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„Orion“-Raumkapsel „Orion“ wassert sicher im Pazifik

Die Raumkapsel "Orion" absolviert ihren ersten Testflug mit einem Tag Verspätung, dafür ohne Probleme. Doch der Weg zum Mars ist noch weit, erst im Jahr 2021 sollen die ersten Astronauten mit "Orion" ins All abheben.

"Orion" ist planmäßig im Pazifik gelandet. Foto: REUTERS

Es ist der "Beginn einer neuen Ära der Raumfahrt", alle Instrumente haben einwandfrei funktioniert, es ist der erste Schritt auf dem langen Weg zum Mars. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa findet jede Menge große Worte für den ersten Testflug der neuen Raumkapsel "Orion". Mit einem Tag Verspätung ist der Testflug gelungen, am Freitagmittag, pünktlich um 13.05 Uhr deutscher Zeit hob "Orion" an Bord einer Delta-IV-Rakete ab. Am Vortag wurde der Countdown mehrere Male wegen technischer Probleme unterbrochen, bevor den Nasa-Mitarbeitern die Zeit davonlief, das Zeitfenster für den Start geschlossen war und der Start auf den nächsten Tag verschoben werden musste.

Im zweiten Anlauf gelang dann ein Bilderbuchstart. Am Weltraumbahnhof Cape Canaveral an der Küste Floridas hob die Rakete ab und startete zu einem viereinhalb Stunden langen Testflug, bei dem die Raumkapsel zwei Mal die Erde umrundete und dabei bis zu 5800 Kilometer aufstieg - das ist etwa fünfzehn Mal höher als die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS. Dabei stieß "Orion" auch in den Van-Allen-Strahlungsgürtel vor. Sensoren an Bord - Astronauten durften beim Testflug nicht dabei sein - sollten messen, wie sich die Strahlung auf eine künftige menschliche Besatzung auswirken würde.

Auch der Hitzeschild wurde einem Härtetest unterzogen: Mit einer Geschwindigkeit von gut 32.000 Kilometern pro Stunde drang die Raumkapsel in die Erdatmosphäre ein. Dabei musste der Hitzeschild eine Temperatur von gut 2000 Grad Celsius aushalten. Anschließend - "Orion" war zu diesem Zeitpunkt nur noch mit einer Geschwindigkeit von etwa 480 km/h unterwegs - wurde die Raumsonde von Fallschirmen abgebremst, um schließlich im Pazifik zu wassern, wo sie von Teams der Nasa und der US-Navy bereits erwartet wurde.

"Heute war ein großartiger Tag für die USA", sagte Flugdirektor Mike Sarafin im Nasa-Kontrollzentrum in Houston. "Obwohl die Mission unbemannt war, waren wir alle an Bord von Orion".

Mit dieser Äußerung dürfte Sarafin nicht so falsch liegen: Die Gedanken vieler Nasa-Mitarbeiter und Raumfahrt-Fans dürften während der Mission in Richtung Mars abgeschweift sein. Dorthin soll "Orion" in ferner Zukunft Astronauten transportieren. Das ist das langfristige Ziel, das sich die US-Weltraumorganisation Nasa selbst gesteckt hat, der "next giant leap", der "nächste große Schritt", wie es die Nasa selbst in Anlehnung an die ersten Worte Neil Armstrongs auf dem Mond nennt. Doch bevor "Orion" tatsächlich Richtung Mars abhebt, müssen noch zahlreiche Tests und die eine oder andere Mission absolviert werden.

Unabhängigkeit von Russland

Für die Nasa und die USA ist "Orion" nicht nur ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Mars, sondern auch ein wichtiger Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit von Russland. Seit der Einstellung des Shuttle-Programms im Jahr 2011 sind die USA beim Transport von Astronauten zur ISS auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen. Das kratzt nicht nur am Nationalstolz, sondern auch am Budget: Derzeit muss die Nasa für einen Platz in einer Sojus-Kapsel rund 70 Millionen Dollar an die Russen zahlen.

Bei reinen Material-Transporten zur ISS hat man zwar mehr Auswahl - neben der russischen Sojus fliegen Raumtransporter zweier privater Unternehmen die ISS an - doch nach dem fehlgeschlagenen Start einer "Antares"-Rakete, bei der die mit Fracht gefüllte Raumkapsel "Cygnus" zerstört wurde, dürfte das Vertrauen in private Anbieter gelitten haben.

Deshalb ist es für die USA umso wichtiger, möglichst bald wieder selbst Astronauten ins All befördern zu können. Es geht dabei nicht nur darum, sich wieder von Russland, dem alten Rivalen im "Space Race" während des Kalten Kriegs, unabhängig zu machen. Sondern auch um Nationalstolz ("Wir werden wieder Astronauten von amerikanischem Boden ins All schicken", betont man bei der Nasa immer wieder) und Arbeitsplätze - mit dem Ende der Space Shuttles sind zahlreiche Arbeitsplätze in den USA weggefallen.

Der "Orion"-Testflug ist nur einer von vielen kleinen Schritten auf dem Weg zum Mars: Es fehlt noch das Europäische Service Modul (ESM), das von Airbus gebaut wird und für das 2017/2018 ein erster Testflug geplant ist. Erst im Jahr 2021 sollen Astronauten mit "Orion" und einer neuen Rakete - dem "Space Launch System" SLS, das beim Testflug noch nicht zum Einsatz kommt - ins All starten. Bevor es dann wirklich irgendwann - angepeilt sind die 2030er Jahre - für die ersten Astronauten Richtung Mars geht, steht "Orion" für "Mitte der 2020er Jahre" noch eine Asteroiden-Mission bevor.

Der Start von "Orion" im Video:

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