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All Gefährliches Weltraumfieber

Wissenschaftler der Berliner Charité warnen: Schwerelosigkeit führt bei Astronauten zu dauerhaftem Fieber. Die Folgen können verheerend sein.

US-Astronaut David A. Wolf
Der US-Astronaut David A. Wolf im Jahr 2002 bei einem Außeneinsatz während einer Space-Shuttle-Mission. Foto: NASA

Weltraumbegeisterte warten sehnsüchtig darauf, dass nicht nur Sonden und Roboter, sondern bald auch wieder Menschen neues, unbekanntes Terrain im All erforschen. Die internationalen Raumfahrtorganisationen haben einiges in Planung: ein Besuch der Rückseite des Mondes, die bislang noch kein Astronaut betreten hat, ein „Moon Village“ auf dem Erdtrabanten, eine Art fester Außenposten, wo geforscht und nach Rohstoffen gesucht wird, der außerdem als Zwischenstation für weitere Flüge zu ferneren Destinationen dienen könnte. Und dann gibt es ja als ganz großes Ziel auch noch die Reise zum Mars, deren möglicher Start allerdings in den Sternen steht.

Fakt ist: Bei all diesen Missionen würden Menschen längere Zeit im All verbringen. Ein Hin- und Rückflug zum Mars samt Aufenthalt würde selbst bei einem Start zum optimalen Zeitpunkt – wenn sich die Erde und ihr roter Nachbar am nächsten sind – vermutlich um die drei Jahre in Anspruch nehmen. Welche Folgen es für menschlichen Körper hat, wenn er so lange Bedingungen ausgesetzt wird, die für ihn unnatürlich sind, konnte bislang nicht vollständig geklärt werden. Unter anderem fehlt schlicht die Erfahrung: Der längste Weltraumaufenthalt am Stück betrug 437 Tage, der Russe Waleri Poljakow verbrachte ihn von Januar 1994 bis März 1995 auf der Raumstation MIR.

Auch auf der Internationalen Raumstation ISS leben die Astronautinnen und Astronauten, Kosmonautinnen und Kosmonauten Monate bis hin zu einem Jahr. An ihnen erforschen Wissenschaftler die gesundheitlichen Auswirkungen der Schwerelosigkeit, die von den vielen Einflüssen auf den Körper während eines Raumflugs am markantesten ist.

Die jüngsten Erkenntnisse dazu stammen aus Berlin: Physiologen der Charité-Universitätsmedizin haben beobachtet, dass der Körper in der Schwerelosigkeit „regelrecht heißt läuft“, wie sie es formulieren. Selbst im Ruhezustand liege die Temperatur bei rund einem Grad über dem Normalwert von 37 Grad. Die Forscher um Hanns-Christian Gunga, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Physiologie, hatten für ihre Studie bei Astronauten auf der ISS mit Hilfe von Sensoren auf der Stirn die sogenannte Kerntemperatur, die im Gehirn und in den inneren Organen herrscht, ermittelt. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin „Scientific Reports“ publiziert.

Fieber im All

Die Technologie, mit der die Wissenschaftler die Temperatur der Astronauten gemessen haben, ist neu und wurde von ihnen selbst entwickelt. Sie kombiniert einen Sensor, der die Temperatur der Hautoberflächen misst, mit einem Wärmestromsensor, „um selbst geringfügige Veränderungen der arteriellen Bluttemperatur zu messen“, wie Hanss-Christian Gunga sagt. Auf diese Weise testeten die Forscher die Kerntemperatur bei den Astronauten in Ruhe und während ihrer Trainingseinheiten sowie vor, während und nach den Aufenthalten auf der Internationalen Raumstation.

Dabei stellten die Physiologen fest, dass die Weltraumfahrer „unter einer Art andauerndem Fieber“ litten. Sie fanden zudem heraus, dass das Fieber nicht schlagartig steigt, sondern dass der Körper über einen Zeitraum von etwa zweieinhalb Monaten stetig wärmer wird, bis er sich bei einer Kerntemperatur von ungefähr 38 Grad einpegelt. Bei sportlicher Betätigung indes sei die Temperatur sogar „häufig auf mehr als 40 Grad“ geklettert.

Weniger Schweiß als auf der Erde

„Der Körper kann die überschüssige Hitze in der Schwerelosigkeit kaum loswerden“, erläutert Gunga. „Der Wärmeaustausch zwischen Körper und Umgebung ist in diesem Umfeld deutlich erschwert.“ Weil Schweiß weniger als auf der Erde verdampfe, überhitze der Körper während sportlicher Trainingseinheiten im All besonders schnell.

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