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Mond Moon Village - ein Ort ohne Zäune und Mauern

Bei der Realisierung eines Monddorfs sollen Menschen aller Nationen zusammenarbeiten. Der Mars ist als Ziel der bemannten Raumfahrt an zweite Stelle gerückt.

Mond
Noch ist dieses Bild eine Simulation – doch die Planungen für die feste Station auf dem Mond laufen bereits. Foto: esa

Wann und wo werden Menschen wieder den Fuß auf einen fremden Himmelskörper setzen? Diese Frage bewegt Raumfahrtfans seit dem Tag, als die Astronauten der letzten Apollo-Mission am 14. Dezember 1972 den Mond verließen. Bisher ist niemand zurückgekehrt zum Erdtrabanten und auch kein Neuland im All betreten worden. Zu Zeiten der Mondmissionen war man noch davon ausgegangen, dass bereits Mitte der 1980er Jahre der erste bemannte Raumflug zum Mars starten würde. Es hat bekanntermaßen nicht geklappt – und das nicht in erster Linie deshalb, weil Regierungen nicht genug Geld zur Verfügung gestellt hätten, sondern weil sich die technischen Herausforderungen und die gesundheitlichen Risiken einer solchen Reise als weitaus größer erwiesen als gedacht. Aus heutiger Sicht erscheinen die Vorstellungen von einst reichlich blauäugig.

Welches außerirdische Ziel als nächstes angepeilt werden soll, dazu gab es in den vergangenen Jahren widersprüchliche und oft unkonkrete Aussagen. Inzwischen herrsche Einigkeit, dass nicht der Mars die nächste Station sein soll, sondern man erst einmal erneut auf dem Mond landen wolle, erklärte Jan Wörner, Generaldirektor der europäischen Weltraumorganisation Esa, bei einem öffentlichen „Space Talk“ – einer neuen Veranstaltungsreihe zum Thema Raumfahrt – am vergangenen Samstag im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens.

Mittlerweile teilten alle maßgeblichen Weltraumbehörden diese Ansicht, sagt Wörner: Europäer, Russen, Chinesen, Japaner und sogar die US-Amerikaner. Deren berühmte Raumfahrtagentur Nasa hatte lange am der „Journey to Mars“, der Reise zum Mars, als nächstes Ziel festgehalten. „Doch auch dort hat man die Meinung geändert“, sagt der Esa-Generaldirektor. Die ehrgeizigsten Zeitpläne zum Mars verfolgten zuletzt indes nicht die staatlichen Weltraumbehörden, sondern Jeff Bezos mit seinem privaten Raumfahrtunternehmen „Blue Origin“ und „SpaceX“-Chef Elon Musk. Demnach sollte es bereits in wenigen Jahren soweit sein. Beide hätten sich inzwischen ebenfalls von ihren bisherigen, nicht zu realisierenden Ankündigungen verabschiedet, ist sich Wörner sicher – auch wenn das öffentlich noch nicht kommuniziert wurde.

Man wolle jedoch nicht „zurück zum Mond“, wie es oft formuliert werde, sondern „vorwärts zum Mond“, sagt der Esa-Chef. Der Erdtrabant ist noch längst nicht umfänglich erkundet, so landete zum Beispiel keine der Apollo-Missionen der US-Weltraumbehörde Nasa auf der Rückseite – der dunklen, geheimnisvollen – Seite des Mondes. „Wir müssen erst wieder zum Mond, um zu lernen und bessere Technologien zu entwickeln. Erst danach können wir zum Mars“, erklärt Wörner. Die künftige Forschungsarbeit auf dem Mond werde nur wenig mit den früheren Missionen gemein haben. Geplant sei ein „Moon Village“, ein permanentes Monddorf, wo Roboter und auch Menschen tätig werden könnten. Die Idee sei ein Ort, wo es „keine Zäune und keine Mauern“, gebe, bei dem „Menschen von überall auf der Welt“ zusammen wirken. Auch könnte der Mond als „Zwischenstation“ für spätere Reisen zum Mars genutzt werden.

Wörner geht davon aus, dass das Moon Village Ende 2019, Anfang 2020 etabliert wird und sich im Laufe der 2020er Jahre dann erstmals nach langer Zeit wieder Menschen auf der Mondoberfläche bewegen. Neben dem festen Dorf auf dem Mond ist auch eine Station im Orbit vorgesehen, die sich um den Mond bewegen soll. Dieses „Lunar-Orbital Platform Gateway“ soll in einer Kooperation aller großen Raumfahrtorganisationen verwirklicht werden.

Bevor sich Menschen wieder über die Grenze der 400 Kilometer entfernten Internationalen Raumstation (ISS) hinaus auf den Weg ins All machen, wollen Nasa und Esa eine Puppe die Reise antreten lassen, sagte Wörner gegenüber der Frankfurter Rundschau. Es geht bei diesem Flug darum, die Strahlenbelastung an Bord zu ermitteln. Denn diese ist eines der ganz großen Probleme der künftigen bemannten Raumfahrt. Jenseits des Magnetfeldes der Erde sind Menschen Sonnenwinden und kosmischer Strahlung ausgesetzt. Bereits bei einer Reise zum Mond bekämen die Raumfahrer eine gehörige Dosis ab, etwa beim Durchqueren des Van-Allen-Gürtels, des Strahlengürtels der Erde.

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