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„Hayabusa2“ und „Mascot“ Japanische Sonde und deutsches Landegerät nähern sich Asteroiden

Der deutsche Asteroidenlander „Mascot“ an Bord der japanischen Raumsonde „Hayabusa2“ steht kurz vor seinem Ziel. Wissenschaftler wollen auf dem fernen Himmelskörper den Ursprung unseres Sonnensystems erforschen.

25.06.2018 13:26
Japanische Raumsonde Hayabusa2
Die japanische Raumsonde „Hayabusa2“ ist auf dem Weg zum Asteroiden „Ryugu“. Mit dabei: der deutsche Asteroidenlander „Mascot“. Foto: DLR/dpa

Die Spannung steigt. Rund 300 Millionen Kilometer von unserer Erde entfernt nähert sich ein schuhkartongroßes Landegerät namens „Mascot“ an Bord des japanischen Raumschiffs „Hayabusa2“ seinem Ziel: dem Asteroiden Ryugu. Seit vier Jahren reist „Mascot“, entwickelt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtagentur CNES, mit der japanischen Raumsonde durch die Tiefen des Weltalls. In wenigen Tagen dürften die beiden Ryugu endlich erreichen.

Die Forscher wollen mit der Mission den Ursprüngen unseres Sonnensystems auf die Spur kommen. Asteroiden wie Ryugu, der nach einem unter Wasser liegenden Schloss aus der japanischen Mythologie benannt wurde, sind Gesteinsbrocken, die um die Sonne kreisen. Sie gelten als Überreste aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. Japans Raumfahrtagentur Jaxa rechnet damit, dass das eigene Raumschiff um den 27. Juni herum sein Ziel erreichen wird. Zunächst soll „Hayabusa2“ den Asteroiden, den der deutsche DLR-Planetenforscher Ralf Jaumann als „schön primitives Objekt“ bezeichnete, vermessen.

Später soll sich die Sonde dem Himmelskörper so sehr nähern, dass sie im dichten Überflug Material von seiner Oberfläche einsaugen und im Jahr 2020 zur Erde bringen kann. Der Lander „Mascot“ (Mobile Asteroid Surface Scout) wird dagegen aus einer Höhe von 100 Metern im freien Fall auf den Asteroiden herabsinken und dort bleiben. Überwacht und betrieben wird das zehn Kilogramm schwere Gerät mit seinen vier Instrumenten vom „Mascot Control Center“ des DLR in Köln. „Wir untersuchen mit der Mission ursprüngliches Material aus dem solaren Nebel, mehr als 4,5 Milliarden Jahre alt und kaum verändert“, erklärt Planetenforscher Jaumann in einem Blogeintrag des Raumfahrtzentrums.

„Die größten Herausforderungen werden die Trennung von der Muttersonde und die anschließende Landung sein“, sagte DLR-Projektleiterin Tra-Mi Ho zum Start der Mission am 3. Dezember 2014. Der Asteroid, der anfangs „1999 JU3“ genannt wurde, hat einen Durchmesser von nur etwa 900 Metern und lediglich etwa ein 60 000stel der Erdanziehungskraft. Ein Tag dauert etwa 7,6 Stunden. Gemessen wurden diese Werte allerdings von der Erde aus - wie groß mögliche Fehlerabweichungen zur Realität sind, wird das Mascot-Team ganz genau erst nach Ankunft in der Umlaufbahn von Ryugu erfahren, so das DRL.

Ryugu ist besonders kohlenstoffhaltig und gehört damit zu einer häufig vorkommenden Klasse von erdnahen Asteroiden. Teleskopmessungen ließen vermuten, dass er Wasser enthält. Es besteht die Möglichkeit, dass Asteroiden einst mit Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben könnten. Ryugu ist zudem ein erdbahnkreuzender Asteroid. Auch wenn er selbst der Erde wohl nie gefährlich werde, wäre es für zukünftige Abwehrmissionen hilfreich, wenn man mehr über diese Art der Asteroiden erfahren würde, heißt es.

Mit Hilfe seiner Sensoren wird sich „Mascot“ auf Ryugu orientieren. Mit einem eingebauten Schwungarm kann er bis zu 70 Meter weit hüpfen und so erstmals an verschiedenen Orten auf einem Asteroiden Messungen vornehmen. Die vier Instrumente im Inneren des 30 mal 30 mal 20 Zentimeter großen Landers sollen unter anderem die mineralogische und geologische Zusammensetzung der Asteroidenoberfläche samt Temperatur untersuchen sowie das Magnetfeld ermitteln. Wenn alles glatt verläuft, werden die Forscher insgesamt bis zu 16 Stunden lang Daten erhalten. Zugleich wird „Mascot“ als Späher erkunden, wo die Sonde Material einsammeln soll.

Ist die von der französischen Raumfahrtagentur CNES beigesteuerte Batterie des Landers erschöpft, dann ist die Mission des deutschen Geräts beendet. Die japanische Muttersonde dagegen wird zurück zur Erde fliegen und soll dort Ende 2020 über einer Wüste in Australien eine Kapsel mit den eingesammelten Proben des Asteroiden abwerfen.

Bereits 2010 hatte die Raumsonde „Hayabusa“ (japanisch für Falke), Vorgängerin der „Hayabusa2“, weltweit erstmals Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht. Die japanischen Mitarbeiter des Projekts wurden in ihrer Heimat besonders gefeiert. Denn es ging nicht nur um die Proben, sondern auch um die eingebauten Technologien: Die Sonde sollte als Pionier den Weg für weitere Missionen wie die zu Ryugu ebnen - und Japan die technologische Führerschaft sichern.

Weltweit Aufsehen erregt hatte zuletzt die Sonde „Rosetta“, deren Mini-Labor „Philae“ 2014 auf dem Kometen Tschuri (67P/Tschurjumow-Gerassimenko) gelandet war. 2016 startete die Nasa ihre Sonde „Osiris Rex“, die in diesem August den Asteroiden Bennu erreichen soll. (dpa)

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