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Namen für Himmelskörper Ein Kleinplanet für Martina Gedeck

Der Astronom Felix Hormuth hat bisher einige hundert Kleinplaneten entdeckt und nun einen nach der Schauspielerin Martina Gedeck benannt. Doch die Benennung von Himmelskörpern ist nicht so einfach, wie manche Firmen im Internet glauben machen wollen. Kaufen kann man die Namen nämlich nicht.

Wäre es nicht schön, wenn ein Stern am Nachthimmel den eigenen Namen tragen würde? Das bleibt ein romantischer Traum: Nur die wenigsten Sterne haben Namen, kaufen kann man sie nicht. Foto: rtr

Ein Himmelskörper, der den eigenen Namen trägt, ist für manche Menschen ein romantischer Traum, für andere wird er Realität: Die Schauspielerin Martina Gedeck beispielsweise darf sich über einen Kleinplaneten freuen, der nach ihr benannt wurde. Er hat einen Durchmesser von etwa zwei Kilometern, ist 450 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und wurde im Jahr 2009 von Felix Hormuth entdeckt. Der Astronom vom Heidelberger Max-Planck-Institut durfte einen Namen für den von ihm entdeckten Himmelskörpers vorschlagen und hat sich für den der Schauspielerin entschieden.

Gedeck kenne er vor allem aus dem Film "Das Leben der Anderen", ein besonderer Fan sei er aber nicht, so Hormuth, der nach eigenen Angaben "einige hundert" Kleinplaneten entdeckt hat. "Wenn Astronomen Kleinplaneten benennen dürfen, dann nehmen sie oft die Namen von anderen Astronomen, Bergen oder Städten - das ist eigentlich ziemlich langweilig", erklärte Astronom Felix Hormuth der Nachrichtenagentur dpa. "Ich wollte lieber, dass sich eine Person darüber freut, die auch bekannt ist." Und so steht der Name "(241475) Martinagedeck" nun auch auf der Website der US-Raumfahrtorganisation Nasa.

Dass Kleinplaneten den Namen von Personen erhalten, ist nicht unüblich. Neben dem Kleinplaneten "Martina Gedeck" hat Hormuth einen zweiten Kleinplaneten nach einer Person benannt: Der Himmelskörper "(246759) Elviracheca", den Hormuth nur einige Tage später entdeckt hat, trägt jetzt den Namen von Elvira Checa Peña, einer ehemaligen Köchin am Calar-Alto-Observatorium im Süden Spaniens. An der deutsch-spanischen Sternwarte hatte Hormuth die beiden Himmelskörper entdeckt. Auch Peñas Kollegen, José Luis Corral Berruezo ((124143) Joséluiscorral) und Angel Barbero Peregrina ((213269) Angelbarbero) können als Kleinplaneten am Himmel gefunden werden - wenigstens dem Namen nach. "Durch ihre ausgezeichnete Arbeit haben diese drei ganz beträchtlich zum Beobachtungserfolg auf dem Calar Alto beigetragen", erklärt Hormuth augenzwinkernd.

Wie man einen Himmelskörper benennt

Doch die Benennung von Himmelskörpern ist komplizierter, als es scheint: Ausschließlich die Internationale Astronomische Union (IAU), die ihren Sitz in Paris hat, ist hierfür zuständig. Die Richtlinien für die Namensgebung sind streng, alle Vorschläge werden von einem Komitee geprüft. Bei Kleinplaneten hat der Entdecker zehn Jahre Zeit, einen Namensvorschlag einzureichen. Der darf nicht länger als 16 Zeichen sein, sollte idealerweise aus einem Wort bestehen, nicht beleidigend sein und nicht dem Namen eines bereits benannten Himmelskörpers ähneln.

Die IAU rät weiterhin davon ab, einen Himmelskörper nach einem Haustier zu benennen, kommerzielle Namen sind nicht gestattet. Soll ein Himmelskörper den Namen einer Person oder eines Ereignisses aus dem politischen oder militärischen Bereich erhalten, müssen seit dem Ereignis oder dem Tod der Person mindestens 100 Jahre vergangen sein. Namen, die von der IAU akzeptiert wurden und die damit offiziell sind, werden monatlich in den "Minor Planet Circulars" veröffentlicht.

Wer einen Kleinplaneten benennen will, sollte am besten selbst einen entdecken, empfiehlt die IAU. Denn es ist nicht möglich, mit Geld nachzuhelfen. Das gilt nicht nur für Kleinplaneten, sondern für alle Himmelskörper, auch für Sterne - auch wenn immer wieder Firmen auftauchen, die "Namensurkunden" für Sterne im Internet verkaufen wollen. "Diese Namen haben keine formelle oder offizielle Gültigkeit", heißt es bei der IAU. Einige helle Sterne, beispielsweise die Sterne des Sternbilds "Orion" haben alte Namen, die aus dem Arabischen stammen. Die meisten Sterne, Sternhaufen und Galaxien haben lediglich eine Katalognummer.

Möglichkeit zur Mithilfe

Gelegentlich gibt es jedoch die Möglichkeit, an der Benennung von Himmelskörpern mitzuwirken. Im Rahmen der "New Horizons"-Mission zum Zwergplaneten Pluto gab es im Frühjahr einen Aufruf an die Öffentlichkeit, bei der Benennung von Oberflächenmerkmalen des Zwergplaneten und seiner Monde zu helfen. Dabei ist es üblich, dass von der IAU Themen vorgegeben werden, in deren Rahmen sich die Namen bewegen müssen.

Bei Pluto (benannt nach dem römischen Gott der Unterwelt) und seinem Mond Charon (nach dem Fährmann, der in der griechischen Mythologie die Verstorbenen ins Reich des Totengottes befördert) orientierten sich die Vorgaben der IAU an den Namen der Himmelskörper: Oberflächenmerkmale auf Pluto sollten daher nach Gottheiten, Dämonen oder Bewohnern der Unterwelt heißen, alternativ auch nach Raumfahrt-Missionen, Raumsonden und Wissenschaftlern, die sich mit Pluto und dem Sonnensystem beschäftigt haben. Für Charon wurden unter anderem fiktive Entdecker und Reisende, fiktive Orte und Reiseziele und fiktive Schiffe und Raumschiffe vorgegeben.

Und die Fantasie der Teilnehmer kannte keine Grenzen. Auf einer ersten Oberflächenkarte des Pluto, die die Nasa nun veröffentlichte (Download in voller Größe, PDF), gibt es beispielsweise eine "Balrog Macula" (inspiriert von der Kreatur Balrog aus J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe"). Aber auch zahlreiche Raumfahrtmissionen sind dort verewigt: "Sputnik Planum", nach dem ersten künstlichen Satelliten im All, ist dort zu finden, neben den Sonden "Pioneer", "Voyager" und "Hayabusa". Die Erstbesteiger des Mount Everest, Edmund Hillary ("Hillary Montes") und Tenzing Norgay ("Norgay Montes") wurden ebenfalls auf der Oberfläche des Pluto verewigt.

Auf der Oberfläche des Pluto-Mondes Charon (Download in voller Größe, PDF) gibt es ein großes dunkles Gebiet, das den Namen "Mordor Macula" erhalten hat - benannt nach dem dunklen Land Mordor in J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe". Außerdem gibt es auf Charon einen großen Star-Trek-Bereich: Im "Vulcan Planum" findet man einen "Spock-Krater" und einen "Kirk-Krater". Ein weiterer Krater ist nach Darth Vader aus "Star Wars" benannt. Endgültig sind die Namen jedoch noch nicht - die IAU muss sie noch offiziell absegnen.

Asteroid "David Bowie"

Abgesegnet wurden bereits die Namen für zwanzig Kleinplaneten, die der Astronom Felix Hormuth entdeckt hat. Darunter sind Namen wie "(189202) Calar Alto", aber auch bekannte Personen wie David Bowie ((342843) Davidbowie) und Dietmar Hopp ((210432) Dietmarhopp) wurden genehmigt. Auch nach Arthur Dent ((18610) Arthurdent), einer Figur aus Douglas Adams' Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" hat Hormuth einen Kleinplaneten benannt. Einen Himmelskörper mit dem Namen des Astronomen selbst gibt es auch: (10660) Felixhormuth. Benannt wurde er von Kollegen Hormuths, denn "einen Kleinplaneten nach sich selbst zu benennen ist nicht erlaubt", wie Hormuth erklärt. "Ein solcher Vorschlag würde von dem für die Prüfung zuständigen Komitee sofort abgelehnt werden."

Noch nicht angenommen wurde ein weiterer Vorschlag Hormuths: "Zeitgleich mit David Bowie wollte ich eigentlich Iggy Pop verewigen", erzählt er. "Das hat aber anscheinend nicht den Musikgeschmack des entscheidenden Gremiums getroffen, der Name wurde bisher weder angenommen noch abgelehnt", so Hormuth weiter. Offizielle Regeln sprechen nicht gegen den Namensvorschlag, deshalb dürfte es auch bald einen Kleinplaneten mit dem Namen "Iggy Pop" geben.

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