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Esa Komplizierte Mission zum Merkur

Die Europäische Raumfahrtagentur schickt im Oktober eine Sonde zu dem unbekanntesten aller Planeten unseres Sonnensystems.

BepiColombo
Die Esa-Raumsonde „BepiColombo“ und ihr Orbiter sollen den Merkur ab dem Jahr 2025 umkreisen. Foto: esa

„Der Merkur ist ein merkwürdiger, ein rätselhafter Planet“, sagt Paolo Ferri, Leiter des Missionsbetriebs bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa: „Er ist klein, so nah wie kein anderer Planet bei der Sonne und auf einer Seite heiß wie ein Backofen. Die Tage und Nächte sind sehr lang, und ein Jahr dauert dort nur drei Monate. Aber insgesamt wir wissen noch nicht so sehr viel über ihn.“

Bislang hat sich Merkur seiner genauen Erforschung gegenüber widerspenstig gezeigt. Von der Erde aus lässt er sich wegen der geringen Distanz zur Sonne nur schwer beobachten. Und nur zweimal bekam er seit Beginn der Raumfahrt Besuch von irdischen Sonden, beide Male wurden sie von der US-Behörde Nasa geschickt: 1974 und 1975 flog „Mariner 10“ dreimal an Merkur vorbei, fast 40 Jahre später startete 2011 die Sonde „Messenger“ und lieferte bis 2015 rund 4000 Bilder des Planeten. Zwar gelang es dem Orbiter, die Oberfläche vollständig zu kartieren. Doch weil seine elliptische Umlaufbahn streckenweise sehr weit entfernt von Merkur verlief, war die Qualitäten der Aufnahmen zum Teil sehr grobkörnig, sagt Ferri. 

Dieses Jahr nun will die Esa ihre erste Sonde zum Merkur schicken. „BepiColombo“ – benannt nach dem Spitznamen des 1984 verstorbenen Mathematikers und Merkurforschers Giuseppe Colombo – soll sich im Herbst an Bord einer Ariane-5-Rakete vom europäischen Raumflughafen Kourou in Französisch Guyana aus auf die Reise machen; der erste mögliche Termin ist der 5. Oktober, wenn es bis hin nicht klappt, gibt es danach noch ein sechswöchiges Zeitfenster für den Start.

Neben einem europäischen Orbiter wird als „Passagier“ auch ein kleinerer Flugkörper der japanischen Agentur Jaxa mit an Bord sein. Auf einer ausgeklügelten Flugroute soll „BepiColombo“ sieben Jahre lang zum Merkur unterwegs sein, und die beiden Orbiter Ende 2025 in ihren vorgesehenen Umlaufbahnen absetzen. 

„BepiColombo“ wird neben dem 2016 beendeten Kometenbesuch von „Rosetta“ die bisher ambitionierteste Mission der Esa überhaupt sein und mit rund 1,3 Milliarden Euro auch ähnlich hohe Kosten in Anspruch nehmen. Mehrere Forschungseinrichtungen wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, die Universitäten Braunschweig und Münster sowie 83 Firmen aus 16 Ländern sind an der Mission beteiligt. Gebaut wird die Sonde bei Airbus Defense and Space in Friedrichshafen.

Eigentlich war der Start bereits für 2013 geplant gewesen. Doch die notwendigen komplizierten Manöver auf dem Weg zum Merkur und insbesondere die unwirtlichen Bedingungen in der Nähe des Planeten erforderten für die Sonde neue Technologien und eine komplexe Bauweise – so kam es immer wieder zu Verzögerungen. „Es gab sehr viele Frustrationen auf dem Weg“, erzählt Paolo Ferri, der die Leitung des Projekts im Jahr 2004 übernommen hatte: „BepiColombo ist eine so komplizierte Mission, die verzeiht nichts. Wenn nur eine Kleinigkeit schiefgeht, kann alles scheitern.“

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