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Internationale Raumstation ISS ist seit 20 Jahren im All

Technikfehler, ein Leck und ein Beinahe-Crash: Die Raumstation ISS kämpft kurz vor ihrem 20. Jubiläum mit großen Problemen. Wie lange hält die Station noch durch?

20.11.2018 16:21
Internationale Raumstation ISS
Die Internationale Raumstation ISS, fotografiert am 4. Oktober 2018 von Bord einer Sojus-Raumkapsel nach dem Abdocken. Foto: NASA/Roscosmos

Die Internationale Raumstation ISS hat schwere Monate hinter sich. Immer wieder geriet die Weltraum-WG rund 400 Kilometer über der Erde in den vergangenen Monaten in unrühmliche Schlagzeilen. Dabei hat die Mannschaft um den deutschen Astronauten Alexander Gerst eigentlich Grund zum Feiern: Die ISS wird 20 Jahre alt. Möglicherweise erlebt sie aber gerade ihre letzte Lebensphase.

Am 20. November 1998 wurde das erste russische Modul „Sarja“ (Morgenröte) ins All geschossen. Seither ist die ISS immer weiter gewachsen, inzwischen ist sie etwa so groß wie ein Fußballfeld und technisch vielfältig ausgerüstet. „Die komplexeste, wertvollste & unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat“, nennt Gerst seinen derzeitigen Wohn- und Arbeitsort via Twitterbotschaft. Seit dem Jahr 2000 forschen ohne Unterbrechung Raumfahrer im Weltraumlabor. Gerst ist bereits zum zweiten Mal dort.

Es war US-Präsident Ronald Reagan, der am 25. Januar 1984 die US-Raumfahrtagentur Nasa mit der Entwicklung einer bemannten Raumstation beauftragte. Bald schon warben die Amerikaner bei den Europäern um Teilhabe - auch um zu verhindern, dass dort an einer eigenen Station getüftelt wird. Mit dem Ende der Sowjetunion 1990 entstand die ebenfalls nicht ganz selbstlose Idee, die Russen mit ins Boot zu holen. Eine Kooperation mit unzähligen Vorteilen etwa für die Völkerverständigung nach dem Kalten Krieg - aber auch Nachteilen. So wurde die Station größer als eigentlich geplant und gebraucht.

ISS hat auch ein europäisches Zimmer

Die meisten Bauteile stammen aus den USA und Russland. Mit dem in Bremen und Turin (Italien) gebauten Forschungslabor Columbus erhielt das Haus im Orbit 2008 auch ein europäisches Zimmer. Mit einer gemütlichen Herberge ist der Koloss nicht vergleichbar. Bei voller Besetzung gibt kaum Privatsphäre, die speziell vorbereiteten Mahlzeiten kommen aus der Tüte. Waschmöglichkeiten zwischen Kabeln und Computern sind zwar spektakulär, das Prozedere ist aber mühselig, wie die Raumfahrer immer wieder dokumentieren. Viel Arbeitszeit muss für die Wartung von Geräten und zum Putzen aufgewendet werden.

Über den Zustand der ISS gibt es zurzeit viele Spekulationen, auch weil die Nasa und die russischen Kollegen von Roskosmos nur spärliche Informationen dazu geben. Die ISS dürfte trotz vieler Nachrüstungen über die Jahre ziemlich gelitten haben. Auch äußerlich: Einschläge verursachen immer wieder kleine Krater. Einige Male musste die ISS Weltraumschrott ausweichen und deswegen kurzfristig ihren Kurs ändern. Einmal durchschlug ein winziger Splitter ein Sonnensegel.

Vorfälle wie dieser brachten die Crew bisher noch nie in ernsthafte Gefahr. Konsequenzen für die Zukunft der ISS könnten aber zwei Notfälle haben, die noch immer nicht im Detail geklärt sind:

Seit im Sommer ein kleines Leck in der russischen Sojus-Kapsel einen Druckabfall in der ISS auslöste, kursieren wilde Spekulationen über die Ursache. War es Pfusch, Sabotage oder einfach ein Unglück? Wenige Wochen später kam es erneut zu einem ernsthaften Zwischenfall: Ein Raketenfehlstart mit zwei Raumfahrern an Bord endete zwar glimpflich, brachte aber den ganzen Zeitplan von Gersts Mission durcheinander. Wieder zweifelte man weltweit an der Sicherheit des Projekts.

Teuerstes Gebäude der Welt

Kritiker bezeichnen die ISS gerne als das teuerste Gebäude der Welt - die Gesamtkosten seit 1998 liegen nach Schätzungen bei weit über 100 Milliarden US-Dollar. Zu den exakten Ausgaben halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Mehr als drei Milliarden Dollar zahlen allein die USA Berichten zufolge jedes Jahr für den Betrieb.

Die europäische Raumfahrtagentur Esa gibt an, bisher zehn Milliarden Euro in die ISS investiert zu haben - davon vier Milliarden in die Entwicklung und sechs in ISS-Operationen zwischen 2008 und 2018. Die größten Esa-Geber-Länder für die Station sind Deutschland, Italien und Frankreich, wie die Agentur mitteilt.

Die große Errungenschaft sei die Einigung auf den gemeinsamen Bau der ISS, auf einen „Plan für all diese Länder, gemeinsam langfristig erfolgreich zu arbeiten“, gewesen, sagte Lynn Cline, die damals für die Nasa die Verhandlungen geleitet hatte. „Ich hoffe, dass dieser Plan in Zukunft ein Meilenstein in der Wissenschaft, der bemannten Raumfahrt und bei der Entwicklung hin zur nächsten Stufe sein wird.“

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