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"Northern Light" Per Anhalter zum Mars

"Northern Light" könnte die erste private, durch Crowdfunding finanzierte Mission zum Mars werden. Im Jahr 2018 soll ein kleiner Rover huckepack zum Mars fliegen und dort forschen.

Die Bodenstation der "Northern Light"-Mission: Das Algonquin-Radioteleskop (ARO). Foto: privat

Wenn es um die Erforschung von Planeten geht, ist der Mars äußerst populär: Mehrere unbemannte Raumfahrzeuge sind bereits dort gelandet, derzeit sind insgesamt sieben Missionen auf und um den Mars aktiv. Bisher handelt es sich um Mars-Missionen staatlicher Raumfahrtorganisationen – doch bald könnte eine erste privat finanzierte Mission dazukommen. Das Projekt „Northern Light“, initiiert von dem kanadischen Raumfahrtunternehmen Toth Technology und der York University in Toronto, will im Jahr 2018 eine eigene Mission zum Mars schicken.

„Der Mars ist neben der Erde der einzige bewohnbare Planet in unserem Sonnensystem“, erklärt der wissenschaftliche Leiter der Mission, Ben Quine, das Interesse an dem Planeten. Quine ist technischer Direktor bei Toth Technology und Professor für Raumfahrttechnik und Planetenphysik an der York University, die sich an dem ehrgeizigen Projekt beteiligt und später auch die Daten der Mission auswerten soll.

Neben den ambitionierten Plänen – die Mission „Northern Light“ soll nicht nur zum Mars fliegen, sondern auch einen Rover auf dessen Oberfläche absetzen – gibt es bereits einen Prototypen. „Beaver“, der Rover-Pototyp, bewegt sich wie seine wesentlich größeren Vorbilder, die Mars-Rover „Curiosity“ und „Opportunity“ auf Rädern. Ausgestattet ist er unter anderem mit Solarkollektoren, einer Kamera und Infrarot-Sensoren. Nach der Landung auf dem roten Planeten soll der nur sechs Kilogramm schwere Rover seine Umgebung erkunden. Dazu kann er bis zu einen Kilometer zurücklegen, seine Lebensdauer schätzen die Entwickler auf 90 Tage. Anders als die Rover der Nasa, die von der Erde aus gesteuert werden, soll „Beaver“ halbwegs unabhängig agieren können. „Der Rover wird von autonomen Algorithmen gesteuert“, erklärt Quine das Vorhaben. „Er bekommt die Aufgabe, herumzufahren und seine Umgebung zu untersuchen. Die Algorithmen sagen ihm, wann er ein Manöver durchführen sollte, um nicht in ein Loch zu fallen oder an einen Stein zu stoßen.“

Seit 2002 ist das Projekt „Northern Light“ bereits in Arbeit. Nun wendet sich das Projekt-Team an Raumfahrtbegeisterte in aller Welt und bittet auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo um Spenden. 1,1 Millionen kanadische Dollar (etwa 780 000 Euro) will man mindestens einsammeln. Kommt mehr Geld zusammen, soll die Ausstattung des Landers „Northern Light“ und des Rovers „Beaver“ erweitert werden. Wer spendet, darf mitbestimmen, welche Landestelle letztendlich ausgewählt wird, wer das Projekt mit einer Million kanadischer Dollar unterstützt, darf dem Rover einen Namen geben.

Man habe sich für Crowdfunding entschieden, weil so die Öffentlichkeit miteinbezogen werde, erklärt die Geschäftsführerin von Toth Technology, Caroline Roberts. „Für eine Raumfahrtorganisation ist es eine große Leistung, auf einem anderen Planeten zu landen. Wenn das ein kleines Unternehmen mit der Unterstützung der Öffentlichkeit schafft, wird das die Einstellung gegenüber der Erforschung des Weltraums verändern.“ Nicht umsonst sei das Motto des Unternehmens „Weltraum für alle“.

Es ist nicht das erste Mal, dass per Crowdfunding Geld für die Raumfahrt gesammelt wird. Zuletzt sorgte das „ISEE-3 Reboot Project“ für Aufsehen, das knapp 160 000 US-Dollar (etwa 128 000 Euro) sammelte, um eine alte Nasa-Raumsonde wiederzubeleben. Auch eine Sammelaktion für eine Mars-Mission gab es bereits: Mars One, die Firma, die im Jahr 2025 eine erste menschliche Siedlung auf dem Mars errichten will, sammelte Anfang des Jahres mehr als 300 000 US-Dollar (etwa 240 000 Euro) ein, um ebenfalls im Jahr 2018 einen ersten Start zum Mars zu wagen.

Doch warum ist ausgerechnet der Mars das Ziel der Mission „Northern Light“? Der Planet, der bereits von unzähligen Missionen erforscht wurde und wird reizt die Forscher immer noch. Der Gedanke, dass es dort Leben gegeben haben könnte und in Zukunft Menschen den Planeten besuchen, spornt die Forscher an. „Wir wollen die Oberfläche, den Bereich darunter und die Atmosphäre erforschen“, erklärt Roberts. Dabei wolle man andere Instrumente verwenden als bisher auf dem Mars zum Einsatz kamen. Mit Hilfe der Instrumente soll herausgefunden werden, ob es unter Steinen auf dem Mars photosynthetisch aktive Mikroorganismen gibt, wie es beispielsweise in der Arktis der Fall ist. „Unsere Ladung wird zugeschnitten auf zwei Ziele: Leben finden und herausfinden, ob es Wasser gibt“, erläutert Roberts.

Für die Landung auf dem roten Planeten setzt „Northern Light“ auf eine bewährte Methode: Fallschirme und Airbags sollen das Landegerät heil auf den Boden des Mars bringen. Man habe die Ausrüstung jedoch so angepasst, dass sie den Aufprall dämpfe und es so gut wie kein Abprallen geben werde. „Wir glauben, dass man mit jedem Aufprall riskiert, die Instrumente zu beschädigen“, heißt es bei Toth Technology. Erst neulich, bei der Landung der Forschungssonde „Philae“ auf dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerasimenko“ habe man gesehen, dass es durch unkontrolliertes Abprallen passieren könne, dass das Landegerät in einer Gegend mit wenig Sonnenlicht lande. Da der Rover „Beaver“ mit Sonnenenergie betrieben wird, will man das unbedingt verhindern.

Selbst die kanadische Weltraumorganisation CSA hat bereits Interesse an der Mission gezeigt, erzählt Roberts. Doch in das Projekt involviert sei sie momentan nicht. Nach Roberts‘ Ansicht neigen Missionen mit Regierungsbeteiligung dazu, „sehr teuer und arbeitsintensiv zu werden“, außerdem scheuten sie das Risiko. „Northern Light“ dagegen wolle die Kosten dramatisch reduzieren, auch um künftig eine großangelegte Erforschung des Mars möglich zu machen.

Um „Northern Light“ und den Rover „Beaver“ zum roten Planeten zu bringen, ist die Mission trotz aller Vorbehalte gegenüber der staatlichen Raumfahrt auf eine „Mitfahrgelegenheit“ angewiesen: „Northern Light“ soll Huckepack auf einer Rakete mitfliegen, die im Jahr 2018 startet. Die indischen Möglichkeiten, zum Mars zu fliegen, seien besonders interessant, sagt Caroline Roberts. Denn das Land hätte erst vor einigen Monaten bewiesen, dass es für wenig Geld – die Mission hat nur 57 Millionen Euro gekostet – eine Raumsonde in die Umlaufbahn des Mars bringen kann. Und günstig, das soll die Mission „Northern Light“ schließlich auch sein.

„Unsere nächste Möglichkeit zum Mars zu fliegen ist im April 2018 “, erläutert Roberts. Derzeit verhandele man mit mehreren Partnern über die Möglichkeit, per „Anhalter“ mitzureisen. Ob das Geld für die Mission zusammenkommt, wird sich Anfang Januar zeigen: Dann läuft die Crowdfunding-Kampagne aus.

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