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ISS Progress "Progress"-Absturz rückt näher

Der außer Kontrolle geratene russische Raumfrachter "Progress" könnte noch in den nächsten Tagen abstürzen. Ein Großteil der Raumkapsel wird dabei in der Erdatmosphäre verglühen. Teile, die nicht verglühen, sollen trotzdem keine Gefahr für Menschen darstellen.

Ein "Progress"-Versorgungstransporter auf dem Weg zur ISS. (Archivbild) Foto: REUTERS

Eigentlich sollte der russische Raumfrachter "Progress" bereits seit einigen Tagen an der Internationalen Raumstation ISS angedockt sein, doch derzeit befindet sich die Raumkapsel auf dem unkontrollierten Weg zurück zur Erde. Dabei wird ein Großteil der "Progress" aller Voraussicht nach in der Erdatmosphäre verglühen - ein Ende, das den Raumfrachter sonst erst in etwa sechs Monaten ereilt hätte.

"Bei einem unkontrollierten Wiedereintritt könnte die Raumkapsel im Prinzip überall abstürzen", erklärt Dr. Holger Krag vom Space Debris Office der europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Bei einer Masse von etwa sieben Tonnen gehe man allerdings davon aus, dass ein Großteil des Frachters in der Erdatmosphäre verglühe. "Wir können jedoch nicht ausschließen, dass bestimmte Teile der Struktur die Erdoberfläche erreichen", so Krag weiter. Es sei jedoch sehr wahrscheinlich, dass der Wiedereintritt über Wasser, in der Wüste oder in unbewohnten Gegenden geschehe.

Mit Hilfe der Daten, die das ESA-Büro für Weltraumschrott erhält, berechnet die europäische Raumfahrtorganisation die Flugbahn der "Progress" und den möglichen Zeitpunkt des Wiedereintritts. Derzeit geht man nach Angaben von Krag davon aus, dass "Progress" um den 9. Mai herum abstürzt, mit einer Unsicherheit von etwa plus/minus zwei Tagen. Andere Berechnungen zufolge soll "Progress" am 9. Mai abends etwa 1600 Kilometer östlich von Kuba über dem Atlantik abstürzen. Da sich "Progress" aber schnell um die eigene Achse dreht, kann sich der Kurs noch ändern.

"Am Tag vor dem Wiedereintritt können wir den Absturz viel genauer vorhersagen", erklärt Krag. Auch bestimmte Gegenden könne man dann ausschließen. "In sechs Jahrzehnten Raumfahrt wurde kein Mensch jemals von Weltraumschrott getroffen", beruhigt Krag. Autofahren oder mit einem Flugzeug fliegen sei ein viel größeres Risiko.

Perspektive einer ISS-Bewohnerin

Aus einer anderen Perspektive betrachtet ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti die Situation der "Progress"-Raumkapsel. Cristoforetti befindet sich seit November 2014 an Bord der Internationalen Raumstation ISS und sollte gemeinsam mit ihren fünf Astronauten-Kollegen den Raumfrachter in Empfang nehmen. Beladen ist der Frachter unter anderem mit Treibstoff, Lebensmitteln, neuen Experimenten und auch Geschenken für die Astronauten.

In ihrem Logbuch auf Google+ schreibt Cristoforetti: "Die gute Nachricht ist, dass uns Nahrung, Wasser und Sauerstoff nicht so bald ausgehen - wir haben genügend Reserven." Im Außenposten der Menschheit im All müsse kein Astronaut hungrig ins Bett gehen. Stattdessen seien die Astronauten weiter damit beschäftigt, die Raumstation zu warten und Wissenschaft zu betreiben.

Auf der Erde seien die Kollegen dagegen damit beschäftigt, zu analysieren, welche Auswirkungen die aktuelle "Progress"-Situation auf den nächsten Sojus-Start und die Aktivitäten auf der ISS habe, berichtet Cristoforetti. "Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das ein kompliziertes Problem und wie so oft bin ich froh, dass ich nur ein Astronaut bin und nur meine Aufgaben hier oben erfüllen muss."

Cristoforetti soll die ISS Mitte Mai wieder verlassen, für Ende Mai ist der nächste bemannte Flug zur ISS geplant. Ob der jedoch wie geplant stattfinden kann, wird sich zeigen. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Start der Sojus mit der neuen ISS-Crew aufgeschoben wird", zitiert die russische Nachrichtenagentur Tass eine Quelle. Es ist also gut möglich, dass die Astronauten, die am 26. Mai an Bord einer "Sojus"-Kapsel zur ISS aufbrechen sollten, etwas länger auf ihre Reise ins All warten müssen. Schließlich ist die russische "Sojus" nach dem Ende des amerikanischen Space-Shuttle-Programms das einzige Transportmittel, das Astronauten zur ISS und zurück befördern kann. Und bevor man weiß, welche Ursache das "Progress"-Problem hat, wird man zögern, Astronauten der zusätzlichen Gefahr auszusetzen.

 

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