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Mondsonde Chang’e-4 Pioniere auf der dunklen Seite

Der Volksrepublik China gelingt es als erster Weltraumnation, eine Sonde weich auf der Rückseite des Mondes landen zu lassen. Ein Beweis für Chinas technologische Sprünge der vergangenen Jahre.

Chang'e 4: Sonde landet auf Rückseite des Mondes
Der Rover der Mondsonde in einer Computerdarstellung der chinesischen Wissenschaftsverwaltung. Foto: dpa

Um 10.26 Uhr vormittags chinesischer Zeit ist es soweit. Auf einer virtuellen Simulation ist am Donnerstagmorgen im chinesischen Staatsfernsehen zu sehen, wie die Mondsonde Chang’e-4 landet. Rund eine Stunde später zeigt der Sender die ersten Bilder von der Mondoberfläche. Zu sehen ist ein kleiner Krater und ein schroffer Sandboden.

Mondlandungen hat es schon eine Reihe gegeben. China ist aber die erste Nation, die mit einer Sonde auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes gelandet ist. „Alles lief wie geplant“, sagt Sun Zehzhou, Chefentwickler der chinesischen Weltraumbehörde CNSA im Staatsfernsehen. Die Landung sei stabil verlaufen, die Funkverbindung habe geklappt, die ersten Ergebnisse seien präzise. „Wir sind am Ziel.“

Landeplatz war der Aitken-Krater, in der Nähe des Südpols vom Mond. Der Krater ist 1970 nach dem amerikanischen Astronomen Robert Grant Aitken benannt worden. Diesen Ort hat die Sonde offenbar genau getroffen. Ein Roboterfahrzeug, das mit Panoramakamera und zahlreichen Messgeräten ausgestattet ist, wird in den nächsten Wochen den Boden untersuchen und die Ergebnisse per Funk zur Erde schicken. Chang’e-4 soll damit „wichtige Erkenntnisse zum Ursprung der Sterne und der Evolution von Nebeln liefern“, wird der Sprecher der Mission, Yu Guobin, von Chinas amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert.

Die Messgeräte sind aus speziellen Materialien entwickelt. Denn sie müssen unter sehr harten Bedingungen funktionieren. Eine Mondnacht entspricht 14 Tagen auf der Erde. In dieser Zeit sinken die Temperaturen auf bis zu minus 200 Grad Celsius. Am Mondtag, der ebenfalls 14 Tage dauert, wird es bis zu 127 Grad heiß. Die Instrumente wie auch die Sonde selbst müssen diesen extremen Schwankungen standhalten. Die Sonde ist nach Chang’e benannt, der chinesischen Göttin des Mondes.

Eine Trägerrakete des Typs Langer Marsch war am 8. Dezember vom Weltraumbahnhof Xichang im Südwesten Chinas mit der „Chang’e 4“ an Bord in Richtung des Erdtrabanten gestartet. Was eine Landung auf der „dunklen Seite des Mondes“ so besonders macht: Sie ist von der Erde aus nicht zu sehen und weitgehend unerforscht. Eine Landung galt technisch bislang als äußerst schwierig. Die chinesischen Raumfahrtingenieure mussten zunächst für den nötigen Kommunikationsweg sorgen. China hat zu diesem Zweck im vergangenen Mai den Übertragungssatelliten Queqiao in die Umlaufbahn des Mondes gebracht.

Noch ein Faktor macht die Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes schwierig. Als 1969 Neil Armstrong mit der Apollo 11 als erster Mensch auf dem Mond landete, klappte die Operation nicht wie geplant. Die Kapsel verfehlte das eigentlich anvisierte Ziel, sodass Armstrong per Handsteuerung auf eine der zahlreich vorhandenen ebenen Stelle ausweichen musste.

Die sind auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes jedoch kaum vorhanden. Denn auf der Oberfläche dort sind mehr Meteoriten eingeschlagen als auf der Seite, die der Erde zugewandt ist. Es gibt jede Menge Krater, die Oberfläche ist bergig und sehr viel schroffer als die Vorderseite. „Der gesamte Prozess ist ziemlich kompliziert, und es wird viele Risiken geben“, wurde Yu Guobin, ein Sprecher des Raumfahrtprogramms, noch kurz vor der Landung der Sonde im Staatsfernsehen zitiert. Experten preisen die gelungene Landung nun denn auch als technische Meisterleistung der Chinesen.

China hat sich und der Welt ein weiteres Mal bewiesen, was es innerhalb kurzer Zeit imstande ist zu leisten. Auf zahlreichen Technik-Feldern hat es das Land dank massiver staatlicher Hilfe bereits an die Weltspitze geschafft: Bei Hochgeschwindigkeitszügen etwa, beim Bau von Superrechnern, in der Pharmazie und bei der Entwicklung der Elektromobilität – China spielt in diesen Bereichen in der Weltliga mit und hat zum Teil die einstigen Vorbilder aus dem Westen sogar übertroffen. Auch im All verfolgt China ehrgeizige Ziele. Dabei konnte die Raumfahrttechnik der Volksrepublik vor wenigen Jahren noch nicht einmal mit dem der EU mithalten. Jahrzehnte nach den USA und Russland war China mit „Chang’e 3“ erst 2013 erstmals die Landung einer Sonde auf dem Mond gelungen. Nach einer Pause von 37 Jahren gab es auf der Oberfläche des Mondes wieder eine weiche Landung.

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