche Forschungsstation auf der Kometenoberfläche hätten sie sicher nichts einzuwenden.

Bereits jetzt diskutiert das "Philae"-Team, welche Messungen die Sonde durchführen soll, sollte sie sich tatsächlich zurückmelden. "Temperaturmessungen oder Fotos verbrauchen wenig Energie, der Einsatz eines Bohrers natürlich deutlich mehr", heißt es beim DLR. Fest steht bereits jetzt: Sollte "Philae" ein Lebenszeichen zur Erde senden, der Jubel wäre wohl ähnlich groß wie im November, als feststand, dass die Sonde tatsächlich auf dem weit entfernten Kometen gelandet ist.

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