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Astronomie Schnellster Stern der Milchstraße

Der schnellste Stern der Milchstraße bewegt sich mit 1200 Kilometern pro Sekunde und wird die Milchstraße auf Nimmerwiedersehen verlassen. Bisher sind gerade einmal zwei Dutzend ähnlich schnelle Sterne bekannt - doch so schnell wie der unscheinbare Stern US 708 ist keiner von ihnen.

06.03.2015 15:11
Künstlerische Darstellung: Eine Supernova (unten) und der beschleunigte Stern (links). Foto: ESA/Hubble, NASA, S. Geier

Ein internationales Forscherteam ist dem schnellsten Stern der Milchstraße auf die Spur gekommen. Der rund 27.000 Lichtjahre entfernte Raser im Sternbild Großer Bär ist mit 4,32 Millionen Stundenkilometern unterwegs - das sind 1200 Kilometer pro Sekunde, wie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) am Freitag mitteilte. Der unscheinbare Stern US 708 ist so schnell, dass er die Milchstraße auf Nimmerwiedersehen verlassen wird. Eine wichtige Rolle im ungewöhnlichen Leben des Rekordhalters spielte eine Supernova-Explosion, wie die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift "Science" berichteten.

Gemessen wurde die genaue Geschwindigkeit des bereits vor zehn Jahren entdeckten Schnellläufers von Wissenschaftlern um Stephan Geier von der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching, der Dr.-Karl-Remeis-Sternwarte der FAU sowie aus den Niederlanden, Großbritannien, den USA und China. "Die jetzt ermittelte Geschwindigkeit ist das Ergebnis unserer Messungen", sagte Geier der Nachrichtenagentur AFP.

Laut FAU kennen die Astronomen derzeit unter den 100 Milliarden Sternen unserer Milchstraße gerade mal zwei Dutzend ähnlich schnelle Sterne - doch so schnell wie US 708 ist keiner von ihnen. Üblicherweise entstehen die stellaren Raser, wenn sich ein Doppelstern dem supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße nähert und dabei zerrissen wird. Einer der Sterne fällt ins Schwarze Loch, der Partnerstern wird aus der Galaxie katapultiert und so zum Hochgeschwindigkeitsstern.

Anders im Fall von US 708. Denn Geier und seinen Forscherkollegen konnten nun dessen Flugbahn rekonstruieren. Dabei kam heraus, dass der Temporekordler nicht aus dem Zentrum der Milchstraße stammen kann und damit das dortige Schwarze Loch als Katapult ausscheidet. Rätsel gab den Forschern zudem auf, dass US 708 anders als andere Hochgeschwindigkeitssterne aus Helium besteht. Heliumsterne sind laut FAU äußerst seltene, alte Sterne von nur halber Masse unserer Sonne.

Der Lösung des Rätsels näher kamen die Forscher durch die Entdeckung, dass sich US 708 viel schneller um seine Achse dreht als jeder andere bekannte Heliumstern. Dies deutet nach FAU-Angaben darauf hin, dass er einmal einen sehr nahen Doppelsternpartner hatte, dessen Gezeitenkräfte ihn wie einen Brummkreisel aufgezogen haben. Der Doppelsternpartner muss demnach ein Weißer Zwerg gewesen sein, ein sehr kompakter Stern von Erdgröße.

US 708 und sein Doppelsternpartner kamen sich schließlich immer näher. Dabei entriss der Weiße Zwerg seinem Partner so viel von seiner Hülle, dass dessen Heliumkern sichtbar wurde und in der Folge Helium von US 708 zum Weißen Zwerg strömte. Bevor der Weiße Zwerg seinen Partnerstern komplett schluckte, explodierte der Zwergstern und wurde bei dieser sogenannten thermonuklearen Supernova komplett zerstört. "Diese Explosion hat sich vor rund 14 Millionen Jahren ereignet", sagte Geier.

Mit der Explosion des Weißen Zwergs fiel mit einem Schlag auch dessen Anziehungskraft auf US 708 weg. Dieser behielt seine ohnehin bereits immense Geschwindigkeit bei und wurde durch die Supernova sogar noch etwas beschleunigt. Seither ist er als schnellster Stern der Milchstraße unterwegs. (afp)

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