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Astronomie Minimonde umkreisen die Erde

Die Erde hat nur einen Mond? Falsch gedacht. Neben dem großen Erdtrabanten kreist immer noch mindestens ein kleiner, nur rund einen Meter großer Minimond unseren Planeten.

30.03.2012 21:03
Der große, gut sichtbare Mond am Nachthimmel ist nicht der einzige Mond, der unsere Erde umkreist. Foto: dpa

Das hat ein internationales Forscherteam ermittelt. Bisher hatte man erst einen dieser kleinen Erdbegleiter direkt beobachtet, er hielt sich vom Juni 2006 an rund ein Jahr im Erdorbit auf. Danach verließ er die Umlaufbahn und nahm sein früheres Leben als die Sonne umkreisender Asteroid wieder auf. Die Erde fange solche Asteroiden regelmäßig ein und behalte sie dann für rund neun Monate im Orbit, berichten die Astronomen im Fachmagazin „Icarus“. (doi: 10.1016/j.icarus.2011.12.003)

Am 14. September 2006 hatten Astronomen des Catalina Sky Survey in Arizona ein unbekanntes Objekt von der Größe eines Kleinwagens im Erdorbit entdeckt. Zunächst war unklar, ob es sich dabei nicht einfach um ein Stück Weltraumschrott handelte. Deshalb bekam der fliegende Brocken nicht einmal eine offizielle Bezeichnung. Später stellte sich heraus, dass es sich wohl doch um einen Gesteinsbrocken handelt, möglicherweise einen Asteroiden, der durch die Erdschwerkraft aus seiner Bahn um die Sonne abgelenkt und eingefangen worden war. Am 14. Juni 2007, nach vier Umkreisungen, verließ der Brocken die Erdumlaufbahn wieder und flog weiter in Richtung Sonne.

Die Erde fängt regelmäßig Asteroiden ein

Seither war strittig, ob es sich bei diesem Ereignis um eine Ausnahme handelte, oder ob die Erde regelmäßig solche Asteroiden einfängt und zu temporären Begleitern macht. Um dies zu klären, simulierten Mikael Granvik von der Universität von Helsinki und seine Kollegen die Flugbahnen von zehn Millionen Asteroiden, die dicht an der Erde vorbeifliegen. Mit Hilfe eines Supercomputers berechneten sie, wie viele dieser Objekte wie lange von der Erde eingefangen wurden.

Das Ergebnis: Ein Trabant von mindestens einem Meter Durchmesser ist fast immer im Erdorbit zu finden. Im Durchschnitt umkreisen diese Minimonde die Erde 2,9 Mal bis sie weiterfliegen. Rund neun Monate halten sie sich dabei durchschnittlich in Erdnähe auf, es gebe aber auch Minimonde, die Jahrzehnte im Orbit blieben. Zu einer Kollision dieser Objekte mit der Erde komme es aber nur in sehr wenigen Fällen: „Wir schätzen dass nur rund 0,1 Prozent der auf der Erdoberfläche eingeschlagenen Meteoriten solche Minimonde waren“, schreiben die Forscher.

Trabanten ziehen chaotische Flugbahnen

Im Gegensatz zu unserem großen Mond, der die Erde auf einer nur leicht elliptischen, geordneten Bahn umkreist, sind die Flugbahnen der Mínimonde um die Erde eher chaotisch: Sie folgen komplizierten, sich verändernden Bahnen, wie die Astronomen berichten. Das liege daran, dass diese Objekte nur lose von der Erdschwerkraft gebunden seien. Die sich verändernden Schwerkrafteinflüsse von Sonne und Mond führten zu Störungen, die die Minimonde aus ihrer Bahn ablenkten. Der Einfluss der Sonnenschwerkraft sei es auch, der die Minimonde wieder aus dem Erdorbit befreie, sagen die Forscher.

Nach Ansicht der Forscher sind die Minimonde aus wissenschaftlicher Sicht extrem interessant, denn als Relikte des frühen Sonnensystems liefern sie ihre Informationen quasi frei Haus. Man könnte sie relativ leicht einfangen und zur Erde bringen: „Das wäre eine kostengünstige Methode, um eine Probe von Asteroidenmaterial zu erhalten, das sich seit Anfang unseres Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren nicht sehr verändert hat“, sagt Studienleiter Robert Jedicke von der University of Hawaii in Honolulu. (dapd)

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