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Artensterben Schneeballeffekt durch aussterbende Pflanzen

30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten weltweit sind heute gefährdet. Insbesondere, wenn wieder eine große Tierart als ausgerottet gilt, horcht die Öffentlichkeit auf. Doch aussterbende Pflanzen haben viel gravierendere Effekte auf die Artenvielfalt.

28.10.2010 12:44
Julia von Sengbusch
Auf den Versuchsfeldern in Jena testen die Wissenschaftler, wie sich eine bestimmte Artenzusammensetzung auf den Lebensraum auswirkt. Foto: Weigelt/Voigt/Scherber/Jena-Experiment

Das hat jetzt ein Team um Christoph Scherber von der Universität Göttingen herausgefunden. Pflanzen stehen am Anfang der Nahrungskette: Wenn sie verschwinden, sterben als nächstes die Organismen, für die sie die Nahrungsgrundlage bilden. Dadurch wiederum werden räuberische Insekten gefährdet.

Dieser Effekt setzt sich schneeballartig die Nahrungskette entlang fort und bedroht ein immer breiteres Artenspektrum. „Wenn auch nur eine einzige Pflanzenart ausstirbt, dann gehen mit ihr oft eine ganze Menge weiterer Arten verloren“, sagt Scherber. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Fachblatt Nature.

Acht Jahre lang beobachteten sie in einem der am längsten währenden Ökosystem-Experimente Europas, wie sich die Artenzusammensetzung verändert. Beim sogenannten „Jena-Experiment“ können Forscher auf verschiedenen, jeweils 400 Quadratmeter großen Grasflächen alle möglichen Tier- und Pflanzenarten kombinieren. Außerdem haben sie die Möglichkeit, die Bedingungen im laufenden Versuch zu verändern, indem sie die Flächen mähen oder düngen oder Arten entfernen und hinzufügen.

„Die Studie ermöglicht es auch, Artensterben vorherzusagen und abzuschätzen, welche Tiergruppen am empfindlichsten darauf reagieren“, sagt Scherber. So konnten die Forscher zeigen, dass Tiere, die oberirdisch leben, Veränderungen gegenüber deutlich sensibler sind, als Spezies im Boden.

Ein weiteres Ergebnis der Wissenschaftler: Je vielfältiger die Pflanzen in einem Gebiet sind, umso positiver beeinflussen sie ihre Umwelt. Sie verhindern, dass sich einzelne Arten von Pilzen oder Unkräutern zu stark ausbreiten und ziehen ein buntes Spektrum von Insekten an, die ihrerseits die Pflanzen befruchten und so deren Überleben sichern. „Die Pflanzenvielfalt fördert vor allem Arten und Funktionen, die für den Menschen wichtig und erhaltenswert sind“, so der Agrarökologe Scherber.

DOI:10.1038/nature09492

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