Lade Inhalte...

ExoMars-Mission „Schiaparelli“-Daten werden ausgewertet

Was ist mit dem Landemodul „Schiaparelli“ passiert? Kurz vor der Landung ist der Kontakt abgerissen - mittlerweile haben die Forscher Daten zur Auswertung erhalten. Es bleiben jedoch noch Fragen offen.

"Schiaparelli" auf dem Mars - so haben sich Illustratoren die Landung vorgestellt. Foto: dpa

"Es war ein sehr komplexes Manöver für das Landemodul", beginnt Esa-Chef Jan Wörner auf der Pressekonferenz am Tag nach der möglichen Landung auf dem Mars. Die Landung sei ein Test gewesen. Deshalb habe man viele Sensoren an Bord, um jeden Schritt des Landers zu beobachten. "Die Daten von der Landung haben wir erhalten", erklärt Wörner weiter. Es seien jedoch noch einige Fragen offen geblieben, die man analysieren müsse.

"Am wichtigsten ist es für einen Test, dass wir alle Daten auswerten können", erklärt Andrea Accomazzo. Nach dem Auslösen des Fallschirms habe das Landemodul nicht genau so reagiert, wie die Wissenschaftler erwartet hatten, erklärt Accomazzo weiter. Das Hitzeschild dagegen habe funktioniert und auch das Bodenradar sei aktiviert gewesen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir vollständig verstehen werden, das mit dem Lander passiert ist", ergänzt Accomazzo.

Ein Radioteleskop im indischen Pune hatte bereits während der Landung Signale von Teilen der Landung aufgefangen und als schwaches Signal zur Erde geschickt. Doch kurz vor dem Aufsetzen auf der Marsoberfläche verlor das Teleskop das Signal. Ähnlich ging es den Wissenschaftlern mit Signalen, die der Esa-Orbiter "Mars Express" aus der Umlaufbahn des Mars heraus aufgefangen hatte: Sie brachen an derselben Stelle ab - und ließen die angespannt wartenden Forscher im Unklaren über das Schicksal von "Schiaparelli".

Wenigstens das Schicksal des Orbiters TGO, der gemeinsam mit "Schiaparelli" im März mit einer russischen Proton-Trägerrakete ins All gestartet ist, wurde im Laufe des Abends geklärt: Der Orbiter befindet sich in einer Umlaufbahn um den Mars, innerhalb der nächsten Monate soll er seine Umlaufbahn so anpassen, dass im kommenden Jahr wissenschaftliche Arbeit möglich wird. Zuvor hat TGO jedoch noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: In der Nacht nach der Landung sollte der Orbiter beim Überflug mit "Schiaparelli" Kontakt aufnehmen und anschließend Informationen zur Erde schicken.

Diese Informationen könnten helfen, das Schicksal des Orbiters zu klären. Handelt es sich um eine reine Kommunikationspanne? Oder ist das Modul abgestürzt, statt sicher auf dem roten Planeten zu landen? Drei bis zehn Tage halten die Batterien von "Schiaparelli", wenn das Modul die Oberfläche unversehrt erreicht hat. Diese Zeit biete zahlreiche Gelegenheiten für die Wiederherstellung einer Kommunikationsverbindung, teilt die Europäische Raumfahrtorganisation Esa mit.

Wie auch immer die Mars-Landung letztendlich ausgegangen ist: Der Verlust von "Schiaparelli" wäre zwar nicht gut für das Prestige der beteiligten Raumfahrtorganisationen, doch wissenschaftlich verschmerzbar. Das Modul hatte kaum wissenschaftliche Geräte dabei, da es sich in erster Linie um ein Lande-Experiment handelt. "Egal wie die Mission ausgeht, sie ist ein Erfolg, weil wir daraus lernen können", erklärte Esa-Astronaut Alexander Gerst noch am Abend. "Die wissenschaftlichen Daten von TGO sind das Hauptziel der Mission", betonte auch der Leiter des Flugbetriebs der Esa, Paolo Ferri.

TGO soll den Mars umkreisen und dabei nach Methan in der Atmosphäre suchen. Das Spurengas kann durch geologische Prozesse oder biologische Quellen entstehen - und die Suche nach Spuren von Leben ist es, was die Forscher dazu bringt, immer wieder den Mars anzusteuern. Aber auch für die Zukunft der Menschheit auf der Erde könnte man dort wichtige Erkenntnisse gewinnen, betont Alexander Gerst, der selbst Geologe ist: "Der Mars war ein potenziell bewohnbarer Planet. Jetzt ist er wüst und leer. Was ist da passiert? Wir tun gut daran, das herauszufinden." Denn man müsse sich die Frage stellen: "Was würde mit der Erde passieren, wenn sie ein Klima hätte wie der Mars?", so Gerst weiter.

Bei der Beantwortung einiger dieser Fragen soll der zweite Teil der "ExoMars"-Mission helfen. Im Jahr 2020 soll ein Rover, in dessen Landemechanismus die Erkenntnisse aus der "Schiaparelli"-Landung einfließen sollen, auf dem Mars bis zu zwei Meter tief bohren. In diese Tiefe des Planeten ist bislang niemand vorgedrungen. Der "ExoMars"-Rover könnte der erste Rover werden, der so tief bohrt und der erste europäische Mars-Rover überhaupt - wenn er die Landung übersteht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen