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„BepiColombo“ und „Flyeye-Telescope“ Die Reise zum Merkur

Die Esa schickt 2018 eine Sonde zum Merkur und nimmt das „Flyeye-Telescope“ in Betrieb.

Teleskop
Das „Flyeye-Telescope“ soll ab Ende 2018 von Sizilien aus nach erdnahen Asteroiden Ausschau halten. Foto: esa

Sechzehn Monate ist es her, dass „Rosettas“ Mission zum Kometen Tschuri nach zwölf Jahren zu Ende ging. In diesem Herbst nun will die Europäische Raumfahrtagentur Esa eine Sonde auf eine ähnlich aufwendige, riskante und schwierige Forschungsreise schicken: Im Oktober soll sich „BepiColombo“ mit einem europäischen und einem japanischen Orbiter an Bord auf den Weg zum Merkur machen. Der Aufbruch zum innersten und heißesten Planeten des Sonnensystems wird für die Esa 2018 zweifellos den Höhepunkt darstellen, wie Rolf Densing, Esa-Direktor für den Missionsbetrieb, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Jahresauftakt im Satellitenkontrollzentrum der Esa in Darmstadt sagte.

„BepiColombo“ soll vom Raumflughafen Kourou in Französisch Guyana an Bord einer Ariane-5-Rakete ins All geschossen werden und den Merkur über eine komplizierte Route mit nötigen Umwegen im Jahr 2025 erreichen. Ziel der Mission ist es, den lange vergessenen und immer noch unbekanntesten Planeten unseres Sonnensystems besser zu erforschen, erklärt Paolo Ferri, Leiter des Missionsbetriebs. Unter anderem soll die Mission untersuchen, ob es in Kratern, die auf dem ansonsten glutheißen Himmelskörper im ewigen Schatten liegen, Wasser in Eisform gibt. Auch können lebensfeindliche Planeten wie der Merkur Anhaltspunkte dafür liefern, welches Schicksal der Erde vielleicht einmal beschieden sein könnte.

Gleichzeitig wird bei der europäischen Raumfahrtagentur bereits eine weitere Mission ans andere, äußere Ende des Sonnensystems vorbereitet: „Juice“ heißt die Raumsonde, die in den 2020er Jahren den Jupitermond „Europa“ erkunden soll.

Bei den anderen großen Projekten der Esa in diesem Jahr geht es vor allem um den Schutz unseres Heimatplaneten. Das sicherlich spektakulärste davon ist das „Flyeye-Telescope“, das „Fliegenaugen-Teleskop“, das Ende 2018 in Sizilien den Betrieb aufnehmen soll. Es wird das erste von einem Netzwerk mehrerer geplanter Teleskope sein, die im All Ausschau halten sollen nach erdnahen Asteroiden, Meteoriten oder Trümmern, die unserem Planeten gefährlich werden könnten, erklärt Nicolas Bobrinsky, Leiter des Esa-Programms zur Weltraumlageerfassung. 

Es gehe darum, solche fliegenden Objekte früh zu erkennen, um rechtzeitig Menschen in Sicherheit bringen zu können. Eine Möglichkeit, Asteroiden abzuwehren, existiert bislang noch nicht – auch wenn diese Vorstellung keineswegs Science Fiction ist. Tatsächlich gibt es bereits Ideen, um die Erde im Falle des Falles zu schützen. So sei es denkbar, einen Gesteinsbrocken aus dem All mit Hilfe von Satelliten weg von der Erde zu drängen, sagt Mike McKay, Leiter der Esa-Hauptabteilung für Bodensystementwicklung. Doch bislang scheiterten Tests und erst recht die Realisierung eines solchen Systems an der Finanzierung durch die Esa-Mitgliedsstaaten: „Konzepte gibt es bereits, aber kein Geld“, sagt Rolf Densing. Die Prioritäten seien bisher andere gewesen. Das „Flyeye-Telescope“ soll sich nun also erst einmal auf die Suche nach potenziellen Gefahrenquellen machen und dabei einen großen Bereich des Himmels abdecken. Das Thema ist sich der Esa-Direktor sicher, sei eine „Menschheitsaufgabe“.

Ganz konkret im unkontrollierten Anflug ist derzeit ein Objekt, das indes nicht aus den Tiefen des Universums stammt, sondern menschengemacht ist: Die chinesische Raumstation Tiangong 1 wird im Frühjahr wahrscheinlich auf die Erde stürzen, vermutlich zwischen Mitte März und Mitte April, wie Mike McKay sagt. 

8,1 Tonnen wiegt der „Himmlische Palast“ – und auch wenn das meiste davon wohl in der Atmosphäre verglühen wird, so lässt sich seinem Niedergang doch nicht gelassen entgegensehen. Denn einige Trümmerteile könnten immerhin noch die Größe eines Kühlschranks haben und mit einer Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern einschlagen. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern der Esa und der kalifornischen Aerospace Corporation könnten die Reste von „Tiangong 1“ nördlich von 43 Grad Nord oder südlich von 43 Grad Süd niedergehen. Auch das südlichere Europa könnte damit betroffen sein. Die Gefahr, dass die Trümmer auf bewohntes Gebiet niedergehen, schätzen die Experten gleichwohl als eher gering ein. Eine Möglichkeit, einzugreifen, bestehe von der Erde aus nicht, erklärt McKay.

Ein Thema, das den Esa-Verantwortlichen  zwar nicht akut, so aber doch auf längere Sicht Sorge bereitet, ist das zunehmende Gedränge im Orbit. Immer mehr Satelliten tummeln sich dort oben – mit der Folge, dass auch immer mehr Schrott seine Kreise um die Erde zieht. Derzeit befinden sich 4500 Satelliten in der Umlaufbahn, sagt Rolf Densing, 1500 davon sind in Betrieb. Allein für das Internet aus dem Weltraum sollen dieses Jahr 650 neue Satelliten platziert werden. Die Firma SpaceX will zu diesem Zweck sogar 4000 Stück ins All bringen. „Da besteht Handlungsbedarf hinsichtlich einer Weltraumaufsicht“, sagt Densing. 

Die Esa selbst wird in diesem Jahr drei Satelliten ins All schießen. Sentinel-3B soll Auskunft über den Zustand der Ozeane geben und die Höhe des Meeresspiegel sowie die Temperaturen der Land- und Meeresoberflächen erfassen. Der ADM-Aeolus-Satellit soll täglich globale Windprofile liefern. Schließlich wird auch noch ein Wettersatellit mit dem Namen MetOP-C gestartet, um die weltweiten Wettervorhersagen und das Verständnis des Klimawandels zu verbessern. 
Und auch Menschen schickt die europäische Weltraumorganisation 2018 wieder ins All: So wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst in diesem Jahr mit seiner „Horizons“-Mission zum zweiten Mal zur Internationalen Raumstation ISS fliegen,, dieses Mal sogar in der Funktion als Kommandant.

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