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ISS Progress "Progress" trudelt Richtung Erde

Der außer Kontrolle geratene Raumfrachter "Progress" trudelt der Erde entgegen. Zwischen dem 5. und 7. Mai wird er wohl in der Erdatmosphäre verglühen. Früher oder später wäre das sowieso das Schicksal des Transporters gewesen.

Sah ganz normal aus: der Star der Sojus-Trägerrakete, mit der der "Progress"-Transporter ins All gebracht wurde. Foto: dpa

Etwas ist gewaltig schief gelaufen beim Start des "Progress"-Versorgungstransporters, der die Internationale Raumstation ISS unter anderem mit neuem Treibstoff und Lebensmitteln versorgen sollte. Noch ist nicht klar, was genau geschehen ist, doch Experten der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos untersuchen, ob eine misslungene Trennung von der Sojus-Trägerrakete der Auslöser dafür ist, dass "Progress" außer Kontrolle geraten ist.

Eineinhalb Sekunden vor der geplanten Trennung von der Rakete sei der Kontakt zu dem Transporter abgebrochen, teilt Roskosmos mit. Später habe man sporadisch Telemetrie empfangen und so herausgefunden, dass sich "Progress" von der Rakete gelöst habe.

Das Joint Space Operations Center (JSpOC) des US-Militärs teilt mit, dass man "Progress" beobachte und 44 Trümmerteile entdeckt habe, die sich in der Nähe des Transporters befinden. Ob sie von der Rakete oder dem Raumfrachter stammen, ist bisher unklar.

Der "Progress"-Frachter trudelt derweil weiter durchs All - in fünf Sekunden dreht er sich einmal um sich selbst, wie das JSpOC beobachtet hat. Zwischen dem 5. und 7. Mai wird "Progress" von der Schwerkraft der Erde aus seiner Umlaufbahn gezogen und in Richtung Erde stürzen. Roskosmos geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Transporter in der Erdatmosphäre verglühen wird. Man werde die Situation beobachten, ein paar Stunden vor dem Absturz könne man die genaue Uhrzeit und den Absturzort vorhersagen, heißt es.

Außerdem versuche man weiterhin, die Kontrolle über "Progress" zu erlangen, um einen kontrollierten Absturz vornehmen zu können. Das wäre früher oder später sowieso das Schicksal von "Progress" gewesen: Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die Kapsel etwa sechs Monate an der ISS angedockt bleibt und dann - beladen mit Müll von der Raumstation - in der Atmosphäre der Erde verglüht.

Nun wird das einige Monate früher und vermutlich unkontrolliert geschehen - und der ISS fehlt wertvoller Nachschub. Zwar sind die Astronauten an Bord nicht in Gefahr, wie die US-Raumfahrtorganisation Nasa betont, und auch die Vorräte reichen immer weit über den nächsten Versorgungsflug hinaus, trotzdem bringt das Problem mit "Progress" die Planungen durcheinander. Ob die derzeitigen Ereignisse Auswirkungen - etwa ein Vorziehen der nächsten unbemannten Transportmission oder ein Verschieben der nächsten bemannten Mission - haben, ist noch nicht bekannt.

Doch es ist durchaus möglich, dass die Astronauten, die am 26. Mai an Bord einer "Sojus"-Kapsel zur ISS aufbrechen sollten, etwas länger auf ihre Reise ins All warten müssen. Schließlich ist die russische "Sojus" nach dem Ende des amerikanischen Space-Shuttle-Programms das einzige Transportmittel, das Astronauten zur ISS und zurück befördern kann. Und bevor man weiß, welche Ursache das "Progress"-Problem hat, wird man zögern, Astronauten der zusätzlichen Gefahr auszusetzen. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Start der Sojus mit der neuen ISS-Crew aufgeschoben wird", zitiert die russische Nachrichtenagentur Tass eine Quelle. Eine Entscheidung ist aber wohl noch nicht getroffen worden.

 

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