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Meteorit Meteor Rund 1000 Verletzte bei Meteoriteneinschlag

Ein greller Lichtblitz, ein lauter Knall und eine Druckwelle stören die morgendliche Ruhe im russischen Tscheljabinsk. Ein Meteorit schlägt in der Stadt am Ural ein und verletzt rund tausend Menschen - ein bisher nie dagewesenes Ereignis.

Ein Meteorit zieht seine Spur über Tscheljabinsk. Foto: REUTERS

Eine Rauchspur am Himmel, ein helles Objekt, ein greller Lichtblitz, ein lauter Knall – und vorbei war die morgendliche Ruhe. Um etwa 9:23 Uhr Ortszeit sorgte im russischen Tscheljabinsk, am Ural etwa 200 Kilometer südlich von Jekaterinburg gelegen, ein Meteorit für Aufregung. Videos, die Augenzeugen auf YouTube veröffentlichten, zeigen einen Meteoriten, der in die Erdatmosphäre eindringt und dort verglüht.

Zu sehen ist ein Objekt, das wie aus dem Nichts auftaucht, größer wird und plötzlich hell aufleuchtet. In anderen Videos ist eine Rauchspur am Himmel zu sehen und ein lauter Knall zu hören, gefolgt vom Geräusch splitternder Fensterscheiben und aufheulenden Pkw-Alarmanlagen.

Die Behörden melden rund tausend Verletzte, darunter etliche Kinder. Die meisten Verletzungen seien leichte Schnitte und Prellungen, die von den zerborstenen Scheiben kommen könnten. Insgesamt seien sechs Städte betroffen, heißt es. Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete rasche Hilfe für die Verletzten an. Besonders die Schäden an den Gebäuden sind ein Problem, da es in Russland derzeit eiskalt ist. Die Druckwelle soll zahlreiche Dächer zerstört haben, unzählige Fensterscheiben gingen zu Bruch. Der genaue Schaden muss allerdings erst noch ermittelt werden.

Kein Zusammenhang mit Asteroid 2012 DA 14

Der amerikanische Astronom Phil Plait erklärte auf Twitter recht früh, dass er keinen Zusammenhang mit dem Asteroiden 2012 DA 14 sehe, der am gleichen Tag der Erde rekordverdächtig nahe kommen sollte. Nach anfänglicher Skepsis war er sich schnell sicher: die Video-Aufnahmen sind nicht gefälscht, sie zeigen tatsächlich einen Meteoriten, der in die Erdatmosphäre eingedrungen und dort verglüht ist. „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Meteor mehrere Kilometer über der Erde auseinandergebrochen ist und die Bruchstücke heruntergefallen sind“, erklärt der Astronom in seinem Blog.

Der Meteorit, der über Russland zu sehen war, soll nach Angaben des regionalen Gouverneurs Michail Jurewitsch in einen See gestürzt sein, der etwa einen Kilometer von der Stadt Tscheljabinsk entfernt liegt. Valeri Schuwalow von der Russischen Wissenschaftsakademie schätzt, dass der Meteorit höchstwahrscheinlich einen Durchmesser von einem Meter und ein Gewicht von einigen Tonnen hatte, berichtet RIA Novosti.

Ein Meteorit ist ein fester Körper, der die Erdatmosphäre durchquert hat und den Erdboden erreicht. Es gibt jedes Jahr Einschläge von Meteoriten auf der Erde. Sie werden im Meteoritical Bulletin veröffentlicht. Die Daten lassen auf etwa fünf Fälle pro Jahr schließen – tatsächlich gibt es viel mehr, weil die meisten Meteoriten über unbesiedeltem Gebiet niedergehen und nie gefunden werden. Einen Meteoriten-Einschlag mit derart vielen Verletzten wie in Russland hat es nach Einschätzung der Esa noch nicht gegeben.

Ein derart kleiner Meteorit sei „mit den heutigen Mitteln vorher praktisch nicht zu entdecken“, erklärt Rainer Kresken, Raumfahrtingenieur bei der europäischen Weltraumagentur Esa. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit könnten auch kleine Objekte großen Schaden anrichten. Ähnliches teilt auch die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit: Objekte dieser Art seien heutzutage nicht rechtzeitig aufzuspüren, der Meteorit, der mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 Kilometern pro Sekunde unterwegs war, sei weder von Roskosmos noch von ausländischen Stellen entdeckt worden.

Himmelserscheinungen sorgen öfter für Aufsehen

Verglühende Meteoriten oder Weltraumschrott sorgen immer wieder für Aufsehen. Erst einige Tage vor dem russischen Meteoriten wurde in Teilen Deutschlands eine andere Himmelserscheinung gesichtet: ein leuchtendes Objekt war am Abendhimmel zu sehen, die Sichtung wurde via Twitter rasend schnell verbreitet. Wie sich bald herausstellte, handelte es sich dabei um die Endstufe einer russischen Sojus, die in der Atmosphäre verglühte. Im April 2012 versetzt ein in vielen Farben leuchtender Feuerball die Menschen im Westen der USA in helle Aufregung.

Im Dezember 2011 hatte ein mysteriöser Lichtschweif über Frankfurt für Aufsehen gesorgt – weil er ausgerechnet an Heiligabend zu sehen war. Zahlreiche Passanten, die sich auf dem Römerberg das Stadtgeläut anhören wollten, zückten stattdessen die Handykameras, um das einmalige Ereignis festzuhalten. Einige Tage später folgte die banale Auflösung: es handelte sich nicht um den Stern von Bethlehem, sondern ebenfalls um die letzte Triebwerksstufe einer russischen Sojus-Rakete, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühte. (mit dpa)

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